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Plötzlich dabei: Der Gemeinderat Irschenberg hat nun doch für die Ökomodellregions-Bewerbung gestimmt. Zu den Alleinstellungsmerkmalen gehört auch Kaffeerösterei Dinzler in Wendling (unten im Bild).

Irschenberg stimmt für Ökomodellregion

Dritter Anlauf klappt aus Solidarität

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Irschenberg - Die ersten beiden Anläufe scheiterten, beim dritten Mal hat es geklappt: Der Gemeinderat Irschenberg hat die Bewerbung für die Ökomodellregion abgesegnet.

Bürgermeister Hans Schönauer (FWG Niklasreuth) schnaufte, bevor er den dritten Anlauf wagte: „Die Ökomodellregion ist ein leidiges Thema“, sagte er. „Der Gemeinderat hat schon zwei Mal abgelehnt, weil er keinen Nutzen darin gesehen hat.“ Am 17. November und am 15. Dezember. Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner, der bei der Bewerbung die Federführung übernommen hat, „hat uns darum gebeten, das zu überdenken“, so Schönauer. „Weil wir Alleinstellungsmerkmale haben.“ Dazu gehören die Kaffeerösterei Dinzler, die Obermooser Bio-Hofkäserei aber vor allem die Tatsache, dass Irschenberg die Gemeinde mit den meisten Bauern und Kühen im Landkreis ist. „Wenn es an uns scheitern würde, wäre das aus Solidarität nicht angemessen.“

Das hat Schönauer jetzt in der Gemeinderatssitzung gesagt, als es erneut um die landkreisweite Bewerbung für den Ökomodellregions-Wettbewerb des Landwirtschaftsministerium ging. Dieser soll den ökologischen Landbau und die regionale Identität fördern. Setzt sich die Ökomodellregion Miesbacher Oberland durch, würde sie heuer als eine von fünf Regionen vom Amt für Ländliche Entwicklung für zwei Jahre einen Projektmanager bezuschusst bekommen.

Wie berichtet, hatte Lechner die Bewerbung Ende 2014 fristgerecht eingereicht. Damals erklärte er, alle Gemeinden säßen mit im Boot. Allerdings standen noch Gemeinderatsbeschlüsse aus. Aktuell fehlen laut Fischbachaus Bauamtsleiter Werner Wagner – Lechner ist im Urlaub und kann keine Auskunft geben – fünf Beschlüsse. Neben Irschenberg gehören dazu Tegernsee, Gmund, Bad Wiessee und Rottach-Egern. Die Talgemeinden stimmen in Kürze darüber ab, auch diese hatte Lechner im Vorfeld bearbeitet. Umso mehr mitmachen, desto höher die Chancen.

In Irschenberg ist der Bann gebrochen. Franz Anian Nirschl (FWG Irschenberg-Reichersdorf), der zwei Mal dagegen gestimmt hatte, schlug jetzt ganz andere Töne an: „Ich sehe das mittlerweile so wie Du“, sagte er zum Bürgermeister. „Aus Solidarität sollten wir mitmachen. Auch wenn es für uns nicht so viel bringt.“ Die Kosten seien überschaubar. Bekanntlich liegt das Startkapital bei 500 Euro pro Gemeinde. Zusätzlich rechnet Schönauer mit Folgekosten von etwa 3200 Euro auf zwei Jahre verteilt. Sonst gab es keine Diskussion im Gemeinderat.

Am Ende stimmte das Gremium – mit einer Gegenstimme – dafür, die ersten beiden Beschlüsse aufzuheben. Zudem segnete es die Teilnahme ab, hier waren zwei dagegen. „Es liegt mir fern, so lange abzustimmen, bis ich das Ergebnis habe“, sagt Schönauer auf Anfrage. Erlaubt sei es allemal, über dasselbe Thema mehrmals abzustimmen – insbesondere wenn neue Gesichtspunkte dazu kommen. Stimmt. So steht es in der Muster-Geschäftsordnung für den Gemeinderat des Gemeindetags. Auf dieser beruht laut dem Irschenberger Geschäftsleiter Josef Bögl auch die Irschenberger. Neue Argumente sind laut Schönauer die Alleinstellungsmerkmale. Wie seine Gemeinde in Zukunft mit der Ökomodellregion umgeht, sei offen: „Jetzt machen wir mit, danach müssen wir schauen.“

Von Marlene Kadach

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