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Asylbewerber in der Volksfest-Achterbahn

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Ein unglaubliches neues Erlebnis: Die schnelle „Feuer & Eis“-Bahn fasziniert Achmed (vorne l.), Isaac (vorne r.) und Patrick (dahinter) am meisten. Nach der spendierten Fahrt war die Freude groß. foto: andreas leder
Ein unglaubliches neues Erlebnis: Die schnelle „Feuer & Eis“-Bahn fasziniert Achmed (vorne l.), Isaac (vorne r.) und Patrick (dahinter) am meisten. Nach der spendierten Fahrt war die Freude groß. © Andreas Leder

Miesbach - Beim Volksfest in Miesbach treffen heuer zwei Welten aufeinander. Hinter der Festwiese erleben 42 junge Asylbewerber ihr erstes Volksfest. Geld zum Mitmachen haben sie nicht, aber die Freude der Miesbacher teilen sie trotzdem.

Von den Buden dröhnt Musik rüber zum zweigeschoßigen Containerbau an der Waitzinger Wiese. Die jungen Flüchtlinge, die sich im Freien aufhalten, scheinen davon keine Notiz zu nehmen. Doch der Eindruck täuscht. „Es macht uns Freude, so nah dran zu sein“, sagt Achmed (21) aus Somalia. Damit seien auch sie Teil dieses Festes, erklärt er auf Englisch. Und das mache ihn glücklich.

Ähnlich beschreibt es Isaac. Der 35-Jährige kommt aus dem Kongo und schätzt die bayerische Kultur. „Wir spüren die Identität der Leute und die Tradition, die von Generation an Generation weitergegeben wird“, sagt er auf Französisch. Auch seinem Landmann Patrick (30) gefällt das Fest der Miesbacher: „Das ist authentisch. Man spürt, dass es echt ist.“

So etwas wie das Volksfest hat Patrick zuvor noch nie gesehen. „C’est formidable“, schwärmt er, und Fritz Weigl vom AK Asyl übersetzt ins Bairische: „Das Fest is a Schau.“ Auch bei Achmed glänzen die Augen. „Wir haben hier schon mal eine Fahrt ausprobiert“, verrät er. Dass es ihm gefallen hat, muss er nicht dazu sagen. Das verraten seine glänzenden Augen und sein Lachen.

Für Patrick ist die anschließende Gratis-Fahrt im „Feuer & Eis“-Express eine völlig neue Erfahrung. Kaum ist er wieder ausgestiegen, sprudeln die Worte so schnell, dass Weigl nicht mehr übersetzen kann. Während der Afrikaner mit Händen das Gefühl in der Magengegend beschreibt, fasst Weigl den Tenor zusammen: „Es hat ihm gefallen.“

Die unbeschwerte Heiterkeit auf dem Volksfest, für die jungen Männer ist das eine Welt, die sogar fantastisch ist, selbst wenn man nur zuschauen kann. Ein Jahr war beispielsweise Achmed unterwegs, bis er in Miesbach ankam. In seiner Heimat Somalis gab es erst den Bürgerkrieg, der jetzt ein Glaubenskrieg geworden ist. Überall Gewalt, keine Sicherheit. Auch Patrick und Isaac aus dem Kongo berichten kurz von ihrer Heimat. Dort unterstützten sie den Widerstand gegen das Regime, setzten sich für die Unterdrückten ein, bis sie fliehen mussten.

In Miesbach zu sein, sagt Achmed, „macht mich glücklich“. Hier sei es friedlich, man muss keine Angst haben. Verständlich, dass sie sich alle wünschen, dass Deutschland ihre zweite Heimat wird. Auch ohne Volksfest.

Dieter Dorby

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