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Bayerische Oberlandbahn

Eine Art Neustart mit Ärgernissen

Landkreis - Seit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember läuft bei der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) viel schief – vor allem die Unpünktlichkeit sorgt für massiven Ärger. Das Unternehmen gelobt Besserung.

Seit Mitte Dezember hakt es bei der BOB. Nur ein Beispiel: Noch im alten Jahr blieb ein Zug in Warngau liegen. Wie’s weitergehen sollte, wusste offenbar keiner. Die Reisenden beklagten widersprüchliche Informationen des Zugpersonals und der elektronischen Info im Bahnhof Schaftlach. Da die BOB offenbar nicht in der Lage war, abzuschätzen, wann’s weitergeht, nahmen einzelne Gruppen von Fahrgästen ihre Weiterreise in die eigene Hand. Der Ärger war groß. Derartige Geschichten machen seit dem Fahrplanwechsel gehäuft die Runde. Mancher vermutet, dass die BOB mit Aufnahme des Meridian-Betriebs „gute“ Kräfte von den bisherigen Stammstrecken abgezogen habe.

BOB-Geschäftsführer Kai Müller-Eberstein macht keinen Versuch, die Probleme zu bagatellisieren. „Wir hatten am Anfang eine Pünktlichkeit von 70 Prozent, das kennt man von uns einfach nicht.“ Inzwischen sei die BOB wieder bei 90 Prozent angelangt. Das Problem sei allerdings mitnichten, dass die BOB ihre bisherigen Strecken zugunsten des neuen Meridian vernachlässige. „Wir haben nicht einfach einen Fahrplanwechsel gehabt, das hatte schon eher etwas von einem Neustart“, erklärt der Geschäftsführer mit Blick auf die neue Ausschreibungsphase, die im Anforderungsprofil viele Veränderungen mit sich bringt.

Zu den 20 Prozent mehr Fahrleistung durch den verdichteten Takt kämen 40 Prozent neue Lokführer und ein Viertel an neuen Fahrgastbetreuern hinzu. Nicht zu vergessen sieben weitere Zuggarnituren des Typs Talent. Und hier liegt laut Müller-Eberstein ein Teil des Problems: „Das An- und Abkoppeln hat im Probebetrieb bestens funktioniert, aber unter der normalen Alltagsbelastung haben sich hier massive Probleme ergeben, die auch für viele Verspätungen verantwortlich waren.“ Denn das Kuppeln funktioniere laut Müller-Eberstein nicht wie bei der Spielzeugeisenbahn. „Jeder Zug hat seine Eigenheiten, bei den Talenten mussten wir erst einmal ein paar Probleme in den Griff bekommen.“ Dies betreffe vor allem die Elektrik und damit die Software, die nach dem Kuppeln den ganzen Zug erkennen müsse.

Der verdichtete Takt, der eigentlich für die Fahrgäste Vorteile bringen soll, wirkt sich angesichts dieser Koppelungs-Probleme verschlimmernd aus: „Wenn wir im engeren Takt eine Verspätung hat, dann nahmen wir die oft über den Tag mit, weil es kaum möglich ist, sie in den engeren Taktzeiten wieder auszugleichen.“ Das sei ein Thema, dass auch noch mit der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) besprochen werden soll. Die BEG schreibt sowohl Fahrpläne als auch Taktzeiten vor.

„Der Fahrplan ist sehr anspruchsvoll, darin Zwischenfälle auszugleichen, die auch nichts mit uns zu tun haben müssen, ist oft fast unmöglich.“ Dass Fahrgäste bei Problemen schlecht informiert würden, dem kann Müller-Eberstein so nicht zustimmen. „Wir haben aber leider gerade vor Weihnachten gehäuft Situationen gehabt, die schwer vermittelbar sind.“ Damit spricht der Geschäftsführer auf „Notarzt-Einsätze“ an – Unglücksfälle, die den Bahnbetrieb meist über Stunden lahmlegen – egal, ob die BOB selbst oder etwa die S-Bahn auf der gleichen Strecke betroffen ist. Hinzugekommen seien Sturmwarnungen, bei denen der Zug automatisch sein Tempo drosseln muss. „Hier entstehen Verspätungen, die man nicht mehr aufholt“, so Müller-Eberstein.

Der Geschäftsführer räumt auch ein, dass es Beschwerden wegen der Nachtzüge ab 21 Uhr gibt, die ohne Umsteigen nur noch von Bayrischzell nach München durchfahren. Reisende aus Tegernsee oder Lenggries müssen am Holzkirchner Bahnhof den Zug wechseln. „Das ist von der BEG so gewollt“, so Müller-Eberstein, der aber bekräftigt: „Die Beschwerden sind nachvollziehbar.“ Die Mitarbeiter würden sich rund um die Uhr ins Zeug legen, damit die Anfangsprobleme bald behoben sind. „Keiner findet es schön, wenn wir zu spät sind.“

Jens Hendryk Dässler

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