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Zukunft der Mobilität

Elektro-Flitzer für jedermann

Fischbachau macht ernst mit der grünen Mobilität. Vier Elektro-Autos sollen bald durch die Gemeinde flitzen. Urlauber wie Einheimische sollen sie mieten können. Wenn es nach dem Energiebeauftragten Gert Barth geht, schon 2016.

Bahnhof Hammer, 23.15 Uhr. Herr und Frau Maier aus Düsseldorf sind gerade aus dem Zug gestiegen. Zwei Koffer in der Hand, zwei quengelnde Kinder am Arm. Jetzt schnell ins Hotel, dann kann der Urlaub beginnen. Doch das Feriendomiziel liegt in Fischbachau, 3,5 Kilometer entfernt. Verzweifelte Blicke: Fährt hier ein Bus? Oder wenigstens ein Taxi? Fehlanzeige, nicht mehr um diese Uhrzeit. Die Rettung für die Maiers parkt unter einem Carport und hängt an einer Ladesäule. Ein Elektroauto! Herr Maier zieht sein Smartphone aus der Tasche, meldet sich auf der auf dem Wagen aufgedruckten Internetseite an. Dann hält er den Strichcode auf dem Bildschirm ans Auto und öffnet so die Tür. Die Eltern laden die Koffer ein, schnallen die Kinder an, und Familie Maier zischt lautlos davon. Und das zu 100 Prozent mit Strom, ohne ein einziges Gramm CO2 in den Nachthimmel zu blasen.

Was klingt wie ein Traum aus einer fernen Zukunft, könnte in Fischbachau bald Realität werden. Wenn es nach Gert Barth geht, sogar schon 2016. „Wir sind gerade in der kreativen Phase und werden in Kürze eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben“, kündigt der Energiebeauftragte an. Er kümmert sich um das Projekt „Fischbachau macht mobil“, mit der die Gemeinde eine Lücke im öffentlichen Nahverkehr schließen will.

Konkret sind vier bis fünf Elektroautos vorgesehen – jedes mit einer Reichweite von bis zu 150 Kilometern. Sie sollen in Hammer, Fischbachau, Hundham und Wörnsmühl parken. Jeweils in einem Carport mit Solarzellen auf dem Dach, die die Batterien der Wagen mit Strom versorgen. „Zu 100 Prozent regenerativ“, so Barth. Nach erfolgter Anmeldung sollen die Kunden die Fahrzeuge mieten und sie nach der Fahrt wieder in der Ladestation abstellen können. „Car-Sharing“ nennt sich dieses Modell, in diesem Fall sogar mit Elektro-Autos. Die Ladestationen sollen zudem Platz für zwei Pedelecs – also Elektro-Fahrräder – bieten. „Wir wollen E-Bike und -Auto miteinander vernetzen“, erklärt Barth.

Damit die Gemeinde so bald wie möglich in die grüne Zukunft starten kann, gibt der Energiebeauftragte ordentlich Gas. Denn bis sich die Räder der Elektroautos in Fischbachau zu drehen beginnen, gibt es viele Hebel in Bewegung zu setzen. „Ich lerne gerade, an was wir alles denken müssen und welche Fehler wir vermeiden sollten“, sagt Barth. Fachliche Unterstützung holt er sich unter anderem von Christoph Ebert vom Kompetenzzentrum für Sport, Gesundheit und Technologie in Garmisch-Partenkirchen, das eine von drei bayerischen Modellkommunen für E-Mobilität ist. Zudem hat er bereits Angebote der Autohersteller BMW und Volkswagen eingeholt.

Auch wenn die Gemeinde für die Anschaffung der Fahrzeuge selbst aufkommen muss, rechnet sich Bürgermeister Josef Lechner durchaus eine Chance auf Zuschüsse aus. Da es sich bei der Förderung der E-Mobilität um eine bundespolitische Zielsetzung handelt, rechnet er fest damit, dass es gut bestückte Fördertöpfe geben wird.

Bei der Infrastruktur – also Carports samt Ladesäulen – setzt Fischbachau auf Fördermittel aus dem Leader-Topf der EU, in den man gemeinsam mit Nußdorf am Inn (Kreis Rosenheim) und Kufstein in Tirol greifen möchte. „Auch die treiben die E-Mobilität voran“, erklärt Barth. Lechner zufolge sind auch Bayrischzell und Bad Feilnbach interessiert.

Anmeldung, Buchung und Abrechnung soll ein externer Partner übernehmen, zum Beispiel ein Autohaus oder ein Lieferant von Kfz-Teilen. Damit wären dann auch gleich die Pflege und Wartung der Fahrzeuge abgedeckt. „Wir können im Rathaus niemanden abstellen, der dafür rund um die Uhr zur Verfügung steht“, sagt Barth. Details zu den Kosten der Autos kann er zwar noch nicht nennen, dafür aber zum Geschäftsmodell. „Die Gemeinde wird die Elektro-Fahrzeuge vorerst für zwei Jahre leasen“, erklärt er. Das minimiere das unternehmerische Risiko, falls das Angebot von den Leuten doch nicht so angenommen wird wie erhofft.

Damit es gar nicht so weit kommt, will Barth die Elektro-Flitzer nicht nur Urlaubern wie Familie Maier, sondern auch Einheimischen schmackhaft machen. Etwa mit einem batteriebetriebenen Kleintransporter, mit dem ein Handwerker auch größere Gegenstände transportieren oder auch ein Hausbesitzer seine neuen Gartenpflanzen im Miesbacher Baumarkt abholen kann – ohne einen Liter Benzin zu verbrauchen. Und damit Fischbachau auf dem Weg in die grüne Zukunft zu unterstützen.

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