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Das Finanzamt Miesbach wird seit den Morgenstunden durchsucht.

Miesbacher Finanzamt durchsucht 

Fall Hoeneß: Ein Maulwurf im Finanzamt

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Miesbach - Der Steuerfall des FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß sorgt wieder für Schlagzeilen: Am Donnerstag durchsuchte die Staatsanwaltschaft zwei bayerische Finanzbehörden.

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Ab 10. März muss sich Uli Hoeneß vor dem Landgericht München II wegen Steuerhinterziehung verantworten. Er soll mit Geld, das ihm der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus geliehen hat, gezockt und die Gewinne nicht versteuert haben. Doch der Fußballpräsident setzt sich juristisch zu Wehr: Im Mai 2013 hatte der 62-jährige Anzeige bei der Staatsanwaltschaft München II gegen Unbekannt erstattet. Dabei geht es um die Frage, ob bei der Berichterstattung durch die Medien das Steuergeheimnis verletzt worden sei. Schon früh waren Details öffentlich geworden. Bis heute ist ungeklärt, wie die Selbstanzeige überhaupt in der Presse landete. Aus dem Umfeld des FC Bayern heißt es, der Vereinspräsident vermute den Hinweisgeber in der Politik.

Doch auch unter den Beamten scheint es undichte Stellen zu geben. Den aktuellen Durchsuchungen liegt eine Presseanfrage aus dem Oktober 2013 zugrunde. Schriftlich wurde Hoeneß dabei von Journalisten eines Magazins mit einem Ausschnitt aus seiner Steuerakte konfrontiert. Der Haken: Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich dabei „um ein rein internes Dokument der Finanzverwaltung“, zu dem Personen von außerhalb eigentlich keinen Zugang haben dürften. Die Durchsuchungen sollen nun klären, wer auf die elektronische Steuerakte, aber auch auf die Akte in Papierform zugreifen konnte.

Kann es für Hoeneß noch ein gutes Ende geben? Fragen und Antworten zum Prozess

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Sollte ein Schuldiger gefunden werden, müsste er sich wegen Verletzung des Steuergeheimnisses und der Verletzung des Dienstgeheimnisses verantworten. Im Falle einer Verurteilung reichen die Höchststrafen bis zu zwei beziehungsweise fünf Jahren Haft. Die Ermittlungen beschränken sich bislang auf die Beamtenseite. Gegen die Journalisten werde derzeit nicht ermittelt, weil es keine Hinweise darauf gebe, dass sie die Beamten zur Herausgabe der Akten aufgefordert hatten, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch. Sollten die Journalisten sogar Geld geboten haben, stehe auch Bestechung im Raum.

Der Vorgang ändert nichts an Hoeneß’ Steuervergehen, er könnte sich aber laut Rainer Spatscheck, Münchner Anwalt für Steuerrecht, auf das Strafmaß auswirken. „Wenn die Sache durch Behörden verschuldet an die Öffentlichkeit kam, kann das Gericht die negative Öffentlichkeitswirkung als Teil der Strafe ansehen“, sagte Spatscheck. Sein Berliner Kollege Martin Wulf ergänzte: „Salopp gesagt: Wenn der Beschuldigte in den Medien durch den Kakao gezogen wird, kann das strafmildernd sein.“

Hoeneß ist nach Einschätzungen in Vereinskreisen offenbar entschlossen, unabhängig vom Ausgang des Steuerverfahrens an der Spitze des FC Bayern zu bleiben. Denn selbst wenn ihn das Landgericht zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, bleibt ihm noch die Möglichkeit, eine höhere Instanz anzurufen. Dass er dies tun würde, gilt als unstrittig. Inzwischen hat er mit dem Frankfurter Anwalt Hanns Feigen einen der renommiertesten Wirtschaftsstrafverteidiger Deutschlands engagiert.

Von Mike Schier, Philipp Vetter und Daniel Krehl

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