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Das hätte der Fake-Microsoft-Mitarbeiter gerne von Ihnen: Alle ihre Passwörter.

Telefon-Betrüger im Landkreis Miesbach

Fiese Masche: Microsoft ruft an und will Geld von Ihnen

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Landkreis - Wenn Microsoft anruft, legen Sie am besten gleich wieder auf und gehen Sie direkt zur Polizei. Denn der Anrufer will hunderte Euro - und Sie können kaum Nein sagen.

Aktualisierung, 17.18 Uhr: Diese Stunden haben es die Betrüger bei mehreren Haushalten im Tal versucht. Wir haben die Masche gemeinsam mit einem Microsoft-Mitarbeiter vom Tegernsee selbst ausprobiert.

Ursprünglicher Artikel von 10.10 Uhr:

Die Masche ist immer die gleiche. Die Polizei Miesbach beschreibt sie so: Ein freundlicher Mitarbeiter von Microsoft ruft an. Und er hat eine Schreckensmeldung dabei, vor der sich jeder fürchtet: Ihr Computer leidet unter einem gefährlichen Virus-Angriff, teilt die freundliche Stimme mit. Nichts ist mehr sicher. Nicht die Urlaubsfotos, das Tagebuch, die Geschäfts-Korrespondenzen, Passwörter, und so weiter.

Wer legt da schon auf? So eine Warnung lässt sich nur schwer ignorieren. Auch die Telefonnummer sieht unverdächtig aus. Es ist eine normale deutsche Festnetznummer. Wenn der Anrufer also seine Nummer preisgibt - dann kann er doch nicht gefährlich sein, oder?

Die Masche ist nicht gänzlich neu. Bereits vor zweieinhalb Jahren gab es ähnliche Betrüger-Attacken in ganz Oberbayern, auch verstärkt im Landkreis Miesbach. Früher war die ausländische Absender-Nummer des Anrufers noch ein deutlicher Hinweis auf dessen unlautere Absichten. Inzwischen sind die Betrüger professioneller geworden:

Was die Betroffenen nicht ahnen können: Die Absendernummer ist gefälscht. Das ist heutzutage mit dem sogenannten Call-ID-Spoofing möglich. Nun will der Helfer am Telefon auf Ihren PC zugreifen, per Teamviewer. Ein Programm, das sehr einfach auf jedem Windows-PC installiert werden kann und über das man andere Rechner fernsteuern kann - sofern der Rechner-Besitzer zustimmt.

Freundliche Wortspiele - teils waren die Anrufer über eine Stunde am Hörer

Wer hier zögert, wird mit freundlichen Wortspielen, zumeist auf Englisch, und ein wenig gut platziertem Charme umgarnt. Vertrauen wird aufgebaut. Teilweise haben es die Anrufer auf diese Weise geschafft, über eine Stunde mit ihren Opfern zu plaudern. Alles halb so wild, der Mann will doch nur helfen, denken sich die Opfer. Einmal auf den PC zugegriffen, ruft der Anrufer per Fernsteuerung eine Internetseite auf dem heimischen Browser auf. 

Dort steht eine weitere, bittere Erkenntnis: Das Opfer erfährt, dass sämtliche Lizenzen für den eigenen Computer abgelaufen sind. Die vermeintliche Folge: Der PC kann seine Viren-Schutzprogramme nicht mehr aktualisieren. Er ist angreifbar.

Also, was tun? Klar, Lizenzen verlängern. Am besten gleich für drei Jahre. Das kostet dann gerne gleich mal 160 Euro - erst hier wurden einige Opfer aus dem Landkreis misstrauisch. Nur da kann es schon zu spät sein. 

Der falsche Microsoft-Mitarbeiter hat da ja schon Zugriff auf Ihren Computer - und kann so ziemlich alles machen, wovor er zu Beginn seines Anrufs noch gewarnt hat.

Der Betrüger ist auf Ihrem PC - wie reagieren?

Sofort Internetverbindung kappen, heißt: WLAN-Router ausstöpseln oder das Netzwerkkabel aus dem PC ziehen. Dann muss der PC untersucht werden. Wer sich auskennt, kann den Computer zurücksetzen auf einen früheren Stand. Vielleicht muss Windows aber auch ganz neu installiert werden, um sicherzugehen. Am besten also, man geht zum Fachmann. Ironischerweise die Person, die bis gerade vermeintlich am Telefon war.

Alle Passwörter ändern: Und damit sind wirklich alle gemeint. Vom Email-Account über Facebook bis zum Online-Banking und Paypal und so weiter. Was auch hilft: Eine zusätzliche Absicherung. Man kann Accounts inzwischen auch mit einer weiteren Identifikation sichern. Beispielsweise per Code, der einem bei jedem Login aufs eigene Mobiltelefon gesendet wird.

Bleiben Sie wachsam: Wenn Ihnen in Zukunft Hilfe am Telefon angeboten wird, lassen Sie sich die Unterlagen auf dem Postweg zuschicken. Der große Vorteil dieser Art von Kommunikation: Papier lässt sich nicht hacken. Und: Seriöse Firmen schließen sowieso keine telefonischen Verträge.

kmm

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