Neues Erdbeben in Mexiko

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Bezaubernde Aussicht: Der Blick vom Kogl reicht über einen großen Teil des Inntals. Die drei ältesten Anwesen, das Röslerhaus (hinten M.) , das Wohnhaus mit dem ehemaligen Lokal von Mumei (hinten l.) und der Bauernhof der Familie Kirchberger (vorne l.), wurden 1469 erstmals schriftlich erwähnt.

In Mumei‘s Lokal waren unzählige Promins zu Gast

1000 Jahre Kogl: Ein geschichtsträchtiges Fleckerl

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Jeder Weiler hat seine Geschichte. Am Kogl in Fischbachau fällt diese mit 1000 Jahren etwas länger aus. Seit den Waldeckern hat der Aussichtspunkt über dem Inntal viele Bewohner erlebt – und viele Gäste.

Fischbachau – Die Magie des Kogl lässt sich schwer in Worte fassen. Man muss sie spüren. Das geht am besten, wenn man aus dem Röslerhaus hinaus ins Freie tritt. Wer die hölzerne Haustür öffnet, stößt fast ein Fenster ins Paradies auf. Wie ein schmaler Balkon schmiegt sich der Vorgarten an den steilen Hang, der unten sanft ins weite Inntal ausläuft.

Der Kogl

Es war wohl in erster Linie die außergewöhnliche Lage, die die Menschen schon im Mittelalter an diesen östlichen Außenposten des Landkreises im Gemeindebereich von Fischbachau geführt hat. So schreibt der Elbacher Hauptlehrer Josef Brunnhuber in seiner „Chronik des Oberen Leitzachtals“ dem „Chogl“ eine Ersterwähnung im Jahr 1017 zu. Der Name wurzelt in der Form des Hügels, der wie eine abgeflachte Kugel aussieht. Nur wenige hundert Meter südlich sollen die Waldecker später die Burg Hollenstein errichtet haben.

Die Anwesen Kogl 2, 3 und 4 wurden 1469 erstmals erwähnt. Die weitere Geschichte der drei Häuser liest sich weitgehend gleich. Alle wurden zuerst von Leibeigenen von Herzog Maxlrain bewohnt, alle wechselten über die Jahrhunderte mehrfach den Besitzer. Es wurde geheiratet, geerbt und gekauft – wie in anderen Weilern auch. Bis 1935 die Familie Rösler aus Berlin hier ihre Zelte aufschlug – und den Kogl nach und nach einem breiteren Publikum zugänglich machte.

Das Röslerhaus

Berühmtes Arbeitszimmer: An diesem Schreibtisch verfasste Schriftsteller Jo Hanns Rösler seine Kurzgeschichten.

Die Außenwelt erfuhr vom Kogl zuerst durch die heiteren Kurzgeschichten, die Schriftsteller Jo Hanns Rösler in seinem Arbeitszimmer in die Schreibmaschine tippte. Rösler erzählte von seiner Familie, den Nachbarn und seinem schönen Haus. „Wenn er sich mal mit einem Absatz nicht sicher war, hat er meine Mutter um Rat gefragt“, erzählt Röslers Tochter Christine Schmitt (79) – am Kogl besser als „Poppei“ bekannt. War er mit seinem Tagwerk zufrieden, ging Rösler hinaus in den Garten. „Da musste dann aber die ganze Familie mit“, erinnert sich Schmitt schmunzelnd. Als der Vater 1966 starb, eröffnete seine gesellige Frau Kitty eine Frühstückspension.

Das berühmte Lokal

Die Geselligkeit ihrer Mutter hatte auch die zweite Tochter, Josefine Hanne Rösler geerbt. 1976 zog sie mit ihren Kindern in das benachbarte Holzblockhaus Kogl 4, das nach dem Zweiten Weltkrieg als Flüchtlingsunterkunft diente. Von Anfang an kochte sie im „Hexenhäusl“ für ihre vielen Freunde. Nach der Trennung von ihrem Mann rieten ihr diese, ihre Schmankerl an Auswärtige zu verkaufen. Die Idee zur Schoppenstube war geboren.

Beliebte Wirtin: Mumei öffnet eine Flasche Wein.

Zuerst ließen sich vorwiegend die Pensionsgäste im Röslerhaus Schmalzbrot, Käseteller und Rindssuppe schmecken. Das änderte sich, als der Arzt und Medizinjournalist Georg Schreiber aus Oberaudorf einmal in Mumeis urigem Wohnzimmer saß. „Er hatte viele prominente Freunde“, erzählt Tochter Nicole Schad. Und die kamen ab Mitte der 1980er-Jahre in Scharen auf den Kogl. Von Opernsängern über Fußballstars bis hin zu Politikern gaben sich die Promis die Klinke in die Hand. Viel Aufhebens machte Mumei aber nie um ihre hohen Besucher. Da saß Ministerpräsident Max Streibl an einem Tisch-Eck und ein Hundhamer Bauer am anderen. „Genau das hat den Leuten so gut gefallen“, sagt Sohn Dominik Wedell.

Und alle mussten das essen, was Mumei in den großen Silberterrinen auf den Tisch stellte. „Es gab nur sechs Gerichte zur Wahl“, erzählt Schad. Was gegessen wurde, entschied der, der zuerst reservierte. Der Renner: Tafelspitz mit Bratkartoffeln und Schnittlauchsauce.

Maximal 25 Gäste hatten bei Mumei Platz. Drei Tische standen im vom Kerzenschein beleuchteten Wohnzimmer, ein weiterer oben auf der Galerie. Wer hier einen gemütlichen Abend verbringen wollte, musste sich drei bis vier Monate anmelden. Aber das war es wert.

Begeisterter Dank: eine Karikatur in Mumeis Gästebuch.

Das zumindest zeigen die Einträge in den Gästebüchern, die Schad bis heute in Ehren hält. Neben Fotos und Danksagungen von Promis gibt es dort auch die Karikatur einer Warteschlange vor dem Lokal (siehe Foto) und japanische Schriftzeichen zu entdecken. Eine Seite schlägt Schad besonders gerne auf. Es ist ein Kompliment eines Gastes, das das Erlebnis „Mumei“ wohl am besten zusammenfasst: „Bei Mumei ist es genauso wie bei Mutter – wenn die genauso gut gekocht hätte.“ Als die Köchin 2005 ihre Schoppenstube schloss, zog Schad mit ihren Söhnen Konstantin und Kilian zu ihr ins Haus. Auch nach Mumeis Tod 2011 blieb die Familie ihrem Erbe treu. Heute nutzt sie die Stube als das, was sie immer war: ein gemütliches Wohnzimmer.

Die Almhütte

Ein paar Meter weiter Richtung Röslerhaus wohnt Dominik Wedell mit seiner Frau Angelika und Sohn Luis. Auch sein Haus hat eine lange Geschichte – obwohl diese nicht am Kogl, sondern im Rotwandgebiet angefangen hat. 1998 verlegte der gelernte Schreiner und Restaurator die wohl mehr als 200 Jahre alte, baufällige Niederhofer-Angl-Alm neben sein Elternhaus und baute sie zu einem Wohnhaus aus. Sein nächstes „Projekt“ hat der Immobilienmakler bereits angepackt. Seit ein paar Jahren saniert er die kleine Weiler-Kapelle, der ein Bergahorn bedrohlich nah ans Mauerwerk gerückt ist.

Der Bauernhof

Stattlich wie eh und je steht der Bauernhof mit der Hausnummer 3 im Herzen des Kogl da. Er kann auf die längste Familiengeschichte zurückblicken. Johann und Kathrin Kirchberger bewirtschaften das Haus mit zwei Ferienwohnungen in sechster Generation, mit den Kindern Sebastian und Lorenz steht die siebte schon in den Startlöchern. Die Großeltern Kaspar und Katharina Kirchberger sind ins benachbarte Austragshaus (Kogl 1) gezogen. Bis vor zwei Jahren habe sein Vater noch auf den steilen Wiesen geschuftet, erzählt Johann Kirchberger stolz. Er selbst wird bald von Milchwirtschaft auf Fleischvermarktung umstellen.

Im Röslerhaus bleibt hingegen alles beim Alten. Bis heute kümmert sich Christine Schmitt um die Gäste in ihren fünf Doppelzimmern. Das Frühstücksbüffet richtet sie auf dem langen Holztisch im Esszimmer an, an dem ihre Mutter Kitty einst die Briefe ihres Mannes frankierte. Und wenn „Poppei“ am Morgen ihre Haustüre öffnet, ist sie vom herrlichen Ausblick noch genauso überwältigt wie damals ihr Vater. „Daran“, sagt sie lächelnd, „gewöhnt man sich zum Glück nie.“

Festprogramm und Vorverkauf

Freuen sich auf viele Gäste: Die Kogl-Bewohner und Trachtenvereins-Chef Peter Hagnberger (r.) mit dem Festprogramm.

1000 Jahre Kogl: Dass dieses Jubiläum gefeiert werden muss, da waren sich die Familien Kirchberger, Wedell und Schad schnell einig. Zuerst dachten sie dabei an einen Festabend für Freunde und Bekannte. Weil die Gästeliste aber immer länger wurde, wandten sie sich an den veranstaltungserfahrenen Trachtenverein Auerberg. Als dessen Vorsitzender Peter Hagnberger von den Plänen erfuhr, war ihm schnell klar, dass es mit einer Privatfeier nicht getan ist. „Für einen Abend wäre der Aufwand zu groß gewesen“, sagt Hagnberger. Also setzte er sich mit den „Koglern“ zusammen und tüftelte ein Festprogramm aus, das sich sehen lassen kann.

Los geht’s am Donnerstag, 15. Juni, um 13 Uhr mit einem mittelalterlichen Treiben der „Grafschaft Waldeck“. „Wir wollten die Geschichte des Kogl in jedem Fall aufgreifen“, sagt Hagnberger. Ihr Lager schlagen die Ritter an historischer Stelle auf: am Gipfel des Kogl, hoch über den Häusern. Neben Schwertkämpfen dürfen sich die Besucher auch auf eine Falknerei mit Flugschau freuen. Zwischen dem Bauernhof der Kirchbergers und dem Röslerhaus wird eine Marktgasse mit verschiedenen Standln aufgebaut. Mit einer Töpferei, Korbflechtern und einer Striezel-Bäckerei gibt es hier althergebrachtes Handwerk zu bestaunen und zu probieren. Für musikalische Umrahmung ist gesorgt. 

Ganz im Zeichen der Volksmusik steht dann der Freitagabend. Ab 20 Uhr treten auf der Bühne vor dem Bauernhof der Haushamer Bergwachtgsang, die Perlseer Dirndl, die Rotofenmusi, die Kerschbam Zithermusi und die Auerberger Tanzlmusi auf. Durch das Programm unter dem Titel „Obagspuid vo da Heileit’n“ führt Andreas Estner. Weil die Trachtler einen Teil des Zuschauerbereichs überdachen, findet die Veranstaltung bei jedem Wetter statt. Einen Ausweichtermin gibt es nicht. 

Der Kartenvorverkauf für den Volksmusikabend startet am Montag, 3. April. Tickets zum Preis von 15 Euro gibt’s in den Raiffeisenbankfilialen in Miesbach, Fischbachau und Bad Feilnbach. Aufgrund des begrenzten Platzangebots werden maximal 500 Karten verkauft. Parkmöglichkeiten gibt es auf den umliegenden Wiesen, von dort aus pendelt ein kostenloser Shuttlebus zum Kogl. Einlass ist ab 19 Uhr.

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