Aurach: Lohnt sich nicht mehr: Beliebter Dorfladen steht vor dem Aus
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Ende eines Lebenswerks: Willi Rothemund hat die Auracher Post zusammen mit Sohn Florian jahrelang mit Herzblut aufgebaut. Ende September ist aber endgültig Schluss.

Die Hintergründe

Dieser Dorfladen ist super beliebt - trotzdem muss Betreiber aufgeben

  • Christian Masengarb
    VonChristian Masengarb
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Wenn diese kleine Post schließt, werden es die Auracher schwer haben. Das kleine Geschäft ist seit vielen Jahren eine wichtige Anlaufstelle für das Dorf. Wie es jetzt weitergeht:

Fischbachau - Sechs Jahre ist es her, dass Florian Rothemund den kleinen Laden an der Fischeralmstraße im Fischbachauer Ortsteil Aurach von Papa Willi übernahm. Der hatte das Geschäft jahrzehntelang mit viel Herzblut geführt, Post, Lotto/Toto und Einzelhandel mit viel Liebe aufgebaut. Als es für den Vater gesundheitlich nicht mehr ging, sprang Sohn Florian ein. Doch nun soll Schluss sein: Rothemund sperrt Ende September zu.

Für die Menschen vor Ort ist das ein Problem. Die nächsten Filialen in Neuhaus und Hundham sind für Auracher ohne Auto praktisch unerreichbar. Auch Lotto und Toto erfreuen sich hoher Beliebtheit und würden eine schmerzliche Lücke hinterlassen. Sechs Jahre hatte sich Rothemund bemüht, alles am Laufen zu halten, doch jetzt geht es nicht mehr.

„Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagt Florian Rothemund. Aber: „In der derzeitigen wirtschaftlichen Lage ist die Post ein sehr undankbares Geschäft.“ Durch Portoerhöhungen und Ähnliches ziehe er sich den Unmut der Menschen zu und müsse sechs Tage die Woche arbeiten. Auch die Konkurrenz durch Amazon und andere Versandanbieter mache ihm zu schaffen. Deswegen ziehe er die Notbremse, bevor er aus finanziellen Gründen schließen muss. Für ihn sei die Entscheidung alternativlos, betont Rothemund.

Das müsse aber nicht für alle gelten. Trotz aller Probleme sieht Rothemund Potenzial im Geschäft. Ein großer Vorteil sei der Standort: „Der Edeka liegt direkt gegenüber. Da gibt es weder Post und noch unser Sortiment.“ Dadurch kämen viele Menschen beim Einkaufen zur Post, was einen steten Kundenstrom sichere. Auch der Kaffee zum Mitnehmen erfreue sich großer Beliebtheit.

Weiterer Pluspunkt: Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner (CSU) will „alles tun, was die Gemeinde tun kann“, um den Laden zu erhalten. Finanzielle Unterstützung für Privatgeschäfte komme nicht infrage, aber baurechtlich wolle man den neuen Betreiber unterstützen. Hauptbedingung: Die Post muss erhalten werden. Damit sich das Geschäftsmodell trägt, will Rothemund – gleichzeitig Eigentümer der Immobilie – eine humane Pacht verlangen. Findet sich kein Interessent für die Post, prüft er andere Ideen.

Viele Vorteile also für den neuen Betreiber. Größter Nachteil: Post und Lotto wollen Investitionen sehen. Ein neues Abrechnungssystem soll her. Zusammen mit dem grundlegenden Inventar müsste der nächste Inhaber mindestens 15 000 Euro aufbringen, schätzt Rothemund. Zwei ernsthafte Interessenten gebe es schon, berichtet Lechner. Ob es mit ihnen klappt, ist aber noch nicht gewiss.

mas

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