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Die Wurzeln liegen im Landkreis: Das Henschel Quartett in der aktuellen Besetzung mit (v.l.) den beiden Geschwistern Christoph und Monika Henschel, Mathias Beyer-Karlshøj und Teresa la Cour. 

Jubiläum

Aus Fischbachau hinaus in die Welt: Henschel Quartett feiert 25-Jähriges in der Münchner Residenz

In Fischbachau begann die Karriere des weltberühmten Henschel Quartettts. Das 25-jährige Jubiläum wird am Freitag in München gefeiert. 

Fischbachau – Sie spielen in den großen Konzertsälen der Welt, heimsen eine international renommierte Auszeichnung nach der andern ein – und dennoch „haben wir noch immer Heimweh nach Fischbachau“. Dort begann vor 25 Jahren die Karriere eines weltberühmten Streichquartetts. Es trägt den Namen seiner Gründer, der Geschwister Henschel. Monika Henschel ist die Bratschistin des Ensembles und weiß, warum das Heimweh nicht aufhört: Es ist der große Freundeskreis, „der im ganzen Landkreis verstreut ist und den wir nicht missen möchten“. Das runde Jubiläum feiert das Henschel Quartett am Freitag, 25. Oktober, mit einem Festkonzert in der Münchner Residenz.

Den elterlichen Wohnsitz, in dem 1994 alles begann, hat die Familie inzwischen aufgegeben, die Mutter der Quartett-Spieler lebt seit sechs Jahren in einer Münchner Seniorenresidenz. Ihr und dem ebenfalls musizierenden Vater verdanken die drei Gründer des Streichquartetts die Liebe zur Musik. „Wir wurden sehr früh durch unser Elternhaus geprägt“, erinnert sich Monika Henschel. Die Mutter spielte Cembalo und Klavier, der Vater war Solobratschist im Orchester des damals noch eigenständigen Süddeutschen Rundfunks. Nach dem Musikstudium stürzten sich Christoph und Markus als Geiger sowie Monika Henschel an der Bratsche aufs Quartett-Spiel. „Wir arbeiteten in Fischbachau Tag und Nacht am Klangideal“, blickt die heute in München lebende Musikerin zurück. Als Cellist kam 1994 Mathias Beyer-Karlshøj aus Kopenhagen dazu. „Er wäre uns vor Erschöpfung beim Proben einmal fast vom Stuhl gefallen“, verrät Monika Henschel. Es folgten die ersten Auftritte, schnell wurde die Musikwelt aufmerksam auf das junge Streichquartett. Das Henschel Quartett gewann renommierte Wettbewerbe für Kammermusik.

Zum internationalen Durchbruch verhalf ihm ein kurzfristiges Einspringen für das berühmte Juilliard String Quartet in der Londoner Wigmore Hall. Monika Henschel: „Wir wurden mit quasi schon gestimmten Instrumenten eingeflogen.“ Das von der BBC live übertragene Konzert wurde ein Riesenerfolg. Von da an stand dem in Fischbachau gegründeten Quartett die Carnegie Hall in New York ebenso offen wie die Santory Hall in Tokio. Nach einem Konzert im US-amerikanischen Los Angeles schrieb die Presse: „Das Henschel Quartett ist ohne Frage eines der besten Ensembles der Welt, ein großartiges Quartett.“ Zahlreiche, unter anderem mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnete CD-Einspielungen zeugen vom Ruhm der Künstler.

Das Ensemble musiziert inzwischen nicht mehr in der ursprünglichen Besetzung. Markus Henschel trat 2010 aus und ging als Geiger zum Staatstheater Nürnberg. Seit diesem Jahr ist Teresa la Cour an der Geige Mitglied des weltweit gefragten Henschel Quartetts. Besonders intensiv beschäftigen sich Monika Henschel und ihre Mitspieler mit zeitgenössischer Musik. Sie spielen regelmäßig Uraufführungen. Mit Kinder- und Jugendworkshops, Auftritten und einer CD engagiert sich das Quartett für SOS-Kinderdörfer.

Beim Jubiläumskonzert am Freitag um 19 Uhr in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz ist auch der in Waakirchen aufgewachsene junge Pianist Amadeus Wiesensee mit von der Partie. Beim Klavierquintett in f-Moll von Johannes Brahms spielt er den Klavierpart. So gerne Monika Henschel und ihr Bruder Christoph das Publikum in den großen Konzertsälen der Welt begeistern – wieder einmal ein Auftritt in dem Landkreis, in dem ihre Karriere vor 25 Jahren begann, wäre auch für die beiden weit gereisten Künstler etwas ganz Besonderes. Von der für Kammermusik so geeigneten Akustik im Holzkirchner Festsaal von Kultur im Oberbräu haben sie jedenfalls schon gehört.

Von Paul Winterer

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