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Wird energetisch auf Vordermann gebracht: Die Grundschule in Elbach soll mit Fördermitteln eine neue Heizung und ein gedämmtes Dach erhalten.

„Die Potenziale sind da“

Autark bis 2035: So will Fischbachau die Energiewende schaffen

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Bis 2035 will Fischbachau die Energiewende schaffen. Zumindest in Sachen Strom ein durchaus realistisches Ziel, meint die Energiewende Oberland. Die nächsten Maßnahmen stehen fest.

Fischbachau – 90 Seiten dick ist der Energienutzungsplan, den das Kompetenzzentrum der Energiewende Oberland (EWO) für die Gemeinde Fischbachau erarbeitet hat. Im Gemeinderat stellte Energiemanager Andreas Scharli nun die Ergebnisse vor. Die wichtigste Aussage schickte er voraus: Zumindest beim Strom kann Fischbachau bis spätestens 2035 vollständig auf erneuerbare Energien umstellen.

Derzeit liegt der regenerative Anteil noch bei knapp 45 Prozent. „Die Potenziale sind da“, sagte Scharli. Und zwar auch ohne Fotovoltaikanlagen auf Freiflächen neben Gleisen oder Straßen errichten zu müssen.

10 000 Euro hat sich die Gemeinde die Untersuchung kosten lassen. „Das war es wert“, sagte Bürgermeister Josef Lechner (CSU). Vor allem deshalb, weil die EWO konkrete Maßnahmen zur Erreichung des ehrgeizigen Ziels identifiziert hat. „Das ist kein Plan für die Schublade“, betonte Lechner. „Er soll unter die Bürger kommen.“ Und diese davon überzeugen, ihre Häuser energetisch auf Vordermann zu bringen.

Die Gemeinde geht mit gutem Beispiel voran. Sie hat sich bereits für ein Zuschussprogramm zur Sanierung von Schulen beworben. Ursprünglich waren im Haushalt nur 50 000 Euro für die Grundschule Elbach vorgesehen, räumte Lechner ein. Bei einem Fördersatz von 90 Prozent habe man nun aber Maßnahmen in Höhe von 500 000 Euro angemeldet. „Das ist ein Hebel, den wir nutzen sollten“, sagte Lechner. Ob Fischbachau zum Zuge kommt, entscheide sich Ende April.

Vorgeschlagen hatte die EWO neben einer Dämmung des Dachs – dies übrigens auch bei der Mittelschule Fischbachau – einen Austausch der Ölheizung. Infrage komme laut Scharli neben einer Pelletsanlage auch eine Wärmelieferung über die bestehende Hackschnitzelheizung eines Nachbarn. In Sachen Fotovoltaik auf kommunalen Dächern sei Fischbachau hingegen bereits gut aufgestellt, sagte Scharli. Möglichkeiten sieht er noch beim Kindergarten Hundham sowie beim Feuerwehrhaus in Wörnsmühl. In beiden Fällen sei eine auf den Eigenverbrauch ausgerichtetes Modell besonders interessant.

Auch die Leitzach sei als Stromquelle interessant. Scharli verwies vor allem auf die stillgelegte Wasserkraftanlage in Achatswies. Hier könnten jährlich bis zu 160 000 Kilowattstunden erzeugt werden. Lechner bestätigte, dass sich die Gemeinde bereits in Gesprächen mit den zuständigen Behörden befinde. „In zwei Jahren werden wir hier weiter sein“, sagte er.

Zäher gestaltet sich die kommunale Energiewende bei der Wärmeversorgung. Nur knapp 17 Prozent würden derzeit in Fischbachau regenerativ erzeugt, berichtete Scharli. Selbst bei einer deutlichen Absenkung des Wärmebedarfs sei eine vollständige Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen bis 2035 nicht zu schaffen. Dennoch lohne es sich, über Nachverdichtung vorhandener Nahwärmenetze nachzudenken. Neue Gemeinschaftsheizungen seien in Hammer oder auch im Falle einer Bebauung des Wolfsee-Areals gut machbar – zum Beispiel mit einer privaten Genossenschaft.

Um die Bürger einzubinden, plant Gert Barth, Energiebeauftragter der Gemeinde, verschiedene Veranstaltungen. Auftakt macht ein Akteurstreffen am Donnerstag, 26. April, um 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses. Als Zuckerl biete die EWO bis zum 1. August kostenlos eine individuelle und persönliche Energieberatung für alle Fischbachauer Haushalte an – inklusive Wirtschaftlichkeitsberechnung für die einzelnen Maßnahmen, verkündete Lechner. „Ich kann nur jedem Bürger raten, das auch anzunehmen.“

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