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Hände weg vom Lenkrad: Das autonome Fahren ist die Zukunftstechnik schlechthin.

„Ich gehe aber davon aus, dass das stufenweise abläuft.“

Forscher verrät, wann es im Auto keinen Fahrer mehr braucht

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Autonomes Fahren ist in aller Munde. Aber werden wir wirklich bald das Lenkrad dem Computer überlassen? Wir haben einen Experten auf diesem Gebiet befragt.

Hans-Joachim Wünsche forscht an der Universität der Bundeswehr München.

Fischbachau – Computer, übernehmen Sie: Das autonome Fahren ist längst keine Träumerei mehr. Glaubt man der Einschätzung von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, stehen in fünf Jahren die ersten vollautomatisierten Fahrzeuge bei den Händlern. Eine durch den CSU-Politiker eingesetzte Ethik-Kommission hat nun 20 Haftungsregeln für Unfälle mit Computer-Autos vorgelegt (wir berichteten). Was die Technik anbelangt, sitzen die Experten an der Universität der Bundeswehr in Neubiberg. Vor 30 Jahren schickte Professor Ernst Dieter Dickmanns das erste automatisierte Fahrzeug über die Autobahn. Heute forscht sein ehemaliger Promovend Professor  Hans-Joachim Wünsche (60) auf diesem Gebiet. Wir haben den Ingenieur aus Fischbachau um eine Einschätzung gebeten.

-Herr Professor Wünsche, steht uns wirklich eine Revolution des Autofahrens bevor?

Wünsche: Langfristig mit Sicherheit. Ich gehe aber davon aus, dass das stufenweise abläuft. Schon heute gibt es Autos zu kaufen, bei denen der Fahrer zeitweise die Hände vom Lenkrad nehmen kann. Die nächste Ausbaustufe wird ein automatisches Spurhalten auf der Autobahn beinhalten, eventuell auch mit einfachen Überholmanövern. Bis man sein Auto aber mal eben zum selbstständigen Pizzaholen in die Münchner Innenstadt schicken kann, ist es noch ein weiter Weg. In frühestens 15 Jahren wird der Fahrer dauerhaft auf der Rückbank Platz nehmen können.

-Spätestens dann müsste aber auch die Haftungsfrage bei Unfällen abschließend geklärt sein.

Wünsche: Und die ist tatsächlich nicht leicht zu beantworten. Auf der Suche nach einem Schuldigen müsste man streng genommen vom Fahrer über den Halter bis hin zum Hersteller und Programmierer zurückgehen. Wie man das löst, werden Juristen und Ethiker entscheiden müssen. Meines Erachtens werden die Versicherer aber die Schäden regulieren. Nicht zuletzt deshalb, weil es durch das autonome Fahren deutlich weniger Unfälle geben wird. Das dürfte auch zur gesellschaftlichen Akzeptanz der Technik beitragen.

-Sie gehen also wirklich davon aus, dass die meisten Leute gerne das Lenkrad dem Computer überlassen würden? Wo bleibt denn da der Fahrspaß?

Wünsche: Sehen Sie es mal so: Vor 120 Jahren war eine Pferdekutsche ein Transportmittel, heute ist sie meist ein Freizeit- oder Sportgerät. Mit dem Auto könnte es – überspitzt betrachtet – ähnlich laufen. Ich habe selbst mehrere Oldtimer, die ich auch immer gerne fahren werde. Meinen täglichen Weg zur Arbeit, der 50 Kilometer auf der Autobahn samt Tempolimits und Baustellen beinhaltet, würde ich aber durchaus gerne an den Computer abgeben. Trotzdem: Ein erfahrener Autofahrer ist noch lange nicht vollständig von der Technik zu ersetzen. Deshalb wird es auch immer einen Ausschaltknopf geben.

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