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Jung, schneidig, das dezent karierte Hemd hochgekrempelt: Der 20-Jährige aus Bayrischzell sieht aus, als ob er in der Erfolgsspur ist. Das Gegenteil ist der Fall.

„Ich wollte doch nur weitersaufen.“

Bursche wegen brutaler Gewalttat vor Gericht - unglaublicher Lebenslauf

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Fischbachau - Besoffen strandete der 20-Jährige im Taxi auf einem vereisten Waldweg. Erst half er dem Taxifahrer, das Auto wieder freizubekommen. Dann schlug er mit einer Holzlatte zu.

Jung, schneidig, das dezent karierte Hemd hochgekrempelt: Der 20-Jährige aus Bayrischzell sieht aus, als ob er in der Erfolgsspur ist. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Zeit seines Lebens flog er von allen Schulen, hatte Ärger mit seinen Mitschülern, wurde kriminell und stand immer wieder vor Gericht. Am 26. November vorigen Jahres lotste er dann einen Taxifahrer (56) von München aus auf einen verschneiten Waldweg bei Fischbachau, überfiel ihn und schlug ihn mit einer Holzlatte zusammen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft, und seit gestern muss er sich vor dem Landgericht München II wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Er flog selbst aus der Schule für Schwererziehbare

„Die Kindheit war nicht immer leicht“, beginnt der Bayrischzeller seinen Lebenslauf. Er habe viele Probleme mit seinem Stiefvater und seiner Mutter gehabt. In der ersten Klasse wurde bei ihm ADHS diagnostiziert, er kam in die Förderschule, von der allerdings in der achten Klasse flog. Es folgten eine Schwererziehbarenschule und eine Jugendeinrichtung in Kempten, aus denen er ebenfalls verwiesen wurde. In Miesbach machte er schließlich seinen Hauptschulabschluss, begann eine Ausbildung, die er aber ebenfalls abbrach. Seit 2014 beginnt er vier Mal einen Alkoholentzug, scheitert aber jedes Mal – zuletzt bei einer Langzeittherapie in Furth im Wald.

„Der Gefängnisaufenthalt hat mir gut getan“

Drei Wochen später landete er in Untersuchungshaft, wo er nun seinen Quali nachmacht und in einer Werkstatt arbeitet. In der JVA wohnt er in einer therapeutischen Wohngemeinschaft und geht einmal in der Woche zur Alkohol-Beratung. „Der Gefängnisaufenthalt hat mir gut getan“, sagt er. „Ich möchte jetzt wirklich etwas aus mir machen. Ich hab’ was draus gelernt.“

Er lotste den Taxifahrer auf einen Waldweg - dann griff er an

Am 26. November war von dieser Haltung noch weit weg. Nach einem Besäufnis mit einer Freundin setzte er sich in den falschen Zug und landete in Fürstenfeldbruck. Dort griff ihn die Polizei auf und brachte ihn nach Haar. Als er dort 24 Stunden später entlassen wurde, ging er sofort zum Supermarkt und ließ sich wieder volllaufen. Nachdem er am Münchner Hauptbahnhof abermals Zug verpasst hatte, setzte er sich ins Taxi des 56-Jährigen und ließ sich nach Hause chauffieren. Er lotste den Taxler nach Fischbachau. Er habe gewusst, dass es dort eine Abkürzung über einen Forstweg gebe, sagte der Bayrischzeller vor Gericht. So habe er Geld sparen wollen. Er habe nicht vorgehabt, den Taxifahrer zu überfallen.

„Ich wollte nur weitersaufen.“

Auf dem Feldweg blieb das Taxi bei Eis und Schnee dann stecken. Als die beiden Männer versuchten, den Wagen mithilfe von Holzbrettern als Anfahrtshilfe freizubekommen, attackierte der 20- den 56-Jährigen. Laut Anklage lief es so ab: Mit einer Holzlatte schlug er zweimal auf dessen Kopf ein – einmal von hinten, einmal von vorne. Und sagte: „Gib mir dein Geld, Arschloch!“ Der Taxifahrer flüchtete sich ins Auto. Da das Fenster aber halb offen war, stieß der 20-Jährige mit der Holzlatte durch den Spalt hindurch gegen die Schläfe seines Opfers. Der 56-Jährige sprang aus dem Auto, wurde noch einmal mit der Holzlatte erwischt, konnte dann aber entkommen. Er erlitt Prellungen, eine Platzwunde und einen Handbruch.

„Nüchtern habe ich noch nie zugeschlagen.“

„Wie es dazu gekommen ist, dass ich ihm eine ummi ’zogen hab’, kann ich mir heute selber nicht mehr erklären“, sagte der Angeklagte. „Ich wollte nur weitersaufen.“ Deshalb wollte er Geld für noch mehr Alkohol. Der sei auch schuld an seiner Tat, die ihm leid tue. „Nüchtern habe ich noch nie zugeschlagen.“ Der Prozess dauert an.

gut

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