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Weil Berg-Touristen Regeln oft egal sind: Ranger sollen auf Wanderer aufpassen

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Von: Sebastian Grauvogl

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Wandern, Wege, Schilder, Breitenstein
Wege haben ihren Sinn: Wenn sich Wanderer an die ausgeschriebenen Routen halten, tragen sie zu einem für alle Seiten verträglichen Naturtourismus bei. © LRA (KN)

Die Verhaltensregeln in der Natur sind bekannt - und vielen Tagestouristen egal. Nun denkt man ernsthaft im Gebirge über Schlierach- und Leitzachtal über den Einsatz von Rangern nach.

Schlierach-/Leitzachtal – Ob Forst, Almwirtschaft oder Naturschutz: Hinweisschilder gibt es im Rotwandgebiet eigentlich genug. Dennoch ärgern sich Grundbesitzer immer wieder über unvernünftige Wanderer, Radler oder Hundebesitzer. Mit der Modellregion Naturtourismus wollen die Initiatoren im Landkreis nun neue Wege gehen. Das Ziel: mit Argumenten überzeugen anstatt die Verbotskeule zu schwingen. Nach der Auftakttagung im November im Waitzinger Keller in Miesbach sollen noch im Sommer die ersten Maßnahmen starten. Wie die aussehen sollen, haben Vertreter der Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS) bei einem Treffen mit 25 Grundeigentümern im Klostersaal in Fischbachau besprochen.

Wie berichtet, hat das Bayerische Umweltministerium dem Landkreis dafür 70.000 Euro zur Verfügung gestellt, hinzukommt ein Eigenanteil von 30.000 Euro. Wie das Geld angelegt werden soll, darüber hat sich die ATS in den vergangenen Monaten intensiv Gedanken gemacht. Beschlossen wurde aber noch nichts, betont Geschäftsführer Thorsten Schär auf Nachfrage unserer Zeitung. „Wir wollten zuerst die Grundeigentümer nach ihrer Meinung befragen.“ Dies ist nun geschehen. Mit dem Ergebnis, dass die Vorschläge der ATS laut Schär auf breite Zustimmung gestoßen sind.

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Kern der Kampagne sollen rund fünf Verhaltensregeln sein. Sie sollen Naturnutzer beispielsweise darauf hinweisen, keine Abschneider über Almwiesen zu nutzen, Hunde nicht frei herumlaufen zu lassen oder keinen Müll auf dem Berg zurückzulassen. An sich nichts neues, könnte man sagen. Der Clou liegt aber in der Kommunikation dieser Regeln. „Wir wollen damit in die Fläche gehen“, erklärt Schär.

Ob auf Broschüren in Tourist Info, Bergbahn und Hütte, in Erklärvideos im Internet oder eben auf Schildern im Gebiet selbst: Überall sollen Urlauber und Einheimische mit den Hinweisen konfrontiert werden. Nicht aufdringlich, sondern sinnvoll, nachvollziehbar und überzeugend. „Jeder Naturgast soll mindestens einmal damit in Kontakt kommen“, erklärt Schär. Die Schilder sollen „positiv und freundlich“ gestaltet sein und sich für ein gutes Miteinander stark machen. Nach dem Testlauf im Rotwandgebiet sollen sie in anderen konfliktträchtigen Ecken im Landkreis zum Einsatz kommen.

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Gleiches gilt für die Idee von „Rangern“, die an besonders besucherstarken Tagen im Jahr am Berg unterwegs sein und die Leute gezielt auf ihr Verhalten ansprechen sollen. Auch hier gilt wieder: guter Wille statt Drohkulisse. Anders als in einem Nationalpark könne man ohnehin keine Strafzettel verteilen, erklärt Schär. Vielmehr sollten die Ranger mehr als „Guides“ wahrgenommen werden, die auch bei Fragen weiterhelfen. Konkrete Kandidaten hat die ATS noch nicht angesprochen. „Mir würden aber auf Anhieb 15 Personen einfallen, die dafür geeignet wären“, betont der Geschäftsführer. Mit einem Testlauf rechnet er aber erst 2019.

Schon in der kommenden Woche startet die zweite Säule der Modellregion Naturtourismus: die Schulung von Multiplikatoren. Für Donnerstag, 5. Juli, lädt Gebietsbetreuer Marco Müller zur ganztägigen Fortbildung „Naturaktivitäten auf Wegen“ ein. Dabei sollen sich alle Personen und Organisationen, die Menschen in die Natur bringen – beispielsweise Wander-, Mountainbike- oder Wildnisführer sowie Naturevent-Veranstalter oder Sporthändler – in einem Forum austauschen und gemeinsam einen Verhaltenskodex entwickeln. Wer sich anschließend dazu bekennt, darf sich fortan „Partner der Modellregion Naturtourismus“ nennen. Weitere Veranstaltungen für die Bereiche Wasser, Fels oder Winter sind geplant.

Anmeldungen

für die ganztägige Fortbildung „Naturaktivitäten auf Wegen“ sind möglich bis Ende der Woche bei Marco Müller unter 0 80 25 / 704 33 27.

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