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Ein prächtiges Paar: Bis Aschermittwoch gehören die hochgewachsene „gachblosade sachäjogade zuagroaste Jagakamperin Mariella aus Stauden“ und der zierliche „kerndlgfuadade Guschdl vom Soimarabuckl, obatrenzade Bierfahrer ausm Leitzachtal“ zusammen.

Bettelhochzeit Fischbachau

Mist aus vollen Rohren

Nach neun Jahren Pause hatte der Trachtenverein d‘Broatnstoana Fischbachau wieder eine Bettelhochzeit ausgerichtet. Es war eine grattlige Gschicht – so wie es sein sollte.

Fischbachau Bis ans Lebensende – oder zumindest bis Aschermittwoch – soll diese Ehe halten: Hoch oben auf dem Misthaufen trauten sich am Samstag in Birkenstein die hochgewachsene „gachblosade sachäjogade zuagroaste Jagakamperin Mariella aus Stauden“ alias Marinus Eisenkolb und der zierliche „kerndlgfuadade Guschdl vom Soimarabuckl, obatrenzade Bierfahrer ausm Leitzachtal“ alias Regina Gschwendtner. Kennengelernt hatten sich der „saudumme Hanswurscht“ und die „Boandlkramerin“ im Internet – auf der Plattform „Aloastehende mit Niveau“.

Als das „Gschies von dera Trauung“ begann und die Braut ihr Ja-Wort geben sollte, gab’s zunächst Schweigen und Stottern. „I mog, I mog, I mog“, quetschte die Braut schließlich heraus und schob ein „huift ja nix“ nach. Die Fischbachauer Musikanten spielten dazu mit pinken Perücken und wurden zum Dank mit Schneebällen beworfen.

Das Aufgebot rekrutierte sich aus den Reihen des Trachtenvereins. Aus denen, die „für so einen Schmarrn zu haben sind“, sagte der Vorsitzende der Broatnstoana und Hochzeitslader der Bettelhochzeit, Georg Auer, lachend. Wochenlang hätten sich die rund 320 Beteiligten „reingehängt“, um die Mottowagen zu gestalten, die sich vom Gasthof Oberwirt aus in Richtung Birkensteiner Iglfeld schoben. Alle „feichtfröhlichen, gstingadn, zamgsuffna und ausgnörgltn“ Zuschauer seien herzlich willkommen, war vorab auf der eigens eingerichteten Facebook- Seite zu lesen.

Teils sahen die „Lusa und Gaffa“ recht heruntergekommen aus. Teils aber auch richtig fesch. Wie es der Brauch bei einer Bettelhochzeit ist, kamen Frauen als Männer und Männer als Frauen kostümiert. Jedenfalls gab es viele schräge Figuren zu bestaunen. Feuchtfröhlich ging es zu, schon am frühen Vormittag. Deswegen werde die Hochzeitsfeier im Gasthof Oberwirt wohl gegen 22 Uhr ein Ende haben, merkte Auer schmunzelnd an.

Bettelhochzeit in Fischbachau: Bilder von der Gaudi im Nieselregen

„Gstingad“ war es in der Tat. Die Niklasreuther Plattler bliesen aus einem riesigen Rohr „lauter greisligs Zeigs“, hauptsächlich Sägespäne und Mist. Immer mal wieder landete während der Trauung ein Klumpen Mist vor dem Altar, der aus der gleichen Masse geformt war. Sie habe ihr Kleid am Morgen zum ersten Mal zu Gesicht bekommen, erzählte die Braut. Die Kreation aus weißen Gardinen verströmte einen abstoßenden Geruch und war mit gelben Flecken übersät, faulem Ei. Darunter schimmerte ein bunter Büstenhalter. Wie er sich direkt nach der Trauung fühle? „Irgendwie weiblich“, sagte Eisenkolb lachend. Er sei durchaus aufgeregt gewesen, Herzklopfen inklusive.

An seinem Ringfinger prangte das „Fangeisen“, eine Mutter mit angeschweißter Flügelschraube und Nippel, der als Flaschenöffner dienen kann. „Eine Einzelanfertigung“, grinste Eisenkolb, der bei der letzten Fischbachauer Bettelhochzeit vor zehn Jahren als Zwölfjähriger dabei gewesen war. Heuer waren es 500 Zaungäste, schätzte Auer. Genaue Zahlen könne er nicht nennen, schließlich gehe es bei einer Bettelhochzeit immer „drunter und drüber“.

Tatsächlich herrschte auf dem Iglfeld ein wildes Durcheinander. Dafür sorgten Trachtenvereine aus dem gesamten Leitzachtal. Am Hochzeitsbaum des Patenvereins Irschenberg baumelte ein totes Huhn. Mistklumpen und faule Eier flogen und lagen herum. Indianer mit Bierdosen in der Hand und anderweitig Kostümierte erleichterten sich reihenweise in den angrenzenden Bach. Schneeregen und Matsch trugen ihr Übriges zum schmuddeligen Gesamteindruck bei. So grattlig wie es sein soll bei einer Bettelhochzeit, nickte Trachtenvereinschef Auer zufrieden.

Johanna Wieshammer

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