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Bringt die Volksmusik ins Radio: BR-Musikredakteur Andreas Estner (40) aus Fischbachau.

Andreas Estner im Interview

Interview: BR-Redakteur zum Volksmusik-Aus auf Bayern 1

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Fischbachau - Volksmusik muss draußen bleiben. So lautet ab Pfingsten das Motto beim Radiosender Bayern 1. BR-Musikredakteur Andreas Estner aus Fischbachau verrät, wie er den Wechsel ins Digitalradio sieht.

Volksmusikfreunde müssen umrüsten. Weil der Bayerische Rundfunk Blasmusik, Dreigsang und Co. ab Pfingsten komplett aus dem Programm seines Radiosenders Bayern 1 streichen wird, brauchen die Hörer neue Empfangsgeräte. „BR Heimat“ heißt die Welle, auf der seit ziemlich genau einem Jahr rund um die Uhr Volksmusik läuft. Allerdings nur im Digitalradio, nicht mehr über UKW. Die Aufregung ist groß, nicht nur bei den Hörern. Auch im Landtag gab es bissige Kommentare. Während Heimatminister Markus Söder (CSU) dem BR nahelegte, seine bayerische Identität besser zu pflegen, drohten die Freien Wähler um den Landtagsabgeordneten Florian Streibl gar mit einer Unterschriftensammlung gegen den „medialen Raubbau am Brauchtum“ in Oberbayern. Wir haben beim BR-Volksmusikredakteur und Fischbachauer Kulturreferenten Andreas Estner (40) nachgefragt, wie er zur Neuausrichtung der Volksmusik im Radio steht.

Herr Estner, die Volksmusik verschwindet aus dem Programm von Bayern 1. Eine Degradierung?

Nein. Ganz im Gegenteil: Mit BR Heimat hat die Volksmusik sogar eine eigene Radiowelle. Das ist bisher einmalig im deutschsprachigen Raum und in meinen Augen eine große Wertschätzung für unser Format. Bei Bayern 1 hatten wir täglich nur eine Stunde Sendezeit zur Verfügung und deshalb viel schönes Material gar nicht untergebracht. Bei BR Heimat läuft Volksmusik rund um die Uhr. Die Leute können sie hören, wann immer sie wollen.

Aber nur, wenn sie ein Digitalradio im Wohnzimmer stehen haben.

Das ist natürlich richtig. Früher oder später wird das Digitalradio die UKW-Technik aber sowieso ablösen. Wer sich also schon jetzt einen neuen Empfänger zulegt, profitiert gleich doppelt. Zudem lässt sich mit den meisten Geräten auch UKW hören, und teuer sind sie auch nicht. Für Autoradios gibt es übrigens kleine Adapter.

Trotzdem scheuen doch gerade viele ältere Leute die Umstellung auf neue Technik. Stoßen Sie damit nicht Ihre größte Zielgruppe vor den Kopf?

Es ist natürlich verständlich, dass das manchen unserer Hörern Sorgen bereitet. Aber es braucht wirklich niemand Angst haben. Die Digitalradios sind mittlerweile wahnsinnig einfach zu bedienen und unterscheiden sich auch optisch kaum von den klassischen Küchenradios. Und wer gar nicht damit zurecht kommt, kann sich ja immer noch von seinen Kindern oder Enkeln helfen lassen.

Wie füllen Sie denn eigentlich die zusätzliche Sendezeit? Gibt es neue Formate?

Wir versuchen, die vielen verschiedenen Farben der Volksmusik möglichst gut abzudecken. Alles in allem setzt sich das Sendeschema zu gleichen Teilen aus fränkischer und südbayerischer Musik zusammen. Es ist viel Blasmusik drin, aber auch Gesang. Für die Tanzfreunde läuft immer ab 21 Uhr eine Stunde mit Oberkrainer Musik. Das ist auf meinem Mist gewachsen. Eines trifft aber auf alle unsere Sendungen zu: Wir bringen ausschließlich handgemachte Musik. Volkstümliche Schnulzen haben auf BR Heimat keinen Platz.

Und das deckt sich wirklich auch mit dem Geschmack der Hörer? Ist beim jungen Publikum nicht eher modernere Volksmusik gefragt?

Nicht zwangsläufig. Gerade die klassische Volksmusik hat in den vergangenen zehn Jahren einen regelrechten Boom erlebt. Es gibt aktuell so viele junge Gruppen wie noch nie. Und das führt sicher auch dazu, dass sich auch die Hörerschaft nach und nach verjüngt. Und die modernere Volksmusik, wie Sie sie nennen, hat selbstverständlich auch ihren täglichen Platz auf BR Heimat.

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