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„Kann sowas einfach nicht hören“: Hitzige Wolfs-Diskussion in BR-Sendung - Bayerischer Landwirt empört

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Von: Felicitas Bogner

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Moderator Tilmann Schöberl lenkte die Diskussion zwischen den Politikerinnen Michaela Kaniber (hinten links) und Gisela Sengl (hinten rechts) sowie seinen lokalen Sendungsgästen.
Moderator Tilmann Schöberl lenkte die Diskussion zwischen den Politikerinnen Michaela Kaniber (hinten links) und Gisela Sengl (hinten rechts) sowie seinen lokalen Sendungsgästen. © Thomas Plettenberg

Wie man am besten mit dem Wolf umgeht, war Thema in der BR-Sendung „Jetzt red i“, die live aus Fischbachau übertragen wurde. Auch Betroffene aus dem Kreis Miesbach kamen zu Wort.

Fischbachbau – Er ist nachtaktiv, hat grau-braunes Fell und wird bis zu 90 Zentimeter hoch. 1996 wurde er erstmals wieder in Deutschland gesichtet. Und auch im Miesbacher Landkreis war er seither schon auf dem ein oder anderen Streifzug unterwegs. So riss er 2015 in Fischbachau zwei Schafe.

BR-Sendung „Jetzt red i“: Wolf in Bayern - Uneinigkeit zwischen Landwirten und Naturschützern

Zuletzt wurde ein Wolf am Seehamer See gesehen. Kein Wunder also, dass das Bayerische Fernsehen am Mittwoch für seine „Jetzt red i”-Sendung mit dem Titel „Schießen oder schützen? Die Bauern und der Streit um den Wolf“ keinen besseren Ort hätte finden können als die Wolfseehalle in Fischbachau.

BR-Sendung „Jetzt red i“: Wolf versetzte Landwirte und Almbauern in Angst und Schrecken

Während manche Tierschützer den Wolf hier gewähren lassen wollen, versetzt er Landwirte und Almbauern in Angst und Schrecken. Sie wünschen sich mehr Schutz für ihre Tiere. Maria Gruber, Landwirtin aus Fischbachau, musste erleben, was der Wolf anrichten kann. 2015 riss nämlich ein Wildtier an ihrem Hof Schafe.

„Es ist ein schreckliches Gefühl die einzelnen Teile des Tieres, das man mit Herzblut aufgezogen hat, zusammensammeln zu müssen“, berichtete sie. Zusätzlich sei der Schaden immens. Schließlich habe sie nicht nur einen Verlust bei den gerissenen Schafen. „Der ganze Jahrgang ist mir daraufhin ausgefallen“, klagte die Landwirtin.

Biobauer am Breitenstein: Stall aus Angst vor dem Wolf umgebaut

Manfred Burger vom Bund Naturschutz meinte jedoch, dass man mit durchziehenden Wölfen hier leben müsse. Immerhin geschehe dies bisher im Schnitt nur alle fünf Jahre. „Der letzte wurde am Seehammer See gesichtet, das war schon fast nicht mehr in unserem Landkreis“, so der Umweltschützer.

Ein Kommentar, auf den hin anderen Gästen der Sendung beinahe der Kragen platzte. So etwa Werner Haase: „Ich kann sowas einfach nicht hören“, polterte er – und schob nach der Sendung nach: „So etwas kann nur jemand sagen, der nicht mit Landwirtschaft sein Geld verdient.“

Seit 140 Jahren komme man im Leitzachtal ohne den Wolf zurecht, stellte der Ziegen- und Rinderhalter aus Fischbachau klar. Aus Angst vor dem Wolf hat der Biobauer seinen Ziegenstall auf dem Breitenstein erweitert, damit die Tiere nachts sicherer sind. Als Dauerlösung könne man das aber nicht betrachten.

Tierarzt und Jäger: „Entnahme nicht einfach aber potenziell möglich“

Landwirtschaftsministerin Kaniber sprach sich dafür aus, dass „rechtliche Grundlagen so geschaffen werden müssen, dass im begründeten Falle einer schnellen Entnahme nichts im Wege“ stehe. Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl räumte ein, dass man den aktuell sehr hohen Schutzstatus des Tieres eventuell leicht absenken sollte.

Neben zahlreichen Landwirten aus der unmittelbaren Umgebung war in der Gesprächsrunde auch der Tierarzt und Jäger Christian Seliger anwesend. Er berichtete, dass eine potenzielle Entnahme des Wolfes „nicht einfach, aber prinzipiell möglich“ sei. Er plädierte dafür, Lösungen zu finden, wo der Wolf gut leben könne und weniger Schaden anrichte.

Wolf in Bayern: Tierschützerin kritisch - „Sehe das komplett anders“

Zu Wort kam auch Johanna Ecker-Schotte, Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tal, die bekanntermaßen beim Thema Wolf näher bei den Landwirten steht (wir berichteten). „Das Problem ist, dass es von zu vielen Seiten beworben wird, dass der Wolf sich hier ansiedeln soll. Ich sehe das komplett anders“, sagte sie. Auch halte sie nichts von dem von vielen Wolfsschützern empfohlenen Einzäunen der Almen. „Wir haben jetzt jahrelang Zäune abgebaut, weil die Natur so nicht gedeihen kann“, erinnerte sie. „Jetzt sind Zäune plötzlich wieder okay. Das verstehe ich nicht.“

Auch der Miesbacher Bezirksalmbauer Nikolaus Schreier äußerte sich dazu kritisch: „Wir haben hier 165 Almen, 4800 Rinder und 537 Schafe. Man müsste somit 4800 Hekter einzäunen, das funktioniert nicht.“ Nach der Aufzeichnung diskutierten die Almbauern und Wolfsschützer noch weiter. Auch hier stellten sich die Politikerinnen der Kritik der ansässigen Landwirte. Die meisten zeigten sich erleichtert, ihre Meinung in dem BR-Format kundgetan zu haben. Ob man dadurch einer Lösung des Problems tatsächlich näher gekommen ist, blieb offen.

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