Wehe, wenn der Zug kommt: (v.l.) Katrin und Wolfgang Auchter, Susanne und Horst Zetzl sowie Gert Barth vor dem ungesicherten Bahnübergang in Hammer (Gemeinde Fischbachau).
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Wehe, wenn der Zug kommt: (v.l.) Katrin und Wolfgang Auchter, Susanne und Horst Zetzl sowie Gert Barth vor dem ungesicherten Bahnübergang in Hammer (Gemeinde Fischbachau). Das laute Pfeifsignal der ankommenden Lint-Züge der BRB belastet sie sehr.

Protest wegen Pfeiftönen

Kritik an Lärm von BRB-Zügen: Anwohner schreiben Brandbrief - Deutsche Bahn macht wenig Hoffnung

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Die Diskussion um den Zuglärm der BRB im Landkreis Miesbach kommt nicht zur Ruhe. Hunderte Male am Tag sind die Pfeifsignale kilometerweit hörbar.

  • Anwohner der Bahnstrecke in Fischbachau klagen über die lauten Pfeifsignale der neuen BRB-Züge.
  • Die Deutsche Bahn prüft, welche Verbesserungen für die unbeschrankten Bahnübergänge möglich sind.
  • Die BRB sieht wenig Handlungsspielraum, da die Signale genormt und rechtlich vorgeschrieben sind.

Fischbachau – Bei geschäftlichen Telefonaten geht Peter Großhauser vorsichtshalber in den Keller. „Ich will ja nicht den Eindruck erwecken, dass mein Büro im Münchner Hauptbahnhof liegt“, sagt der Fischbachauer, der mit seiner Familie in unmittelbarer Nähe des Bahnübergangs in der Aumoossiedlung in Aurach wohnt. Immer, wenn ein Zug der Bayerischen Regiobahn (BRB) am Haus der Großhausers vorbeifährt, wird es laut. Nicht nur wegen der Quietsch-Geräusche, wegen denen die neuen Lint 54-Triebwagen seit ihrer Inbetriebnahme in der Kritik stehen. Die Anwohner an der Bahnstrecke in Fischbachau kämpfen noch mit einem anderen Lärmproblem: den Hupsignalen, die die Züge vor den unbeschrankten Bahnübergängen abgeben.

Kritik an BRB-Zügen im Landkreis Miesbach: Anwohner fühlen sich stark belastet

Von 5 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts werde man durch die „extreme Lautstärke und unverhältnismäßige Länge“ der Signaltöne stark belastet. An einen ungestörten Aufenthalt auf der Terrasse oder einen ruhigen Schlaf sei nicht mehr zu denken, schreibt Großhauser in einem Beschwerdebrief an die BRB. Seit Wochen sei dies das „Thema Nummer eins“ in der gesamten Siedlung.

Tatsächlich haben unsere Redaktion diverse weitere Beschwerden erreicht. Heinz Kindl etwa spricht von einem „hässlichen, erschreckenden Hupton“, der jeden Tag „zwischen 200 und 300 Mal kilometerweit bis auf die Berggipfel“ zu hören sei. „Eine völlig übertriebene und unnötige Belästigung für Mensch und Tier“, schreibt Kindl und bittet, etwas gegen diesen „absurden Irrsinn“ zu unternehmen. Im Grunde handle es sich um Körperverletzung, da Lärm bekanntlich krank mache.

Starke Pfeifsignale der BRB-Züge: „Müssen uns wehren“

Gert Barth, der in Hammer wohnt, hat sogar nachgemessen. Allein der Signalton um 1.30 Uhr liege bei 100 dB (A). Der maximal zulässige Verkehrslärm in einem Wohngebiet sei tagsüber auf 50 und nachts auf 40 dB (A) begrenzt. Barth betont, dass die Bürger in Hammer keine Nörgler seien. Man sei mit dem Bahnbetrieb vertraut und habe ihn auch so akzeptiert. Mit den neuen Zügen habe sich dieser aber zu einer gesundheitlichen Belastung entwickelt. „Und dagegen müssen wir uns wehren.“

BRB gibt Statement ab: Pfeiftöne genau vorgeschrieben

Auch die BRB selbst haben viele Zuschriften erreicht, bestätigt Pressesprecher Christopher Raabe. Anders als bei den Quietsch-Geräuschen der Fahrzeuge könne man gegen die Pfeifsignale nichts unternehmen. Da es sich hier um eine Sicherheitsmaßnahme an technisch nicht gesicherten Bahnübergängen handle, müsse man sich in Sachen Lautstärke und Frequenz der Töne an die europäischen Normen halten. Wie lange und wo die Signale abgegeben werden, sei im Eisenbahnregelwerk festgelegt. „Wir müssen diese Regeln befolgen“, erklärt Raabe. Schallmessungen hätten aber ergeben, dass sich die Lautstärke zumindest nicht vom Hupen der bis Ende Juli eingesetzten Integrale unterscheide.

Lösen lasse sich das Problem nur mit einer technischen Nachrüstung der Bahnübergänge. Beispielsweise durch Installation von Halbschranken oder einer Straßenunterführung. Hierüber gebe es Gespräche mit der für die Infrastruktur zuständigen DB Netz AG und der Gemeinde. Denn die Finanzierung dieser Maßnahmen erfolge mittels einer Kostenaufteilung zwischen Bund, DB Netz und dem jeweiligen Land vor. Die BRB als Zugbetreiber könne hier weder etwas entscheiden noch vorantreiben, macht Raabe klar.

Nach heftiger Kritik an BRB-Pfeifsignalen: Bahn prüft Lösungen

Die Deutsche Bahn macht zumindest etwas Hoffnung. Man befinde sich „in guten Gesprächen mit der Gemeinde Fischbachau, um in einem Gesamtkonzept die Pfeifstellen an den Bahnübergängen im Gemeindegebiet maßgeblich zu reduzieren“, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Infrage kämen eine Ausstattung des Bahnübergangs mit einer Schranken- und beziehungsweise oder einer Lichtzeichenanlage ähnlich einer Ampel. Aktuell seien die Übergänge lediglich mit einem Blinklicht gesichert. Alternativen seien die Abstufung der Straße zu einem Fußweg und Sicherung mit einer Umlaufsperre oder die dauerhafte, vollständige Schließung des Bahnübergangs. In beiden Fällen würde der Straßenverkehr zum benachbarten Bahnübergang umgeleitet.

Wenig Aussicht auf Besserung bei BRB-Pfeiftönen: „Wird noch einige Jahre dauern“

Details beziehungsweise einen Zeitplan nennt die Bahn jedoch nicht. „Weil Änderungen an Bahnübergängen einem aufwendigen Genehmigungsverfahren unterliegen, wird nach einer Einigung zwischen Gemeinde und Bahn die Umsetzung des Gesamtpaketes sicherlich noch einige Jahre dauern“, teilt das Unternehmen mit.

Bis dahin müssen die Anwohner weiter mit dem penetranten Pfeifen der Züge leben. BRB-Geschäftsführer Fabian Amini klärt immerhin auf, dass die verstärkte Wahrnehmung der Warntöne keine Einbildung ist. So seien die Signalhörner bei den Integralen an der Fahrzeugunterseite verbaut gewesen, bei den Lint-Zügen befinden sie sich oben. „Dadurch wird der Schall weiter getragen“, räumt Amini ein. Auch wenn er die Kritik nachvollziehen kann: Die Bauweise wie bei den Integralen sei heute nicht mehr zulässig. Die vorgeschriebene Lautstärke betrage exakt 90 dB (A). Die werde auch so eingehalten. Lauter hupen dürfe man nicht, so Amini. Leiser aber eben auch nicht.

sg

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