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Schwere Last: Je weiter der Traktor den Bremswagen zieht, desto mehr drückt das Gewicht auf die Hinterachse.

97 Teilnehmer bei Premiere in Hundham

Bremswognziang: Traktor-Spiele auf der Schlammpiste 

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Der Weg zum Full Pull führte über eine 100 Meter lange Schlammpiste: Die 97 Teilnehmer des ersten internationalen Bremswognziang in Hundham schenkten sich und ihren Traktoren nichts.

Hundham – Mit jeder verfügbaren Pferdestärke schiebt der grüne Fendt 512 von Vitus Auer Richtung Schwarzenberg. Die Stollen der mannshohen Hinterreifen wühlen sich durch den Acker an der Leitzachtalstraße in Hundham. Wie in Zeitlupe zieht der Traktor den hellblauen Bremswagen – ein mit Gewichten beladener, bis zu 15 Tonnen schwerer Lkw-Anhänger auf Kufen – durch den Schlamm. „Der plagt sich aber ganz schön“, meint eine Zuschauerin des ersten internationalen Bremswognziang am Sonntag im Leitzachtal. Doch Auers Fendt bäumt sich nach einem kleinen Durchhänger bei 20 Metern noch mal auf. Wenige Sekunden später hat er sich aber endgültig festgefahren.

41,56 Meter funkt der Kampfrichter aus dem Führerhaus des Bremswagens. Die beiden auf den Kufen postierten Helfer kuppeln ihn ab und erlösen den Fendt von seiner Last. „Vielleicht hätte ich doch auf dem Gas bleiben sollen“, hadert der Landwirt aus Oppenried bei Fischbachau im Fahrerlager. Mit seiner ersten Teilnahme bei einem Bremswognziang ist er trotzdem zufrieden.

Nicht nur für Auer, sondern auch für die Organisatoren der Hundhamer Feuerwehr ist die Veranstaltung eine Premiere. Und was für eine: Mit 70 Traktoren hatte Kommandant Bernhard Kafl gerechnet – ganze 97 Schlepper rollten auf die Lkw-Waage des Fischbachauer Entsorgungsunternehmens Grubmüller. Eingeteilt in sieben Gewichtsklassen von unter zwei bis über 10,5 Tonnen gehen sie auf die insgesamt 100 Meter lange Strecke. Wer den Bremswagen am weitesten zieht, gewinnt.

Schon nach den ersten Läufen verwandelt sich die Wiese in eine Schlammpiste. Ausgerechnet in der Nacht auf Sonntag hat es stark geregnet. Ein Pisten-Bully schiebt nach jeder Klasse die tiefsten Löcher wieder zu. Weil es die Tage zuvor jedoch weitgehend trocken war, sind nur die obersten zehn Zentimeter aufgeweicht, erklärt Kafl. Also habe man sich entschieden, das Bremswognziang durchzuziehen. „Wir haben ja alles angerichtet.“ Zudem seien 30 Teilnehmer aus anderen Landkreisen – auch aus Österreich – angereist.

Darunter richtige Profis wie Jakob Stadler von den „Koim-Briada“ aus Amerang. Mit 26 Traktoren ist der Verein angerückt. Ob Schlamm oder nicht: Auf das richtige Spiel mit dem Gaspedal kommt es an, weiß Stadler. Sanfte Lenkeinschläge würden ebenfalls gegen das Festfahren helfen. Einen Tipp für den Acker in Hundham hat Stadler auch. „Einfach schnell genug fahren, dann haut es den Dreck aus dem Profil“, sagt er und lacht. Tatsächlich schaffen ein paar Teilnehmer die volle Distanz und damit einen so genannten „Full Pull“.

Geschont wird dabei keiner der Traktoren. Der Fendt 724, mit dem Marinus Rummel aus der Oberen Wies bei Miesbach den Bremswagen zieht, hat noch keine 600 Betriebsstunden auf der Uhr. Sein Chef vom Lohnunternehmen Storr aus Geitau hat ihm trotzdem erlaubt, die Neuanschaffung in den Schlamm zu fahren. Während für die Fahrzeuge eine Kur mit dem Hochdruckreiniger reicht, wird die geschundene Wiese etwas mehr Pflege brauchen, meint Kafl: „Wir säen komplett neu an.“

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