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Original und Beschreibung: Als „architektonische und liturgische Antwort des 21. Jahrhunderts auf die althergebrachte Kultur der Hofkapellen“ ist diese Kapelle am Auerberg in „Gut gebaut“ beschrieben.

Buchvorstellung „Gut gebaut“ 

50 Häuser im Landkreis, die man kennen sollte

Die Geburt war schwerer als gedacht, aber „das Kind ist da, ist gesund und schaut gut aus“. Das sagt – sehr zu Recht – Werner Pawlovsky über „Gut gebaut“, das Buch, das das Architekturforum Miesbacher Kreis nun vorgelegt hat.

Fischbachau – Architektur prägt eine Region, aber auch umgekehrt wird ein Schuh draus. „Ländliches Bauen war bäuerliches Bauen, und das war meist sparsam und sorgsam im Umgang mit Mitteln, ohne je ganz auf Schmuck verzichten zu wollen. Auftrumpfende Gebärde, ob materiell oder geistig aufgeblasen, waren dem Bauern wesensfremd.“ So formuliert es der Architekt Florian Aicher in „Gut gebaut“, dem Buch, das das Architekturforum Miesbacher Kreis nun im Fischbachauer Klostersaal vorgestellt hat. 50 Beispiele gelungener Architektur im Kreis Miesbach sind darin zu finden. Mit auch für den Laien verständlichen Texten, vielen Bildern, gedruckt auf Gmunder Papier.

Aichers Worten wohnt eine gewisse Bescheidenheit inne. Die gab’s am Anfang nicht, wie Werner Pawlovsky, bis vor Kurzem Kreisbaumeister und weiterhin Vorsitzender des Architekturforums, bei der Buchvorstellung berichtete. Als „Premiumregion Architektur“ wollte der damalige Landrat Jakob Kreidl den Landkreis profilieren. Den doch etwas aufgeblasenen Begriff habe man alsbald über Bord gekippt, berichtete Pawlovsky. Das Streben nach qualitätvollem Bauen, so auch der Name eines entsprechenden Arbeitskreises, aber blieb. 2012 gab’s eine Baufibel, eine etwas bevormundende Broschüre und im Erscheinungsbild selbst nicht gerade qualitätvoll. Das genaue Gegenteil ist nun das Buch „Gut gebaut“. Die Idee kam von den Architekten Johannes Wegmann aus Schliersee und Christian Boiger aus Holzkirchen.

Das Ergebnis rechtfertigte die Präsentation im großen Rahmen. Der Klostersaal war gut gefüllt. Eine Reihe von Bürgermeistern war da und natürlich viele Planer. Beim Podiumsgespräch schilderte unter anderem Fischbachaus Rathauschef Josef Lechner, was er unter „gut gebaut“ versteht, nämlich Architektur, die man „mit allen Sinnen erfahren kann“. Sehen sowieso, aber auch – zum Beispiel dank des heimischen Baustoffs Holz – riechen und ertasten kann. Im Idealfall vermittle ein Gebäude dann auch ein gutes Gefühl.

Ein bisschen könnte man Lechners Ansatz auch auf das „Gut gebaut“-Buch anwenden. Das Papier aus der Gmunder Büttenpapierfabrik schmeichelt den Fingerkuppen, hat einen angenehmen Geruch, und zu sehen gibt es auf den 230 Seiten gerade genug. Am Ende bleibt das gute Gefühl, dass die Region, in der man lebt – obwohl ländlicher Raum – architektonisch einiges zu bieten hat. Aber eben nicht „materiell oder geistig aufgeblasen“. Dafür schärft das Werk den Blick.

Freilich: in dem Buch sind handverlesene Positiv-Beispiele aufgeführt, Wohnhäuser, Gewerbebauten, Denkmäler und Sonderbauten. Nicht jeder wird alles gelungen finden. Das als „Schachtelhaus“ titulierte Wohngebäude in Finsterwald zum Beispiel hatte einst das Missfallen der Gemeindepolitik erregt (wir berichteten). Das Buch erklärt, dass es in der Tradition der südbayerischen Einfirsthöfe steht und wie die historischen Vorbilder alle Räume bis hin zur Garage unter einem Dach vereint – nur eben modern interpretiert.

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Stil ist oft Anschauungssache. Auf dem Podium mahnte Aicher vor „Schematismus“ und Boiger vor „Engstirnigkeit“, aber auch vor „übertriebenem Individualismus“, etwa in Form von „gebauten Urlaubserinnerungen an Griechenland oder Italien“. Dass einzelne Häuser nur ein Teil des weiten Feldes Architektur sind, wurde bei den Beiträgen aus dem Kreise der Gäste deutlich. Kreisheimatpfleger Benno Bauer etwa kritisierte, dass die Siedlungsstruktur seit 60 Jahren auf das Auto ausgerichtet sei und sozusagen Garagen zum ortsprägenden Element werden. Auch Weyarns Ex-Bürgermeister Michael Pelzer wollte den Blick aufgeweitet wissen und kritisierte den Hang zum Ausgrenzen mittels Thujenhecken oder Gabionen.

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Wichtige Themen, die aber nicht in Büchern wie „Gut gebaut“ behandelt werden. In dem finden sich neben dem Aicher-Beitrag – „er sollte Pflichtlektüre für jeden Architektur-Studenten, Bürgermeister und Gemeinderat werden“ (Pawlovsky) – und den Positiv-Beispielen auch Gedanken von Gerhard Polt und ein Interview, das Boiger und Verleger Michael Volk mit Pawlovksy geführt haben. In Stil und Inhalt ein starkes Stück Heimat.

„Gut gebaut“ ist im Volk-Verlag erschienen und kostet 29,90 Euro. 

Daniel Krehl

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