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Da geht die Reise hin: In einer zweistündigen Präsentation erklärte Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner (r.) die Marschrichtung der Gemeinde in den kommenden Jahren.

Josef Lechner stellt Fahrplan für die kommenden Jahre vor

Bürgerversammlung: Das hat die Gemeinde vor

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Fischbachau - Viel erledigt und noch viel mehr vor: So lautete das Fazit von Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner bei seiner zehnten Bürgerversammlung. Folgende Projekte stehen an.

Viele grüne Häkchen zierten die 50 Folien, die Bürgermeister Josef Lechner im Fischbachauer Klostersaal an die Leinwand projizierte. Sie alle standen für Projekte, die die Gemeinde in den vergangenen Jahren abgeschlossen hat. Für Lechner war dies zugleich eine Art Jubiläumsbilanz: „Das ist heute meine zehnte Bürgerversammlung“, sagte er. Ruhiger wird es in Fischbachau aber auch in den kommenden Jahren nicht, ließ Lechner in seinem gut zweistündigen Sachvortrag durchblicken. „Wir graben eigentlich pausenlos irgendwo auf.“

Kernthema ist und bleibt die Infrastruktur. Einen dicken Punkt auf seiner Checkliste konnte der Bürgermeister heuer abhaken. Mit der Inbetriebnahme der Kläranlage in Wörnsmühl ist das Thema Abwasser vom Tisch. „Da brauchen wir uns auf Jahrzehnte keinen Kopf mehr machen“, sagte Lechner. In der aufgelassenen Anlage in Fischbachau soll 2017 eine Halle für den Bauhof entstehen. Mit der Zusammenlegung der Wassergebühren für den südlichen und nördlichen Gemeindebereich habe man eine „solidarische Lösung“ geschaffen. Langfristig will Lechner auch die von Miesbach belieferten Häuser in Wörnsmühl an das Fischbachauer Netz anschließen.

Eine Maßnahme, die er gerne an den Bau eines Geh- und Radwegs zwischen Hundham und Wörnsmühl andocken möchte. Einen Termin gibt es dafür noch nicht. Auch die fußgängerfreundliche Verbindung zwischen Sandbichl und dem Wolfsee liegt Lechner weiter im Magen. „Wir müssen da über viele private Grundstücke“, erklärte er. Bereits terminiert sind die nächsten Baustellen auf den Straßen. 2017 will Lechner unter anderem die Verbindung zwischen Stauden und Lehenpoint für 800 000 Euro und den Deininger Berg für 600 000 Euro sanieren lassen. All das werde die Bürger weiterhin keinen Euro kosten, versprach der Rathaus-Chef. Die Gemeinde habe keine Ausbaubeitragssatzung. „Wir werden das vermeiden, so lange es geht.“ Stattdessen will der Bürgermeister weiter Fördertöpfe anzapfen.

Gleiches geschieht seit Jahren bei der Dorfentwicklung. Hier sind nur noch wenige Punkte offen. Zum Beispiel, was mit dem Dorfanger in Elbach passiert, oder ob es mit dem Schaustollen in Deisenried klappt. In Fischbachau geht derweil der dritte Bauabschnitt im Rahmen der Städtebauförderung zu Ende. In einem letzten Schritt würden auf dem Parkplatz beim Martinsmünster noch die Beleuchtung und eine Ladesäule für Elektroautos angebracht, kündigte Lechner an. Weiter geht’s dann unter anderem mit Projekten wie der Umgestaltung des Fischbachauer Kurparks. „Sobald wir grünes Licht für den vorzeitigen Maßnahmenbeginn haben, legen wir los“, versprach der Rathaus-Chef. Bereits im September 2017 eröffnen soll die neue Kinderbetreuungseinrichtung in der ehemaligen Caritas-Familienferienstätte in Hundham. Mit 50 zusätzlichen Kindergarten- und Krippenplätzen sieht sich Lechner für die Zukunft gerüstet. „So viele Kinder können meine Bürger gar nicht bekommen, dass sie mich da in Verlegenheit bringen“, sagte er schmunzelnd.

Eher langfristig angelegt ist das Thema Wohnungsbau. Bis 2018 will die Gemeinde ein Einheimischenprogramm auflegen. Um den Fischbachauern mehr wohnortnahe Arbeitsplätze zu schaffen, denke man zudem über eine „selektive Ansiedlung“ von Gewerbebetrieben nach. Immer wieder erreichten ihn Anfragen, berichtete Lechner. Zu Sixtus äußerte er sich nicht, stellte aber die grundsätzliche Position der Gemeinde klar: „Wir schauen ganz genau hin, ob ein Betrieb zu uns passt.“

Auch den mit 9,55 Millionen Euro hohen Schuldenstand habe man im Blick, versicherte Lechner. Die Rekordinvestitionen in Höhe von 10,3 Millionen Euro in diesem Jahr begründete er mit einem Verweis auf das niedrige Zinsniveau. „Wir haben das Geschenk des günstigen Geldes genutzt.“ Die Investitionen in die Kläranlage, das Wasserkraftwerk Birkenstein und in die ehemalige Caritas-Siedlung in Hundham würden sich selbst finanzieren. Haushaltsbelastend wirkten sich lediglich 4,35 Millionen Euro aus – und das bei jährlichen Zinszahlungen von überschaubaren 77 000 Euro. „Deshalb haben wir uns diesen riesigen Hupferer zugetraut“, sagte Lechner. Das Steuergeld sei in Fischbachau gut angelegt. „Eine Rendite wie bei uns gibt es nirgends am Markt.“

Halbstundentakt: Kritik aus Hammer

Wirkliche Kritik bekam Bürgermeister Josef Lechner bei der Bürgerversammlung nur bei einem Punkt zu hören: dem geplanten Halbstundentakt im Bahnverkehr. Nicht etwa von genervten Pendlern, sondern von Anwohnern des Haltepunkts in Hammer. Wie berichtet, könnte dort der für den Halbstundentakt notwendige Kreuzungspunkt entstehen. Er wohne seit 22 Jahren am Gleis, sagte Peter Großhauser. „Und damals hat es geheißen, die Bahn kommt irgendwann weg.“ Jetzt sei das Gegenteil der Fall. Er werde sich deshalb mit allen Mitteln gegen den Kreuzungspunkt in Hammer wehren, kündigte Großhauser an. Schon jetzt seien die lauten Dieselmotoren und die Pfeifgeräusche der BOB eine große Belastung für die Anwohner. 

In der Tat sei die Situation in den 1990er-Jahren eine andere gewesen, antwortete Lechner. „Aber sie hat sich eben geändert.“ In Zeiten eines drohenden Verkehrsinfarkts komme man nicht umhin, ein attraktiveres Zug-Angebot zu schaffen. Noch handle es sich aber um „ungelegte Eier“. Es sei nicht geprüft, ob sich der Kreuzungspunkt in Hammer überhaupt technisch verwirklichen lasse oder eher in Richtung Krugalm oder Edeka verschoben werden müsse. Sollte der Halbstundentakt tatsächlich angegangen werden, rechne er mit einem „jahrelangen Planfeststellungsverfahren“, so Lechner. Konkret handle es sich jedoch um nicht mehr als acht zusätzliche Zugfahrten pro Tag. Um den Motorenlärm langfristig loszuwerden und zudem eine Einfahrt der Züge in die Stammstrecke in München zu ermöglichen, werde zudem eine Elektrifizierung geprüft. Unterstützung erhielt Lechner von einem anderen Bürger: „Ich wohne an der Straße und kann mich auch nicht gegen den Verkehr wehren.“

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