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Grenzüberschreitende Kooperation: Am Übergabepunkt in Landl steigen die Fahrgäste zwischen den Bussen der Unternehmen RVO (Bayern) und Ledermair (Tirol) um.

Förderantrag steht auf der Kippe

Buslinie Schliersee-Kufstein: RVO-Vorschlag irritiert Gemeinderäte

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Die Resonanz war positiv, die Zukunft der Buslinie Schliersee-Kufstein ist aber offen. Vorerst fährt sie nur bis Anfang November weiter. Grund: ein überraschender Vorstoß der RVO.

Schlierach-/Leitzachtal – Bis vier Stunden vor der Sitzung sah alles nach freier Fahrt aus. „Es war alles abgesprochen“, berichtete Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner (CSU) im Gemeinderat. Bei einem Treffen am 12. September hätten alle Projektbeteiligten eine Verlängerung der Pilotphase der Buslinie Schliersee-Kufstein um ein weiteres Halbjahr befürwortet. Vier Tage später und damit kurz vor den für die Kostenbeteiligung notwendigen Entscheidungen in den Gemeinderäten habe die Regionalverkehr Oberbayern (RVO) GmbH überraschend einen anderen Vorschlag mit deutlich verkürzten Fahrzeiten in den Verteiler geschickt. „Vorher wäre alles einfach gewesen, jetzt ist es kompliziert“, seufzte Lechner.

Wie berichtet, verbindet die grenzüberschreitende Linie seit 1. Juni die Gemeinden Schliersee, Fischbachau, Bayrischzell auf bayerischer Seite mit Thiersee und Kufstein in Tirol. Eine Hin- und Rückfahrt am Vormittag und eine am Nachmittag können die Passagiere nutzen. Einheimische bezahlen sechs Euro für eine Fahrt, Urlauber mit Gästekarte dürfen gratis einsteigen. Letztere seien mit einem Anteil von 65 Prozent der insgesamt 1091 beförderten Personen auch die Hauptnutzer im Probebetrieb gewesen, berichtete Tourismusleiterin Stephanie Hintermayr im Bayrischzeller Gemeinderat. Im Schnitt hätten rund 13 Personen pro Tag die Linie genutzt, bilanzierte Lechner in Fischbachau. „Eine sehr gute Resonanz.“ Die ebenfalls grenzüberschreitende Verbindung zwischen Kreuth und Achenkirch zähle nur halb so viele Fahrgäste.

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Grund genug für Lechner, die Busse auch im Winter pendeln zu lassen. Das habe man bei besagtem Gespräch auch so vereinbart. Ferner wolle man weitere Projektpartner wie etwa die Skiliftbetreiber akquirieren, eine Beteiligung des Landes Tirol sei ebenfalls denkbar. Die Kosten für die Fahrten in Höhe von 8000 Euro pro Monat würden sich alle Partner anteilig aufteilen, die Marketingausgaben von insgesamt 8000 Euro könnten erneut zu 75 Prozent über das Interreg-Programm der EU bezuschusst werden. „Mit ein bisschen Kreativität im Förderantrag bekommen wir das schon hin“, meinte Lechner. Diesen müsse man aber bis 15. Oktober einreichen.

Buslinie Schliersee-Kufstein: RVO-Vorschlag irritiert Gemeinderäte

Eigentlich war also alles ausgemacht. Doch die RVO machte laut Lechner eine unerwartete Kehrtwende. Am 16. September habe sie die Projektbeteiligten informiert, dass sie eine Verlängerung des Betriebs nur bis zum 3. November bevorzugen würde. Die Wintersaison solle dann von Weihnachten bis zum 29. Februar stattfinden, die neue Sommersaison am 1. Mai beginnen.

Für Lechner ein „unabgestimmter Vorstoß“ und eine deutliche Verschlechterung des Angebots. Der Winter- und Frühjahrsschlaf würden die Erfolgsaussichten der Buslinie schmälern. „Man braucht Durchhaltevermögen, damit so etwas angenommen wird“, betonte der Rathauschef. Es sei „völliger Irrsinn“, die Linie Ende Februar bei noch laufendem Skibetrieb einzustellen.

In Bayrischzell sieht man das augenscheinlich anders. Um die Kosten gering zu halten, plädierten Hintermayr und Bürgermeister Georg Kittenrainer für die Empfehlung der RVO, die „stillen Monate“ November, März und April auszusparen. Die Fahrtkosten für die Einheimischen kritisierte Vize-Bürgermeister Egid Stadler. Die Gemeinde finanziere die Linie, also sollten nicht nur Gäste gratis fahren dürfen. „Da wird eine Zweiklassengesellschaft aufgebaut.“

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Genug Redebedarf also für ein erneutes Gespräch mit der RVO. Dies soll laut Lechner rechtzeitig vor Ablauf der Förderantragsfrist am 15. Oktober stattfinden. Deshalb stimmten die Gemeinderäte in Bayrischzell und Fischbachau vorerst nur einer Verlängerung des Probebetriebs bis zum 3. November zu. Das Ziel für den Fischbachauer Rathauschef ist klar: „Retten, was zu retten ist.“

Schliersee wartet das ab. Das vom RVO geänderte Konzept hat Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) zur Kenntnis genommen und der Verlängerung zugestimmt. Der finanzielle Aufwand liegt unterhalb der Grenze, ab der der Gemeinderat beschließen muss. Schnitzenbaumer konnte das gemeindliche Okay selbst erteilen.

Von Daniel Wegscheider und Daniel Krehl

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