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Noch verwaist: der Campingplatz Glockenalm in Aurach.

Weil das Wolfseeareal bebaut werden soll

Campingplatz Glockenalm: Bürgermeister wünscht sich neues Konzept

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Eine Tourismusgemeinde ohne Campingplatz, das geht nicht – da sind sich die Fischbachauer einig. Weil am Wolfsee ein Wohngebiet entstehen soll, will man nun die Glockenalm ausbauen. 

Fischbachau – Wenn der Campingplatz am Wolfsee geht, muss etwas Neues nachkommen – das galt im Gemeinderat Fischbachau als beschlossene Sache. Ein gutes halbes Jahr, bevor der Platz einem Wohngebiet weichen soll (wir berichteten), zeichnet sich langsam ab, wie der Ersatz aussehen könnte. Die Auracher Glockenalm, Fischbachaus einziger Campingplatz außer dem Wolfsee, könnte für den großen Bruder in die Bresche springen. Dafür sind allerdings noch einige Hürden zu nehmen, denn derzeit steht es schlecht um die Glockenalm.

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„Mit der Glockenalm muss einiges passieren“, sagt Bürgermeister Josef Lechner. Bilder im Internet zeigen gerade im Bereich der sanitären Einrichtungen desolate Zustände: Abfallkörbe aus Obi-Eimern, Nivea-Spiegel im Bad, Duschen in fragwürdigem Zustand. „Dass hier auch warmes Wasser kam, überraschte uns alle“, schreibt ein Besucher.

Der desolate Zustand war wohl auch einer der Gründe, warum der letzte Pächter den Vertrag Ende vergangenen Jahres nicht mehr verlängerte. Bis dahin sah die Glockenalm wenigstens gelegentlich Kunden, etwa für Teambuilding-Events oder Wikingertage mit Kindern. Doch seitdem ist der Platz geschlossen.

Das will Bürgermeister Lechner jetzt ändern. Er signalisierte den Eigentümern, dass die Gemeinde mit dem derzeitigen Stand des Platzes unzufrieden ist, bot gleichzeitig aber auch eine Erweiterung auf 90 Stellplätze an. Ohne diese wäre die Glockenalm viel zu klein, um den wegfallenden Platz am Wolfsee kompensieren zu können. Letzterer hat 200 Stellplätze, von denen zuletzt aber nur etwa die Hälfte gefüllt war.

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Für die Erweiterung gibt es laut Lechner zwei Möglichkeit: Entweder die Eigentümer renovieren den Platz und verpachten ihn teurer, oder ein Investor übernimmt Sanierung und Erweiterung und zahlt entsprechend weniger Pacht. Gemeinde und Eigentümer seien für beides offen. Lechner will vor allem ein tragfähiges Betreiberkonzept, egal welcher Art. Ein neues Sanitärgebäude müsse her, ein Aufenthaltsraum, vielleicht ein Kiosk. Dann wäre er gerne bereit, im Bebauungsplan ein Sondergebiet Tourismus auszuweisen, bei der Suche nach neuen Pächtern zu helfen. Die Standortmarketing-Gesellschaft (SMG) Landkreis Miesbach ist ebenfalls auf der Suche.

2018 wird die Glockenalm trotzdem nicht mehr eröffnen, auch 2019 könnte knapp werden, schätzt Lechner. „Für eine Eröffnung nächstes Jahr müsste der Umbau im Herbst beginnen, schon bald jemand mit einem guten Konzept zu uns kommen.“ Diesen Schritt ist bisher noch keiner der Interessenten gegangen. „Die Gespräche mit Eigentümern und Pächtern sind aber schon relativ konkret“, so Lechner. Nächste Woche will er wieder mit den Eigentümern sprechen. Dann könnte es neue Ergebnisse geben.

Für eine Renaissance der Glockenalm sieht es derzeit also gut aus. Gemeinde und Eigentümer sind sich einig, Interessenten gibt es auch. Legt einer von ihnen ein tragfähiges Konzept vor, könnten in Aurach schon bald die ersten Camper vorfahren.

Ärger am Wolfsee

Nachdem das Ende für den Campingplatz Wolfsee öffentlich wurde, herrscht Verunsicherung und Verärgerung bei den Campern. „Herr Daiss schwört, dass er nicht an die Gemeinde verkauft hat“, berichteten mehrere Camper unserer Zeitung übereinstimmend. Weil sie Daiss schon seit Jahrzehnten kennen, glauben sie seinem Wort, können sich die Situation nicht erklären. Daiss selbst wollte sich auf Nachfrage nicht dazu äußern. 

Bürgermeister Lechner hat für das Verhalten Daiss’ kein Verständnis. „Er tut den Campern keinen Gefallen“, sagt er. Der Vertrag sei definitiv in trockenen Tüchern, die Gemeinde habe sogar schon die Grunderwerbsteuer gezahlt. Zwar habe Fischbachau ein einseitiges Rücktrittsrecht, beispielsweise für den Fall, dass ein Bodengutachten negativ ausgefallen wäre. Diese Möglichkeiten traten aber alle nicht ein. „Wir werden zu 99,9 Prozent beim Kauf bleiben“, versichert Lechner.

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