Entgegenkommend: Iris Zwicklbauer bedient Kunden ihrer Auracher Post auch ohne Maske – vor der Tür.
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Entgegenkommend: Iris Zwicklbauer bedient Kunden ihrer Auracher Post auch ohne Maske – vor der Tür.

Eine gehört zur Hochrisikogruppe

Maskenverweigerer pöbeln mehrmals in Post-Filiale: „Wir gewinnen! Wir sind die meisten“ - Inhaberin besorgt

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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In der Auracher Post haben zweimal Frauen ohne Corona-Masken das Personal beschimpft und sich geweigert, den Laden zu verlassen. Inhaberin Iris Zwicklbauer ist besorgt.

  • Seit Beginn der Corona-Krise gilt in Bayern die Maskenpflicht in öffentlichen, geschlossenen Räumen zur Verringerung der Ansteckungsgefahr.
  • In einer Post-Filiale in Fischbachau gab es nun mehrmals Ärger mit Maskenverweigerern.
  • Die Inhaberin weiß nicht mehr weiter. Die Polizei klärt über die Rechtslage auf, und was man als Geschäftsinhaber tun kann.

Aurach – Als sich die etwa 80-jährige Frau ohne Maske weigert, die Auracher Post zu verlassen, weiß Betreiberin Iris Zwicklbauer nicht mehr weiter. Ihr Angestellter hat die Seniorin freundlich gebeten, zu gehen. Er hat ihr erklärt, dass die Filiale die Regeln nur umsetzt, nicht macht. Er hat ihr angeboten, sie im Freien zu bedienen. Alles umsonst. Die Dame behauptet, als freie Bürgerin dürfe ihr niemand verbieten, ohne Maske einzukaufen. Außerdem habe sie ein Attest. Die anderen Kunden stehen hilflos daneben als sie ruft: „Wir werden gewinnen. Wir sind die meisten.“ Zwicklbauer schüttelt den Kopf.

Wir werden gewinnen. Wir sind die meisten.

Skandierte jüngst eine Maskenverweigerin in der Auracher Post.

Zwei Tage später wiederholt eine andere Frau die Szene in der Post. Wieder keine Maske, wieder die Parolen, wieder das Triumphgeheule nach dem Einkauf. „Ich habe es geschafft“, soll die Frau auf der Straße gerufen haben. „Wir werden immer mehr. Wir kommen wieder.“

Wir werden immer mehr. Wir kommen wieder.

Weitere Maskenverweigerin in Aurach.

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Corona-Maskenverweigerer pöbeln in Post - Das Dilemma

Eine Drohung, findet Zwicklbauer. Die Maskenverweigerer könnten den ganzen Ort lahmlegen, sie fühle sich ausgeliefert. Bis die Polizei komme, seien sie weg. Selbst rausschieben darf und will sie niemanden. Beweisfotos und -videos sind verboten. Die Post rate ihr, Menschen ohne Maske einfach nicht zu bedienen. „Deswegen stehen sie trotzdem da.“

Zwicklbauers Notlösung: Weigert sich das nächste Mal ein Kunde ohne Maske, den Laden zu verlassen, werden sie und ihre Angestellten rausgehen. Die Person kann nichts mehr kaufen und muss, so die Hoffnung, nachgeben. Ihre letzte Option, findet Zwicklbauer. „Was, wenn ich oder meine Angestellten Corona bekommen? Dann ist die Post in Aurach zu.“ Das könne niemand wollen. „Ich dachte, wir Einheimischen halten zamm.“

Corona in Bayern: Maskenverweigerer beschimpfen Post-Mitarbeiter - Die Bitte

Die übrigen Kunden bittet Zwicklbauer um Unterstützung. Sie sollen Maskenverweigerer ansprechen, Ladeninhaber unterstützen. Denn Unterstützung, findet Zwicklbauer, hätten die Gewerbetreibenden sie verdient. Sie sei den Menschen entgegenkommen. Am Laden bietet ein Schild Kunden an, sich im Freien bedienen zu lassen, auch ohne Maske. Ein Mann, der sich vor Corona fürchtet, stelle seine Post samt Geld in einem Eimer vor der Ladentür ab. Zwicklbauer leert den Eimer, legt das Wechselgeld hinein und stellt ihn wieder vor die Tür. Es gebe für jedes Problem eine Lösung, sie habe für jeden Verständnis.

Dennoch, berichtet Zwicklbauer, werde sie schon lange beschimpft – vor allem von älteren Menschen, nur eben bisher meist mit Maske. „Warum lasst ihr euch verarschen?“, fragen sie und behaupten: „Masken machen krank.“ „Daran habe ich mich schon gewöhnt“, sagt Zwicklbauer. Manchmal erklärt sie, dass sie und ihre Angestellten seit März täglich Masken tragen und trotzdem gesund sind. Manchmal sagt sie nichts. Wolle jemand ehrlich über das Thema reden, mache sie das. Die beiden Frauen seien aber zu weit gegangen. Die totale Überzeugung, im Recht zu sein; die Zettelchen mit Gesetzespassagen, mit denen sie gestikuliert hatten; die Behauptung, so lange sie nichts stehlen, könne ihnen niemand den Zutritt zum Laden verbieten: „Stimmt alles nicht“, sagt Zwicklbauer.

Maskenverweigerer in Geschäft in Fischbachau (Bayern): Die Rechtslage

Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd bestätigt das. Ihm sind mehrere Fälle wie der in Aurach in seinem Einzugsbereich bekannt. Es seien Einzelfälle, ein Trend sei nicht erkennbar. Klar sei aber: „Der Inhaber hat selbstverständlich Hausrecht“, sagt ein Sprecher. Er dürfe selbst Kunden mit ärztlichem Attest auffordern, sich vor der Tür bedienen zu lassen. „Wenn der Inhaber jemanden nicht in seinem Laden haben will, hat er dort nichts verloren.“ Geschäftsleute sollten uneinsichtige Maskenverweigerer auf das Hausrecht hinweisen und über den Notruf die Polizei alarmieren. Diese werde die Lage klären und eine Bußgeldanzeige erlassen.

Die Polizei weiß, wie verunsichert manche Geschäftsleute wegen des Erfindungsreichtums einiger Maskenverweigerer sind. In einer Bäckerei im Landkreis Rosenheim habe ein Mann ein gefälschtes Schreiben des Bundesgesundheitsministeriums vorgezeigt, nach dem die Maskenpflicht aufgehoben sei und Kunden Geschäftsleute, die sie ohne Maske nicht bedienen, verklagen könnte. Stimmt nicht, schindet aber Eindruck. Auch am Flughafen München gab es einen Fall mit einem gefälschten Attest, das gerade bundesweit kursiert.

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