Touristen wollen noch mehr

Wohnmobil-Boom dank Corona: Landwirt wittert Geschäft und baut Stellplätze - „Wird ein richtiger Hafen“

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Urlaub im eigenen Fahrzeug boomt in Corona-Zeiten. Landwirt Werner Haase greift den Trend auf. Er baut 28 Stellplätze auf seinem Grund.

  • Immer mehr Wohnmobil-Urlauber kommen in den Landkreis.
  • Stellplätze sind rar gesäht, doch ein Fischbachauer Landwirt baut nun welche auf seinem Grund.
  • Werner Haase ist überzeugt, dass seine Idee ein Erfolg wird.
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Landkreis – Eine ebene Fläche, idealerweise noch Wasser, Kanal und Strom: Mehr braucht es nicht, damit Wohnmobilisten vor Anker gehen, weiß Werner Haase. Und genau das will der Landwirt des gleichnamigen Ziegenhofs in Fischbachau den Urlaubsgästen auf vier Rädern ab dem kommenden Jahr anbieten. 28 Stellplätze legt Haase auf der aufgelassenen Kiesgrube auf seinem Grundstück nahe der Staatsstraße 2077 an. „Das wird ein richtiger Wohnmobilhafen“, ist der Landwirt überzeugt.

Gut zehn Jahre lang hat Haase mit dem Projekt geliebäugelt. Erst sah er in den Wohnmobilgästen vor allem eine zusätzliche Belebung seines Hofladens mit Käserei. „Aber meine Familie hat noch nicht so richtig gezogen“, erzählt der Fischbachauer. Als die Gemeinde dann aber Anfang 2018 den Wolfsee kaufte um darauf ein neues Wohngebiet zu entwickeln, witterte Haase eine große Chance. „Da ist der Apfel gereift“, sagt Haase.

Auch dank Corona: Wonhmobil-Urlaub boomt

Die jüngsten Entwicklungen scheinen ihm recht zu geben. Wohnmobil-Urlaub liegt im voll Trend, die Zulassungszahlen steigen Jahr für Jahr. Die Corona-Pandemie hat den Wunsch zum Reisen in den eigenen vier Wänden noch verstärkt (siehe unten). „Das spielt uns natürlich in die Hände“, sagt Haase.

Noch laufen die Arbeiten auf Haases Grundstück. Vor allem das Auffüllen des abfallenden Geländes nimmt Zeit in Anspruch. Doch bis zur Sommersaison 2021 sollen die ersten Wohnmobile den Ziegenhof ansteuern. Wohnwagen oder gar Zelte will Haase aber nicht beherbergen. „Sonst müsste ich die Campingplatz-Auflagen erfüllen“, erklärt er. Also beispielsweise feste sanitäre Anlagen schaffen.

Neuer Trend für Reisende: Wohnmobil-Fahrer bleiben nur wenige Nächte

Überhaupt würden Wohnmobilisten und Camper nicht wirklich gut zusammenpassen. „Das ist ein anderes Klientel“, weiß der Landwirt. So würden erstere meist nur einen kurzen Stopp von ein bis zwei, in seltenen Fällen auch drei bis vier Nächten einlegen. „Die sind sehr reiselustig und genießen die Freiheit.“ Zweitere hingegen würden Wohnwagen oder Zelt auch gern mal den gesamten Urlaub lang an einem Ort abstellen.

Noch aus einem anderen Grund ist Haase zufrieden, sich für einen Wohnmobilhafen entschieden zu haben: Weil er außer einem Container für Werkzeug und Abfall keine baulichen Anlagen errichten braucht, war auch der Genehmigungsprozess weit weniger komplex als bei einem Campingplatz. Wie lang sich so etwas – vor allem wegen des Naturschutzes – hinziehen kann, zeigt sich bekanntlich ein paar Kilometer weiter. Die Glockenalm in Aurach wartet noch immer auf ihre Wiedereröffnung und Erweiterung.

Neuer Wohnmobil-Stellplatz in Fischbachau: Genehmigung für Stellplätze war kein Problem

Auch bei ihm schauten Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt vorbei, berichtet Haase. „Da gab es schon auch unterschiedliche Auffassungen.“ Letztlich habe er durch die Gespräche sogar die Möglichkeit bekommen, die vorgesehenen zehn Plätze auf 28 aufzustocken.

Eine Entscheidung, die Haase nicht bereut. Zumal die Lage an der Straße ideal sei. Einsehbar, um Durchreisende auf der Nord-Süd-Achse über die Alpen oder auf der West-Ost-Route die Berge entlang anzulocken, aber dennoch ruhig für die, die bereits eingeparkt haben. Mit Bäumen will der Landwirt die Fläche später noch verschönern. Denn auch wenn seine Gäste nur wenige Nächte bleiben: „Wohlfühlen sollen sie sich trotzdem.“ Vielleicht auch, um auf der Rückreise nochmals beim Ziegenhof Halt zu machen.

Wohnmobil-Boom an den Alpen: Touristiker suchen weitere Stellplätze

Schon in seiner Zeit als Tourismuschef in Bayrischzell hat Harald Gmeiner das Potenzial von Wohnmobil-Urlaubern erkannt. Er setzte sich für die Ausweisung von Stellplätzen am Seeberg ein. Ein Angebot, das gut angenommen wird und der Gemeinde jedes Jahr Geld in die Kasse spult. Mittlerweile ist Gmeiner als Vorstand der Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS) für den Tourismus im gesamt Landkreis zuständig. Und auch hier liegt ihm das Thema Wohnmobil am Herzen. Allerdings nicht als Marketingziel, sondern als Reaktion auf den Caravan-Boom. „Wir wollen keine Wohnmobile anwerben, denn die kommen sowieso“, sagt Gmeiner. Damit die Fahrer nicht mangels geeigneter Stellplätze öffentliche Parkplätze blockieren, müsse man den Andrang mit entsprechenden Angeboten kanalisieren.

Tatsächlich dürften Wohnmobile auf Durchreise für eine Nacht wie ein normales Auto am Straßenrand parken. Das sei aber auch für die Fahrer selbst allenfalls eine Notlösung. Vielmehr würden diese einen schönen Platz für ihren Zwischenstopp bevorzugen – und dabei sogar noch Geld im Ort lassen. „Wer sich so ein Auto leisten kann, ist meistens zahlungskräftig“, erklärt Gmeiner. Heißt: Er geht essen und kauft ein. Nicht umsonst bezeichnet der Tourismus-Chef die Wohnmobil-Urlauber als „Cashcows“. „Melken“ könnten diese auch Landwirte, wenn sie auf ihrem Grund Stellplätze ausweisen – wie etwa Werner Haase in Fischbachau (siehe Haupttext). So habe die ATS während des Corona-Lockdowns gezielt nach interessierten Grundeigentümern gesucht. Denn nicht zuletzt die Pandemie-Regeln hätten den Trend zum Urlaub im eigenen Fahrzeug noch verstärkt.

Erste Angebote gibt es bereits im Landkreis. Neben Bayrischzell können Wohmobilisten auch die Stellplätze an der Freizeitanlage am Oedberg in Ostin ansteuern. Der Betreiber der Fläche am Spitzingsee liebäugelt laut Gmeiner sogar mit einem Ausbau. Gäste mit Wohnwagen oder Zelt kommen auf den Campingplätzen am Schliersee, am Seehamer See und am Wallberg auf ihre Kosten. Auch die Glockenalm in Aurach soll wieder eröffnen. In diesem Segment sei eine Erweiterung des Angebots aber ungleich schwieriger als bei Wohnmobilstellplätzen, erklärt Gmeiner. Da es hier mehr bauliche Anlagen brauche, komme man um man eine Abwägung mit dem Naturschutz nicht herum.

Wohnmobil-Stellplätze seien hier vergleichsweise unproblematisch, meint Gmeiner. Und ein Einnahme-Garant obendrein. „Das Segment wächst rasant.“ Um Wildwuchs zu vermeiden und die Fahrzeuge zu kanalisieren, sei die ATS um jede Fläche dankbar.

sg

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich

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