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Dicker Fisch am Haken: Per Schwertransport wurde die Grubenlok aus dem Ruhrgebiet vor den geplanten Schaustollen in Deisenried geliefert. Ein Kran hievte das mehrere Tonnen schwere Gerät vom Lkw auf den Parkplatz. 

Schaustollen hat Geschenk aus dem Ruhrgebiet bekommen

Darum parkt dieser 17-Tonnen-Koloss in Deisenried

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Ein Koloss aus Stahl steht derzeit auf dem Parkplatz vor dem geplanten Schaustollen in Deisenried. Die Grubenlok samt Lore ist ein Geschenk aus einer aufgelassenen Zeche im Ruhrgebiet.

Hundham – Auf gut Glück schickte Martin Schmid seinen „Wunschzettel“ ins Ruhrgebiet. Über seine Kontakte zur Ruhrkohle AG hatte der Vorsitzende des Bergmannsvereins St. Barbara Leitzachtal erfahren, dass die Steinkohlezeche Auguste Victoria in Marl bei Gelsenkirchen Ende 2015 geschlossen wurde. Sofort verfasste er ein Spendengesuch, um weitere Ausstellungsobjekte für den geplanten Schaustollen in Deisenried zu akquirieren. Als Schmid dann den Antwortbrief aus dem Pott in den Händen hielt, traute er seinen Augen kaum. Neben Bergmannskleidung, Grubenlampen und anderen Utensilien war darin eine Grubenlok mit Lore aufgeführt. „Da hab ich mich erst mal hingesetzt“, erzählt Schmid und lacht.

Bei seiner Nachfrage in Gelsenkirchen verschlug es Schmid endgültig der Atem. Denn statt einer kleinen E-Lok stand ein insgesamt 17 Tonnen schwerer und sieben Meter langer Koloss zur Abholung bereit. Die Kumpel im Ruhrgebiet hatten die Maschine bereits in fünf Teile zerlegt. „Sonst hätten sie sie gar nicht aus der Grube bekommen“, erklärt Schmid. Für den Transport kam nur der Weg über die Autobahn infrage. Der Vorsitzende des Bergmannsvereins beauftragte die Speditionsfirma Lettenbichler aus Irschenberg, die die Lok samt 2,7 Kubikmeter-Lore per Kran auf einen Tieflader hievte. Vor ein paar Tagen kam der Schwertransporter am Parkplatz vor dem Stollen an. Dort wartet der Gigant nun.

In den Schaustollen passt er nicht hinein. Schmid: „Für so ein Gewicht sind unsere Schienen nicht ausgelegt.“ Als Blickfänger für die Besucher seien Lok und Lore vor dem Stollen ohnehin am besten aufgehoben. Um diese ansprechend zu präsentieren, sollen sie später auf ein eigens angefertigtes Gleisstück gehoben werden. Die fehlende Motorabdeckung der Lok will der Vorsitzende besucherfreundlich mit einer Plexiglasscheibe verkleiden.

Tatsächlich ist der Dieselantrieb mit Baujahr 1996 ein sehenswertes Stück Technik. So ist das Aggregat ist bis zur Grubenschließung gelaufen und konnte dank Explosionsschutz-Ummantelung auch in Gas- oder Benzindampfwolken gefahrlos durch die Stollen fahren. Bis zu 50 voll beladene Kohlewagen zog die Maschine hinter sich her. Waren die Loren leer, schaffte sie sogar 100. „Das war dann ein 320 Meter langer Zug“, erklärt Schmid. Dank zwei getrennter Fahrerkabinen behielt der Lokführer auch in engen Kurven die Übersicht.

Im Schacht in Deisenried hätte ein solcher Zug keinen Platz. Wie berichtet, mussten die Initiatoren des Leader-Projekts den geplanten Schaustollen von ursprünglich 400 auf zweimal 70 Meter verkürzen. Wohl auch um das Haftungsrisiko zu minimieren, hätte der Eigentümer E.on SE einem anderen Pachtvertrag nicht zugestimmt.

Mittlerweile hat das Projekt die nächste Hürde gepackt. Die Leader-Lenkungsausschüsse in Miesbach und im benachbarten Mangfalltal haben laut Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner einstimmig die finanzielle Unterstützung eines Konzepts für den Ausbau des Stollens befürwortet. „Jetzt warten wir nur noch auf den Förderbescheid“, erklärt Lechner. Gut 28 000 Euro wird die Planung kosten. Die eine Hälfte wird von Leader übernommen, die andere teilen sich die Gemeinden. Voraussichtlich Ende April könne der Gemeinderat die Auftragsvergabe beschließen.

Vom Konzept hängen auch die tatsächlichen Projektkosten ab. Zwar dürften sich diese durch die deutlich kürzere Ausbaustrecke des Stollens verringern, andererseits wollen die Initiatoren für die museale Aufbereitung auf moderne und damit teure Multimediatechnik setzen. Doch auch dafür soll wieder ein Leader-Antrag gestellt werden – sofern die beiden Gemeinderäte erneut zustimmen. „Wir sind gut unterwegs“, sagt Lechner erfreut.

Schmid denkt hingegen schon darüber nach, was im Schaustollen alles ausgestellt werden soll. Neben den Geschenken aus dem Ruhrgebiet verfüge der Verein auch selbst über einen großen Fundus an historischen Objekten. Alles auf einmal könne man aber so oder so nicht präsentieren, meint Schmid. „Da hätten uns auch 400 Meter Stollen nicht gereicht.“

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