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Gemeinsam viel geschafft: Zusammen mit Forstbezirkleiter Jörg Meyer (stehend) haben die Fischbachauer Schüler und Biologie-Lehrer Bernd Meier (r.) ein Waldklassenzimmer gebaut. Die Eröffnung nutzten auch die Forstwirte Gerhard Waas (l.) und Rudolf Kornder (3.v.l.) sowie Bürgermeister Josef Lechner zum Probe-Unterricht.

Mittelschüler ziehen ins Grüne

Ein Klassenzimmer mitten im Wald: So naturverbunden lernt man jetzt in Fischbachau

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Es muss nicht immer digital sein. Um den Schülern ein Gespür für Natur und Nachhaltigkeit zu vermitteln, hat die Mittelschule Fischbachau ein Waldklassenzimmer eingerichtet. Die Schüler von der sechsten bis neunten Klasse halfen beim Bau der Anlage tatkräftig mit – ganz analog.

Fischbachau – Ein Klassenzimmer mitten im Wald, zwischen Bäumen und Vogelgezwitscher. Auf acht selbst geschnitzten Holzbänken diskutieren Schüler im Halbkreis über die Eigenarten des Waldes und seiner Bewohner. Diese schöne Vorstellung ist jetzt mit dem ersten Waldklassenzimmer im Landkreis an der Mittelschule Fischbachau Wirklichkeit geworden. „Es begeistert mich, was durch gemeinsamen Einsatz aus einer schnellen Idee alles entstehen kann“, sagt Schulleiterin Marion Lechner.

Etwa ein Jahr ist es her, dass Lechner diese Idee kam. Damals führte sie zusammen mit Gerhard Waas, dem für Fischbachau zuständigen Förster, die achten Klassen durch den Wald. Wie schön wäre es, regelmäßig im Grünen unterrichten zu können, dachte sich Lechner damals. Bernd Meier begeisterte diese Idee sofort. Er hatte ursprünglich Biologie studiert, war aber vor 20 Jahren Lehrer geworden, um die eigene Liebe zur Natur an Schüler weiterzugeben. Lechners Idee passte zu dieser Motivation.

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Wie Waas wusste, planten die Bayerischen Staatsforsten, in jedem der 41 Forstbetriebe ein Waldklassenzimmer entstehen zu lassen. Das brachte Jörg Meyer ins Spiel, Forstbetriebsleiter für Schliersee. Er lieferte das Konzept, mit dem die Idee der Fischbachauer konkrete Form bekam.

Damit begann die Planung. Lehrer Meier entwickelte für alle Klassenstufen Konzepte, wie der neue Schulraum in den Unterricht integriert werden kann. Meyer, Waas und Forst-Revierleiter Rudolf Kornder lieferten das nötige Fachwissen und handwerkliche Geschick zum Bau. Lechner war wichtig, die Schüler das Klassenzimmer selber erschaffen zu lassen, „damit sie es auch zu schätzen wissen“.

Unlängst ging es ans Werk. 16 Schüler der Klassenstufen sechs bis neun hatten sich freiwillig gemeldet. „Im Wald arbeiten macht Spaß“, sagt Nicko (14). „Es ist schön, mal aus der Schule rauszukommen.“ Zehn Gehminuten von der Schule entfernt, karrten er und seine Kameraden in vier Tagen 100 Schubkarren Holzhackschnitzel in das Areal, schnitzten Holzbänke und dekorierten das Rund. Marinus (13) fand die Arbeit zwar anstrengend, freut sich aber, „so ein tolles Klassenzimmer ermöglicht zu bekommen“.

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Für den Einsatz gab es Lob aus dem Rathaus. „Das habt ihr super gebastelt“, fand Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner bei der Einweihung. „Ich hoffe aber, die Arbeit an der Motorsäge habt ihr den Förstern überlassen.“ Das haben die Schüler. Kornder und die Forstwirte Manfred Görg und Johann Stöger halfen beim Bau kräftig mit.

Ab dem neuen Schuljahr wollen Lehrer und Schüler gerade bei Doppelstunden mit thematischen Bezug zum Wald den Ausflug ins Grüne wagen. „Durch die frische Luft und die Bewegung auf dem Weg hierher wird der Unterricht viel effektiver“, meint Meier.

Er will auch weiterhin Projekttage zum Werkeln am grünen Klassenzimmer anbieten. Das Areal braucht Wartung und Pflege, soll aber auch erweitert werden. „Wir wollen einen veränderlichen Raum, in dem sich die Schüler wiedererkennen.“ Jede neue Projektgruppe soll dem Zimmer ihre eigene Note geben können. Rustikal und naturverbunden wird es aber immer zugehen, stellte Meier lachend fest: „Das ist ja keine Ikea-Ausstellung.“

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