Zu groß? Auf dem Grundstück gegenüber der Einfahrt zur Grundschule Elbach (v.l.) will ein Investor ein 7,20 Meter hohes Gebäude für Betreutes Wohnen bauen. Das sprenge das Dorfbild und blockiere den Blick auf St. Andreas, meinten Gemeinderäte. Kleiner ginge es nicht, entgegnete der Investor. Sonst werde die Anlage unrentabel.
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Zu groß? Auf dem Grundstück gegenüber der Einfahrt zur Grundschule Elbach (v.l.) will ein Investor ein 7,20 Meter hohes Gebäude für Betreutes Wohnen bauen. Das sprenge das Dorfbild und blockiere den Blick auf St. Andreas, meinten Gemeinderäte. Kleiner ginge es nicht, entgegnete der Investor. Sonst werde die Anlage unrentabel.

Investor will 48 Wohnungen bauen

Elbach: Sorge um Dorfbild wegen Projekt für Betreutes Wohnen

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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In Elbach will ein Investor ein dreigeschossiges Gebäude für Betreutes Wohnen bauen. Das sprenge das Dorfbild, meinten Gemeinderäte. Kleiner ginge es nicht, entgegnete der Investor.

Fischbachau – Der Vorschlag, mit dem ein Investor an den Gemeinderat Fischbachau herangetreten ist, hat dort Sorge um das Elbacher Dorfbild ausgelöst. „Ein Verbrechen an einem der schönsten Ortskerne Oberbayerns“, nannte Andreas Estner (FWG) den Vorschlag. „Das passt da nicht“, sagte Thomas Kantenseder (FaB). Bürgermeister Johannes Lohwasser (FWG) erkannte die Bedenken an, sprach aber von einem „sehr sinnvollen Projekt“.

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Der Vorschlag

Was die Gemeinderäte so erregte: Die Firma Bremora, ursprünglich aus Hausham, inzwischen in Grünwald ansässig, will in Elbach eine Anlage für Betreutes Wohnen bauen. Auf der Grünfläche neben dem Supermarkt, gegenüber der Einfahrt zu Steingrabenstraße und Grundschule, sollen auf 1500 Quadratmetern in einem 7,20 Meter hohen Haus 48 barrierefreie Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen entstehen. Hinzu kommen Flächen für Therapie, Empfang und Café sowie Parkplätze, Tiefgarage und ein Park für Spaziergänge.

Ein größerer Bau also. Lohwasser zeigte Entwürfe der dreigeschossigen Gebäudefront mit Holzfassade und Dachgauben. Wer dort einziehen will, muss älter als 65 Jahre sein – das will Bremora rechtlich fixieren. Stirbt ein Bewohner, könnten jüngere Erben also nicht mit ihren Familien in Elbach einziehen.

Das Grundstück habe die Firma gekauft, sagte Inhaber Bernhard Bremora im Gremium. Als Betreiber habe er unter anderem das Rote Kreuz und die AWO Miesbach im Blick. „Die werden alle angefragt. Einer machts.“

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Der Bedarf

Bremoras Vorschlag stieß im Gemeinderat auf wenig Gegenliebe – obwohl er die Zahlen scheinbar auf seiner Seite hat. „Statistisch wäre ein Bedarf da“, sagte Lohwasser. Selbst nach vorsichtigen Schätzungen betrage dieser mindestens 200 Plätze – deutlich mehr, als Bremora bauen will. Lohwasser meinte daher, die sozialen Vorteile überwögen die Nachteile, merkte aber an, dass Bedarfsschätzungen schwierig seien.

Ein Beispiel: Bremora scheitere mit einem Projekt für Betreutes Wohnen vor zehn Jahren in Hausham an mangelnder Nachfrage – obwohl er laut Aussage gegenüber unserer Zeitung für „zigtausende Euro“ ein Bedarfsgutachten hatte erstellen lassen. Im Gemeinderat machte Bremora nun die Finanzkrise für das Scheitern verantwortlich.

Klar ist: In Hausham hat Bremora inzwischen Eigentumswohnungen für den freien Markt gebaut. Dies dürfe sich in Fischbachau nicht wiederholen, warnte die Schutzgemeinschaft Leitzachtal in einem Brief, den Lohwasser im Gremium zusammenfasste.

Eva Köhler (Grüne) regte daher an, in einer Umfrage unter den Einwohnern selbst den lokalen Bedarf zu ermitteln. Aus Einrichtungen im Tegernseer Tal wisse sie: „50 Prozent der Bewohner kommen von Sonstwoher.“ Dafür müsse Fischbachau nicht sein Dorfbild opfern. Andreas Gschwendtner (CSU) unterstützte die Idee. Auf dem Land geschehe Betreutes Wohnen in der Familie, meint er, weshalb die Gemeinde eher ein Pflegeheim brauche. Das sahen mehrere Gemeinderäte ähnlich.

Die Fischeralm

Ein Pflegeheim plant Fischbachau seit Längerem an der Fischeralm in Aurach (wir berichteten). Kantenseder schlug vor, dieses Projekt abzuschließen, bevor die Gemeinde ein ähnliches beginnt. Laut Lohwasser ist die Fischeralm aber „nicht so einfach voranzubringen“. Die Gemeinde könne daher ein anderes Projekt angehen. Außerdem zielten beide auf unterschiedliche Gruppen.

Entscheiden wird der Gemeinderat über das Betreute Wohnen erst in seiner nächsten Sitzung. Lohwasser wollte die Entscheidung nicht überstürzen: „Bei Projekten einer bestimmten Größenordnung sollte man sich die Zeit nehmen, es richtig zu machen.“

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