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Vier Münchner stecken in Elbacher Friedhofskirche fest - Rettung erst nach Notruf

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Von: Sebastian Grauvogl

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Friedhofskirche Heilig Blut Elbach
„Hilfe, wir wollen wieder raus“: Andreas Butzke (r.), seine Freundin Conny Kocher (2.v.l.) sowie die Eltern Christa und Manfred Butzke harren vor der eingerasteten Holztür der Elbacher Friedhofskirche Heilig Blut aus. © Andreas Butzke

Rein kamen sie, aber nicht mehr raus: Vier Münchner sind am Freitagnachmittag in der Elbacher Friedhofskirche festgesteckt. Rettung kam erst nach einem Notruf.

Elbach – Mit einem dumpfen Rumms fiel die schwere Holztür ins Schloss. Alles richtig gemacht, dachte sich Andreas Butzke mit seiner Familie. Steht doch auf dem Schild geschrieben: „Türe schließen“. Doch als sie ihren kleinen Besuch der Elbacher Friedhofskirche Heilig Blut nach ein paar Minuten beendet hatten, merkten die vier Ausflügler, dass sie es wohl etwas zu gut gemeint hatten. Egal, wie sehr sie am Griff rüttelten: Die Kirchentür wollte einfach nicht mehr aufgehen. „Wir waren eingesperrt“, sagt Butzke. Und das eine gute halbe Stunde lang.

Alles begann mit einem Spaziergang. Butzke hatte mit seinen Eltern Manfred und Christa sowie seiner Freundin Conny Kocher Silvester in der Hütte der Familie in der Nähe der Schwaigeralm gefeiert. Am Freitag wollten sie dann eine kleine Wanderung zum Gasthof Sonnenkaiser in Elbach unternehmen. Weil die Wirtschaft aber zu hatte, entschlossen sich die vier zu einem Besuch der Pfarrkirche St. Andreas mit der benachbarten Friedhofskirche.

Zuerst waren sie auch sehr angetan von barockem Stuck und Hochaltar, doch die winterliche Kälte in dem Gotteshaus trieb sie wieder nach draußen. Bis sie an der Tür scheiterten. Anfangs dachten sich die vier Münchner noch nichts dabei. Sie klopften, um andere Leute auf sich aufmerksam zu machen – ohne Erfolg. Auch ihre Hilferufe verhallten zwischen den hohen Mauern. „Da ist es uns langsam mulmig geworden“, erzählt Butzke.

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Mutter musste aufs Klo

Und frostig obendrein. Weil seine Freundin ein Kind erwarte, wollte er sie nicht zu lange in der kalten Kirche ausharren lassen, erklärt der Münchner die Verzweiflung der Familie. Seine Mutter habe obendrein aufs Klo gemusst. „Der Weihwasserkessel war keine Option“, sagt Butzke und lacht.

Dazu war der Familie in der Kirche nicht zumute. Als nach ein paar Minuten des bangen Wartens immer noch keine Hilfe kam, wählte Butzke den Notruf. Die Dame am anderen Ende der Leitung habe dann Pfarrer Josef Spitzhirn verständigt, der wiederum seine Mesnerin bat, die Eingeschlossenen aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Tatsächlich habe sich die Tür dann mit dem Schlüssel problemlos öffnen lassen, erzählt Butzke verwundert.

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Pfarrer: Schlossaustausch nicht angebracht

Der Pfarrer ist nicht überrascht. „Das ist ein mittelalterliches Schloss“, sagt Spitzhirn. „Wenn man das nicht richtig bedient, schnackelt es ein.“ Einen Austausch hält er nicht für nötig. „So was sollte man schon erhalten.“

Auch wenn sich Butzke nicht an einen Bedienungsfehler erinnern kann: Einen Groll auf die Friedhofskirche hegt die Familie nicht. So habe sie die Mesnerin noch zu einer spontanen Führung zur Barockkrippe in der benachbarten Pfarrkirche St. Andreas eingeladen. „Eine schöne Entschädigung“, findet Butzke. Um sich von Schock und Kälte zu erholen und ihren Hunger zu stillen, kehrten die vier Ausflügler danach noch im Winklstüberl ein.

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Und vielleicht kommt die Familie ja eines Tages wieder in die Elbacher Kirche zurück, meint Butzke. „Wir suchen noch nach einem Ort für Taufe und Hochzeit.“ Damit nichts schiefgeht, sollten sie sich aber vorher besser einen Schlüssel organisieren – für alle Fälle.

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