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Mittendrin: Der renommierte Fischbachauer Tierfilmer Rolf Steinmann bei der Arbeit als Kameramann auf Ellesmere Island im kanadisch-arktischen Archipel. Die Polarwölfe dort wurden noch nie von Menschen gejagt und kamen dem Team neugierig ganz nah. Die Doku ist in drei Kategorien für den weltweit wichtigsten Fernsehpreis Emmy nominiert.

Nach Dreharbeiten in der Arktis

Fischbachauer Naturfilmer Rolf Steinmann ist im Rennen um einen „Emmy“

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Rolf Steinmann wird die 71. Emmys aufmerksam verfolgen: : Der Tierfilmer aus Fischbachau war als Kameramann für die Serie „Hostile Planet“ unterwegs, die in drei Kategorien nominiert ist.

Fischbachau – Die Nominierung für den Emmy bedeutet einen Ritterschlag für den Fischbachauer Rolf Steinmann: Es ist der wichtigste Fernsehpreis der Welt, das Pendant zu Oscar (Film) und Grammy (Musik). Zumal Naturfilme normalerweise nicht ganz oben auf der Vorschlagsliste stehen.

Den Tegernseer-Bergfilm-Festival-Besuchern von 2016 ist „In Between“ noch eindrucksvoll in Erinnerung. Steinmanns preisgekrönter Film über eine Herde Moschusochsen im Ewigen Eis. Für „Hostile Planet“ durfte er seine Lieblingstiere wieder begleiten und dabei an einem „Sehnsuchtsort für Naturfilmer“ drehen: Auf der Fosheim-Peninsula auf Ellesmere Island, die wegen ihrer ungewöhnlichen Dichte an Leben als arktische Oase gilt. „Sie ist legendär und allein dort sein zu dürfen war sehr privilegiert“, erzählt der 39-Jährige.

Emmy-Nominierung für Werk unter Beteiligung des Fischbachauer Naturfilmers Rolf Steinmann

Der Dreh stellte höchste Ansprüche an Mensch und Technik. Das Team konnte Sequenzen aufnehmen, „die zuvor noch nie gedreht wurden und die vielleicht auch nie mehr gedreht werden“, sagt Steinmann. Im Nachhinein sei es fast ein Wunder, was sie in den Kasten bekommen hätten, sinniert der Fischbachauer Steinmann und erzählt von 30 Tagen Dreharbeit bei minus 40 Grad und eisigen Winden, die wie Gewehrfeuer über das vierköpfige Team mit zwei Kameraleuten, einem Drohnenpiloten und einem arktiserfahrenen Biologen peitschten. Das bedeutet: regelmäßig komplett vereiste Socken unter den Expeditionsstiefeln und die allgegenwärtige Gewissheit, dass jeder noch so kleine Fehler existenziell sein kann.

Stationiert in einer kanadischen Wetterstation, „in der uns die Jungs von Anfang an klarmachten, dass sie keine Kindergärtner für uns sind“, hatte das von früheren Arbeiten in Arktis und Antarktis eingespielte Team einen hoch geschätzten Rückzugsort. Sie fühlten sich nach jedem Drehtag wie neu geboren, weil es dort etwas Warmes zu essen gab und sie sich nicht in ein Zelt verkriechen mussten, sondern sich in geheizten Räumen aus den gefrorenen Kleidern schälen konnten. Oder wenn nötig auch ihre Blessuren pflegen, wie der Kameramann-Kollege, der sich Erfrierungen am schmalen Schlitz zwischen Auge und Kragen zugezogen hatte. „Es ist ein einziger Kampf“, berichtet Steinmann und relativiert diesen gleich, da er ihn ja nicht zum Selbstzweck führe oder um sich zu beweisen, sondern um mit seiner Dokumentation die Menschen zu erreichen, ihnen die archaische Schönheit der Natur zu zeigen.

Emmy-Nominierung für „Hostile Planet“: Ritterschlag für Rolf Steinmann 

Auf Ellesmere Island folgten sie Polarwölfen mit dem Schneemobil durch die Wildnis. Hielten mit der Kamera fest, wie die niemals von Menschen gejagten Tiere neugierig ganz nah herankamen und wie sie sich über Tage einer Herde Moschusochsen näherten, sie beäugten, schwache, verletzliche Tiere ausspähten und im geeigneten Moment angriffen. Ein jahrtausendealtes Duell und eine sehr existenzielle Erfahrung. Das Team blieb auf Distanz. Beobachtete und filmte aus hundert Metern Entfernung, konnte aber auch mal mitten drin sein, wenn die Tiere schnell näher kamen.

So entstanden starke Bilder, die auch den Betrachter im gemütlichen Fernsehsessel die archaische Kraft spüren lassen. Ob sie die Jury überzeugen? Rolf Steinmann wird es in Amerika live am Bildschirm verfolgen. „Zur Verleihung gehen nur die ganz hohen Tiere“, sagt der Tierfilmer, der seit 2018 an einer Disney-Produktion über Eisbären arbeitet, die noch bis 2021 dauern wird. Gerade kommt er zurück von Spitzbergen, um sich nach Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt im bayerischen Spätsommer etwas aufzuwärmen.

„Hostile Planet“ ist bei den Emmy-Awards nominiert in den Kategorien „Outstanding Documentary Or Nonfiction Series“, „Outstanding Writing For A Nonfiction Program“ und „Outstanding Music Composition For A Documentary Series Or Special“. In der für Rolf Steinmann entscheidenden Kategorie „Outstanding Documentary“ sind weiterhin nominiert „American Masters“, „Chef’s Table“, „30 for 30“ und „Our Planet“. Ausgestrahlt wurde „Hostile Planet“ bereits im April.

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