Roland Klebe aus Fischbachau.
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Roland Klebe aus Fischbachau.

Interview

Epidemiologe Roland Klebe geht für „Ärzte ohne Grenzen“ in den Irak

  • Bettina Stuhlweißenburg
    vonBettina Stuhlweißenburg
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Fischbachau – Der Fischbachauer Roland Klebe (71) hat für Ärzte ohne Grenzen schon in vielen Ländern gearbeitet. Unter anderem in Pakistan nach der verheerenden Flut 2010 und in Haiti nach dem Erdbeben im gleichen Jahr. Sobald sein Visum da ist, geht der Mathematiker, der im Ruhestand noch ein Studium der Epidemiologe draufsattelte, in den Irak, wo er in Bagdad und Mossul im Einsatz ist.

Herr Klebe, warum zieht es Sie ins Ausland?

Es gibt viele Menschen, die Unterstützung brauchen, weil ihr Land kein gutes Gesundheitssystem hat. Es freut mich, dass ich helfen kann.

Was genau machen Sie?

In der Vergangenheit war ich als Projektkoordinator und als Logistiker für Ärzte ohne Grenzen tätig. Als Projektkoordinator habe ich ein Team von circa zehn internationalen und circa 100 nationalen Mitarbeitern geleitet. Unter anderem habe ich dafür gesorgt, dass wir nicht in Gefahrensituationen geraten und den Kontakt zu allen politischen und bewaffneten Gruppen gehalten. Als Logistiker habe ich zum Beispiel für sauberes Trinkwasser gesorgt. Jetzt, als Epidemiologe, mache ich etwas völlig anderes. Ich bin in ein Covid-19-Projekt und in ein Tuberkulose-Projekt eingebunden. Die Organisation unterstützt ein Krankenhaus mit Chirurgie, Geburtsstation und psychosozialer Behandlung. Es geht vor allem darum, die medizinischen Daten sauber zu erheben: Wann wurde der Patient von wem in welcher Abteilung des Krankenhauses untersucht und behandelt? Welche Vorerkrankungen hat er? Wie war der Krankheitsverlauf?

Sie haben 2018 – mit 68 Jahren – ein Studium der Epidemiologie an der LMU München begonnen und inzwischen abgeschlossen. Warum?

Auslöser waren vorangegangene Projekte. 2014 war ich an einem Ebola-Projekt in Guinea und Liberia beteiligt. Auch mit Cholera und der afrikanischen Schlafkrankheit war ich konfrontiert. Das hat mein Interesse an der Epidemiologie geweckt.

Welcher Einsatz hat Sie besonders beeindruckt?

Das war ein Einsatz 2018 in Bambari in der Zentralafrikanischen Republik. Unterschiedliche Ethnien kämpften gegeneinander, die Trennlinie ging mitten durch die Stadt – und das örtliche Krankenhaus. Eines Abends, wir hatten schon Ausgangssperre, wurden unser Chirurg und ein Anästhesist in das Krankenhaus gerufen, auf das es Wochen zuvor einen bewaffneten Überfall gegeben hatte. Ich habe den Kontakt zu verschiedenen Milizen gehalten und so dafür gesorgt, dass die Ärzte sicher zum Krankenhaus kamen und dort arbeiten konnten. Hinterher hat mir der Chirurg erzählt, dass sie erfolgreich eine Kaiserschnittgeburt und eine Bauchchirurgie durchführen konnten und so drei Menschenleben retteten. Das hat mich sehr gefreut.

Wo wohnen Sie im Irak?

In Bagdad gibt es ein Ärzte-ohne-Grenzen-Haus. Dort hat jeder ein eigenes Zimmer. Es gibt einen gemeinsamen Aufenthalts- und Essensraum. Wir werden bekocht, ähnlich wie im Hotel, nur nicht so komfortabel.

Was machen Sie nach Dienstschluss, fernab der Heimat?

Man liest, schaut einen Film oder unterhält sich mit anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wobei dieses Mal die Corona-Hygiene-Maßnahmen gelten werden. Auf den Basar oder Markt werde ich wohl aus Sicherheitsgründen nicht gehen können.

Das Land gilt als instabil. Haben Sie keine Angst?

Nein, ich habe einen gewissen Respekt. Ich vertraue aber auf das Sicherheitsmanagement von Ärzte ohne Grenzen. Die Häuser der Organisation sind in Krisenregionen meist umzäunt oder ummauert, und es gibt eine Eingangskontrolle. Die humanitäre Organisation ist unparteiisch und wird in der Regel als solche respektiert.

Wie oft wollen Sie noch solche Einsätze machen?

So lange ich gesund und munter bin.

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