Zukunft ungewiss: Bis Mitte des Jahres ist der Fortbestand des kleinen Edeka in Fischbachau gesichert. Wie es danach weitergeht, ist offen. Foto: Thomas Plettenberg
+
Zukunft ungewiss: Bis Mitte des Jahres ist der Fortbestand des kleinen Edeka in Fischbachau gesichert. Wie es danach weitergeht, ist offen.

Langfristige Perspektive fehlt

Ex-Dorfladen in Fischbachau bleibt geöffnet – vorerst

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
    schließen

Das ewige Auf und Ab um den Fischbachauer Dorfladen geht weiter. Aktuell steht der kleine Edeka-Markt wieder auf der Kippe. Eine Schließung wurde zwar abgewendet, doch eine langfristige Perspektive fehlt. Gemeinde und Betreiber sind sich einig: Retten können den Laden nur die Kunden.

Fischbachau – Sitzt der Gürtel eh schon eng, braucht es nicht viel, um einem endgültig die Luft abzuschnüren. Ein Bild, das auf den Fischbachauer Dorfladen seit seiner Eröffnung im Jahr 2011 zutrifft. Eine echte und dauerhafte Erfolgsphase erlebte der kleine Markt an der Birkensteinstraße nie, bestenfalls ein beständiges Auf und Ab. Kürzlich stand es wieder Spitz auf Knopf, berichtete Bürgermeister Johannes Lohwasser (FWG) nun im Gemeinderat. „Der Laden hätte fast dicht gemacht.“ In „engen Verhandlungen“ habe man aber den Weiterbetrieb – vorerst bis Mitte 2021 – sichern können.

Grund für die neuerliche Krise ist laut Gemeindegeschäftsleiter Johann Neundlinger ein Eigentümerwechsel des Hauses, indem sich der Laden befindet. Weil dadurch die Miete gestiegen sei, sei das Geschäft bei gleichbleibender Kundennachfrage nicht mehr wirtschaftlich zu führen. Kurt Friedlmeier, der den Markt mit rund 100 Quadratmetern Verkaufsfläche seit Anfang 2016 zusätzlich zu seinem großen Edeka in Aurach betreibt, bestätigt diese Einschätzung. „So wie es derzeit läuft, kann man langfristig nicht davon leben.“

Die Fischbachauer würden meist nur dann in den Laden gehen, wenn sie in den Großmärkten in der näheren Umgebung etwas vergessen hätten. „An einem Packerl Zigaretten oder einem Stück Butter ist eben nicht viel verdient“, macht Friedlmeier klar. Andererseits könne man angesichts der geringen Größe des Marktes kein volles Sortiment anbieten. Eine Zwickmühle, aus der man nie herauskommen werde.

Friedlmeier macht deutlich, dass es ihm im früheren Dorfladen nie ums große Geschäft gegangen sei. „Meine Frau und ich machen das, weil wir etwas für die Ortsgemeinschaft tun wollen.“ Auch jetzt werde man die Fischbachauer nicht hängen lassen, betont Friedlmeier. Ein dauerhaftes Draufzahlgeschäft könne er sich aber nicht leisten.

Die vergleichsweise geringe Resonanz der Fischbachauer ist seit jeher das Hauptproblem des Ladens. Im Gemeinderat erinnerte Lothar Prack (Neue Liste) an die schwierige Anfangsphase, in der auch der Gewerbeverband als Unterstützer des Projekts viel Geld und Arbeit investiert habe. „Leider ist es aber nie so angenommen worden wie erhofft“, erinnerte sich Prack. Als Alternative schlug er vor, einen neuen Versuch in einem der gerade im Bau befindlichen Häuser der Inntal Immobilien in der Nähe des Klosters zu starten. Seines Wissens sei hier für die ausgewiesene Gewerbefläche eine Bäckerei mit Bistro im Gespräch. Lohwasser erklärte, die Gemeinde sei bereits mit dem Investor im Gespräch und dieser habe versichert, die Sache „ernsthaft zu prüfen“.

So einfach sterben lassen könne man den kleinen Edeka-Markt aber auch nicht, fand Andreas Estner (FWG). „Wie sollen sich dann die älteren Leute in Fischbachau selbst versorgen können?“, fragte Estner. Bauamtsleiter Werner Wagner gab zu bedenken, dass die Not vielleicht doch nicht ganz so groß sei wie vermutet. Als der Dorfladen in der Vergangenheit schon mal längere Zeit geschlossen war, habe die Gemeinde einen Einkaufs-Shuttle-Service angeboten. „Da haben sich aber gerade mal zwei Leute dafür angemeldet“, berichtete Wagner.

Auch Friedlmeier vermutet, dass das soziale Netz in Fischbachau noch intakt sei und viele ältere Menschen von ihren Familien beim Einkaufen unterstützt werden. „Das ist ja eigentlich sehr erfreulich“, findet der Edeka-Betreiber. Auch, wenn es dem Dorfladen-Konzept eher zuwiderläuft, meint Friedlmeier: „Wenn ich mal in dem Alter bin, wäre ich auch froh, wenn mich meine Familie unterstützt.“

sg

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare