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Wird vorerst nicht bebaut: die Fläche zwischen Fischeralmstraße und Auracher Straße im Fischbachauer Ortsteil Hammer. Der Großteil liegt aktuell ohnehin noch im Überschwemmungsgebiet.

„Riesen-Chance“ vertan

Fischbachau: Aussicht auf günstiges Bauland zieht nicht

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Bis zu 15 Baugrundstücke zum Einheimischenpreis: Diese Option hätte Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner seiner Gemeinde gern gesichert. Doch der Gemeinderat machte nicht mit.

Fischbachau – Die Spitze des Eisbergs wirkte auf den ersten Blick nicht sonderlich attraktiv: eine Einbeziehungssatzung für ein einzelnes Bauvorhaben auf einem Grundstücksteil im Eck zwischen Auracher und Fischeralmstraße hatte dessen Eigentümer im Fischbachauer Rathaus beantragt. Ein Vorhaben, das im Normalfall wohl wenig Erfolgsausschichten gehabt hätte – nicht zuletzt, weil es nur um Haaresbreite außerhalb des Überschwemmungsgebiets der Aurach liegen würde. Doch unter der Wasseroberfläche warte ein dicker Fisch, wie Bürgermeister Josef Lechner (CSU) nun im Gemeinderat erklärte: die Chance auf zehn bis 15 Baugrundstücke im Einheimischenmodell bei gleichzeitigem Erhalt von Retentions- und Ausgleichsflächen für Hochwasser- und Naturschutz.

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Fischbachau: Aussicht auf günstiges Bauland zieht nicht

Jahrelang habe er mit den Eigentümern der insgesamt 12 000 Quadratmeter großen Fläche verhandelt, berichtete Lechner. Jetzt habe man sich auf ein Vorgehen verständigt. Und das sieht so aus: Die Gemeinde sichert sich eine Kaufoption und schließt einen städtebaulichen Vertrag für das Grundstück. Ist der Hochwasserschutz an der Aurach realisiert – laut Lechner könnte dies 2022 der Fall sein – schlägt Fischbachau zu und weist besagtes Einheimischenmodell aus. Einzige Bedingung für den potenziellen Verkäufer: ein Baurecht für den äußersten Zipfel, der bereits jetzt vom Hochwasser nicht betroffenen wäre. „Das ist die Verhandlungsmasse“, erklärte Lechner. Im Umkehrschluss sei das allerdings auch die Chance, den für einen vor allem für Schulkinder dringend benötigten Fußgängerüberweg benötigten Gehweg an der Auracher Straße zu bekommen.

An der Aussicht auf günstiges Bauland für Fischbachauer Bürger störte sich im Gemeinderat erwartungsgemäß niemand. „Es ist ein langer Weg, aber wir sollten ihn für unsere jungen Bürger angehen“, sagte Willi Rothemund (FWG). Als „Geben und Nehmen auf lange Sicht“ bezeichnete Martin Bacher (FWG) die Strategie. Wohnraum werde weiter gebraucht in Fischbachau: „Die Wolfseegrundstücke sind in zwei Jahren weg.“

Für ein ungutes Gefühl bei einigen Ratsmitgliedern sorgte hingegen der zeitliche Ablauf. Er halte es für sinnvoller, so Josef Obermaier (CSU), auch die Einzelparzelle erst nach Fertigstellung des Hochwasserschutzes ausweisen. „Das passt nicht in unseren Fahrplan“, fand auch Hans Seemüller (FWG). Und Andreas Estner (FWG) erachtete die Fläche als „zu groß, um jetzt darüber zu entscheiden“. Das Fehlen von wichtigen Hintergrundinformationen bemängelte Bernhard Kafl (FWG).

Tatsächlich hatte Lechner angekündigt, diese im Nachgang in der nichtöffentlichen Sitzung auf den Tisch zu legen. Jeder Gemeinderat habe die Infos eine Woche vor der Sitzung erhalten, erwiderte der Bürgermeister. Um aber ein Scheitern des Projekts zu verhindern, ließ er das Gremium über eine Vertagung der vorgezogenen Entscheidung abstimmen. Der Antrag fand aber mit 10:10-Stimmen knapp keine Mehrheit.

Damit war auch das Schicksal des Aufstellungsbeschlusses und damit der Chance auf ein Einheimischenmodell besiegelt. Nur drei Gemeinderäte sprachen sich dafür aus. Der Rathauschef machte aus seiner Enttäuschung kein Geheimnis. „Es tut mir sehr leid“, sagte er. Hier hätte man die Möglichkeit gehabt, für Einheimische Quadratmeterpreise von 200 bis 250 Euro und damit weit unter den Bodenrichtwerten von 450 bis 500 Euro zu ermöglichen. Und das in fußläufiger Entfernung von Einkaufsmöglichkeiten und Bahnhof.

„Da hätten wir heute die Pflöcke einschlagen können“, bedauerte Lechner. Zumal auch das Landratsamt mit Blick auf ein städtebauliches Konzept den Weg mitgegangen wäre. Einziges „Risiko“ wäre besagtes Einzelbauvorhaben gewesen. Diese „Riesen-Chance“ sei nun vertan, meint Lechner auf Nachfrage unserer Zeitung. „Schade. Hier hätten wir vieles in der Hand gehabt.“

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