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Schlagkräftige Truppe: Die First Responder der Bergwacht Leitzachtal mit ihrem ersten Einsatzfahrzeug. 

Ihr Jubiläum wollen sie aber nachfeiern

Ausgerechnet zum 20-jährigen Bestehen: Coronavirus schickt Ersthelfer in Zwangspause

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Wegen des Coronavirus dürfen die Ersthelfer Bayrischzell-Fischbachau zurzeit nicht ausrücken. Wenn alles wieder normal läuft, wollen sie aber zwei Ereignisse feiern.

Fischbachau/Bayrischzell – Just im 20. Jahr ihres Bestehens dürfen die Ersthelfer der Bergwacht Leitzachtal nicht mehr ausrücken. Wegen des Coronavirus wurde ihnen eine Zwangspause verordnet, berichtet Bergwacht-Bereitschaftsleiter Kilian Wuttig.

„Unsere First Responder haben keine Schutzkleidung“, erklärt Wuttig. Da man aber nicht ausschließen könne, dass eine zu rettende Person infiziert sei, wäre das Risiko einer Ansteckung der derzeit zwischen zehn und 14 Ersthelfer – allesamt ausgebildete Bergwachtler – zu hoch. „Wir üben uns in Zurückhaltung“, sagt auch die Vorsitzende des Fördervereins „Ersthelfer vor Ort Bayrischzell-Fischbachau“, Ute Waller. Man könne ja auch nicht ausschließen, dass die Retter selbst das Virus in sich tragen und es an ihre Patienten weitertragen.

Keine leichte Zeit also für die Retter, die seit 20 Jahren bei Notfällen im Leitzachtal im Einsatz sind. Aus den Reihen der Bergwacht gründete sich die Gruppe einst, um dem Landrettungsdienst ein Vorauskommando zur Seite zu stellen. Damals gab es noch keine Rettungswache in Aurach, die Anfahrtswege waren oft lang. Um die oft über Leben und Tod entscheidende Zeit bis zum Eintreffen der Hilfe zu verkürzen, schickte die Leitstelle oft die Bergwacht zur Erstversorgung. Heute sind die Helfer vor allem nachts gefragt, weil die Rettungswache in Aurach nicht rund um die Uhr besetzt ist.

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Auszeiten für die Ersthelfer gibt es – mit Ausnahme der aktuellen Beschränkungen – hingegen nicht. Sie stehen immer bereit: in der Nacht, an Wochenenden und Feiertagen. Rund 100 Mal rücken sie jedes Jahr aus. Dabei decken sie ein großes Gebiet ab: von Hundham bis zum Sudelfeld oder Spitzingsee.

Finanziert werden die First Responder ausschließlich über Spenden, die der Förderverein sammelt. Die Beiträge der rund 100 Mitglieder reichen zwar, um den laufenden Betrieb abzudecken, für Neuanschaffungen sind die First Responder auf zusätzliche Unterstützung angewiesen. Was den Ersatz für das 2009 in den Dienst gestellte und mittlerweile nicht mehr wirtschaftlich reparierbare Einsatzfahrzeug anbelangt, haben die Ersthelfer die Summe von rund 45 000 Euro inklusive Ausbau mit Blaulicht, Funk, Heiz- und Elektroanlage so gut wie beisammen, berichtet Waller. Ein Teilbetrag stammt aus der Aktion „Leser helfen Lesern“ der Heimatzeitung (wir berichteten).

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Wann das neue Fahrzeug geliefert wird und einsatzbereit ist, kann Waller noch nicht sagen. Auch nicht, wann die First Responder ihr 20-jähriges Jubiläum feiern können. Fest steht für die Fördervereinsvorsitzende aber, dass beide Anlässe zu einem großen Fest verbunden werden sollen. Auch, um sich bei den vielen Spendern zu bedanken. Einen Termin könne man wegen des Coronavirus noch nicht nennen.

Genauso wenig wissen die First Responder, wann sie den Dienst wieder aufnehmen dürfen. Zumindest seien wegen der Ausgangsbeschränkung auch die Einsatzzahlen rückläufig, berichtet Waller. So seien beispielsweise kaum mehr Motorradfahrer auf der Sudelfeldstraße unterwegs. Zu den Einsätzen rücke bis auf Weiteres allein der Rettungsdienst aus. „Wir“, sagt Waller, „dürfen zurzeit leider nur zuschauen.“

sg

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