Vor- und Nachteile: Das geplante Dorfentwicklungskonzept in Fischbachau – im Bild Lehenpoint – soll klare Kriterien für Bauanträge im Außenbereich schaffen und die Gestaltung des Orts sichern. Bis es fertig ist, bremst es einige Bauwerber aber aus.
+
Vor- und Nachteile: Das geplante Dorfentwicklungskonzept in Fischbachau – im Bild Lehenpoint – soll klare Kriterien für Bauanträge im Außenbereich schaffen und die Gestaltung des Orts sichern. Bis es fertig ist, bremst es einige Bauwerber aber aus.

Fischbachau: Dorfentwicklung erzwingt Antragspause

  • Christian Masengarb
    VonChristian Masengarb
    schließen

Fischbachauer Bauwerber im Außenbereich haben bis zur Fertigstellung des Dorfentwicklungskonzepts schlechte Karten: Ihre Anträge wird der Gemeinderat erst bearbeiten, wenn das Konzept steht. Das dürfte wohl noch ein Jahr dauern.

Fischbachau – Die Geschichte eines Fischbachauer Familienvaters zeigt, was viele Bauinteressenten in Fischbachau in den nächsten Monaten erwartet: Der Vater beantragte jüngst im Gemeinderat auf einem noch grünen Grundstück einen Neubau für seine Kinder. Obwohl Bürgermeister Johannes Lohwasser (FWG) das Vorhaben „nicht als unmöglich ausschließen“ wollte, riet er den Gemeinderäten vorerst von der Zustimmung ab. Die Mehrheit folgte ihm. Der Antrag wurde zurückgestellt – wohl auf Monate.

Lesen Sie auch: Grundschule Elbach: 75 bis 150 Euro für Nachmittagsbetreuung

Fischbachau: Dorfentwicklung erzwingt Antragspause

Der Grund: Das betreffende Grundstück liegt im Außenbereich. In Durham, nördlich der Straße Richtung Elbach, wollte der Vater auf einer Wiese ein oder zwei Häuser bauen. „Ich hab drei Buam“, begründete er aus dem Publikum. Bezahlbarer Wohnraum sei rar.

Lohwasser verstand das Interesse. „Der Antrag wird nicht abgelehnt, nur zurückgestellt“, betonte er. Bevor der Gemeinderat im Außenbereich wieder Baurecht schafft, wolle dieser in einem Dorfentwicklungskonzept festlegen, an welchen Stellen er sich eine Entwicklung vorstellen kann und an welchen nicht – das hatte er auf eine Klausurtagung beschlossen (wir berichteten).

Nun wurde klarer, was das für Bauinteressenten bedeutet: Anträge auf Bebauung von derzeit nicht bebaubaren Grundstücken haben in Fischbachau vorerst kaum Chancen. Das dies, wie im Beispiel des Familienvaters, einige Bauvorhaben verzögert, ließe sich nicht wegreden, sagte Lohwasser.

Für den Bürgermeister überwiegen aber die Vorteile des Vorgehens die Nachteile. Fischbachau brauche eine vorübergehende Verlangsamung der Anträge, um die Ortsentwicklung sinnvoll auf den Weg zu bringen. „Damit man nicht das Gefühl hat, die Entwicklung läuft aus dem Ruder.“

Mehr aus Fischbachau: Wegen Vollsperrung der B307 in Schliersee: Der Stau erreicht das Leitzachtal

Verwaltung: Vorteile überwiegen Nachteile

Geschäftsleiter Johann Neundlinger bezeichnete das Vorgehen auf Nachfrage als das „aus baurechtlicher Sicht Sinnvollste, was es gibt.“ Beziehe sich ein Antrag im Außenbereich künftig auf Flächen, die nach dem Konzept entwickelt werden sollen, werde er genehmigt, sonst nicht. Der Name des Antragsstellers spiele keine Rolle, nur die Dorfentwicklung.

Auch die Mehrheit der Gemeinderäte befürwortete das Vorgehen. „Großflächig Gedanken machen, bevor wir Einzelfälle entscheiden“, wollte Korbinian Kohler (Grüne). „Ich kann dich nur voll unterstützen“, sagte Georg Gruber (FaB) Richtung Lohwasser. Simon Irger (FWG) schlug vor, in Ortsterminen auszuloten, wo Wohnraum für Einheimische geschaffen werden kann und wo nicht.

Kritisch äußerte sich Andreas Gschwendtner (CSU): „Ich bin skeptisch, ob eine Planung am grünen Tisch in die richtige Richtung läuft.“ Er forderet schnelle Lösungen für die jetzigen Antragssteller: Neben dem Familienvater vertagte der Gemeinderat zwei weitere Anträge.

Wichtig ist derweil: Wie Neundlinger betont, gilt die Antragspause nicht für Anträge im Innenbereich. Nur wer im Außenbereich Baurecht schaffen will, müsse sich gedulden, bis das Entwicklungskonzept fertig ist.

Das soll nächstes Jahr sein. Spätestens auf seiner übernächsten Sitzung, sagte Lohwasser, werde der Gemeinderat einen externen Betreuer bestellen, der die Entwicklung begleitet.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare