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Fischbachau: Mangels Angeboten nimmt die Gemeinde den Breitbandausbau jetzt selbst in die Hand.

„Trump schlägt bis Fischbachau durch.“

Fischbachau: Gemeinde nimmt Breitbandausbau selbst in die Hand

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Der Telekom war der Breitbandausbau in Fischbachau zu unwirtschaftlich. Also schreitet die Gemeinde jetzt eigenhändig zur Tat: Sie lässt die Rohre selbst verlegen.

Fischbachau – Einen echten Ansturm auf die kommunalen Aufträge hat es beim Breitbandausbau ohnehin nie gegeben. Meist war die Telekom der einzige Anbieter, wenn eine Stadt oder eine Gemeinde Projekte im Förderverfahren fürs schnelle Internet ausgeschrieben hatte. Die Gemeinde Fischbachau erlebte nun sogar den Extremfall. 68 Anwesen, vor allem am Auerberg, hatte sie in das Höfebonusprogramm gepackt. Das Problem: „Wir haben kein einziges Angebot erhalten“, berichtete Bürgermeister Josef Lechner (CSU) nun im Gemeinderat. Selbst die vermeintlich sichere Bank namens Telekom hatte sich vornehm zurückgehalten. Aus wirtschaftlichen Gründen, wie der Rathauschef beim Unternehmen erfragt hat.

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Fischbachau: Gemeinde nimmt Breitbandausbau selbst in die Hand

Sollte das den Todesstoß für das Hochgeschwindigkeitssurfen am Auerberg bedeuten? Das wollte Lechner so nicht hinnehmen. Also erkundigte er sich beim Bayerischen Finanzministerium nach einer Alternativstrategie. Sein Vorschlag: Die Gemeinde organisiert das Verlegen der Leerrohre für die Glasfasern selbst und verkauft das fertige Leitungsnetz dann an einen Betreiber wie eben die Telekom. Der Vorteil aus Lechners Sicht: Die Gemeinden kennen die örtlichen Gegebenheiten, haben Kontakt zu ansässigen Tiefbaufirmen und müssen damit – anders als die Telekom – wegen rundum voller Auftragsbücher nicht auf ausländische Subunternehmer zurückgreifen.

Auch die Nähe zu den Grundeigentümern im Ausbaugebiet könnte sich als positiv erweisen, ist Lechner überzeugt. So könne man sich das Einverständnis holen, die Leerrohre einfach quer durchs Feld zu pflügen, anstatt sie aufwendig und teuer entlang des Straßenverlaufs zu verlegen. Der Rathauschef geht davon aus, dass die Bereitschaft der Bürger durchaus vorhanden ist. „Sie sind ja selbst am schnellen Internet interessiert.“

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Bei Finanzminister Albert Füracker habe er damit offene Türen eingerannt, berichtete Lechner. Tatsächlich habe es bereits ein erfolgreiches Pilotprojekt in Halsbach (Kreis Altötting) gegeben. Der Ort sei wie Fischbachau eine Flächengemeinde und habe die Kosten für den Ausbau durch das eigene Zutun um etwas weniger als die Hälfte reduzieren können. Um nicht gegen die Förderrichtlinie der EU zu verstoßen, müsse die Gemeinde allerdings vorher einen Vertrag für den späteren Kauf des Leitungsnetzes abschließen und dabei die Kosten vorschießen. Für Lechner eine gute Lösung. „Damit helfen wir sämtlichen Flächengemeinden in Bayern“, ist der Bürgermeister überzeugt. „Und erfüllen so den eigentlichen Sinn des Höfebonus.“

Warum es mit dem Breitbandausbau generell recht schleppend vorangeht, liegt laut Lechner nicht nur an der Telekom. So hat er erfahren, dass durch das Handelsembargo der USA für Produkte des chinesischen Telekommunikationskonzerns Huawei dringend nötige Bauteile knapp sind. „Trump schlägt also sogar bis Fischbachau durch.“

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