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Imkerin Anna Eirainer (22)will in Elbach einen Bienen-Lehrpfad errichten.

Neues Projekt im Gemeinderat Fischbachau vorgestellt

Spannendes Bienenleben: Imkerin will einen Lehrpfad errichten. Aber das wird teuer.

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30 Stationen auf drei Kilometern, dazu Erklärungen übers Smartphone: Der Bienen-Lehrpfad, den Brigitte Abels-Zell in Fischbachau plant, ist weithin einmalig. Und wohl auch einmalig teuer.

Fischbachau – Ein komplexer Staat lässt sich nicht mit wenigen Worten erklären. Vor allem nicht, wenn er von Abertausenden kleinen Arbeitern bevölkert wird, deren Lebensweise allein schon ganze Bücher füllen könnte. Die Rede ist von der faszinierenden Welt der Bienen. Damit diese nicht nur Imkern vorbehalten bleibt, soll im Fischbachauer Ortsteil Elbach einen – laut Initiatorin Brigitte Abels-Zell bislang deutschlandweit einmaliger – Lehrpfad entstehen. Ganze 30 Stationen sollen den rund drei Kilometer langen Rundweg vom Elbacher Dorfanger bis zur Imkerei Eirainer und zurück säumen. Kostenpunkt: satte 96 000 Euro.

Die Planung für den Lehrpfad: Tafeln, Memos, Frageklappen, Video und App

Fleißig wie eine Biene war Abels-Zell in den vergangenen Monaten. So stellte sie den Fischbachauer Gemeinderäten in der jüngsten Sitzung ein detailliert ausgearbeitetes Konzept vor. Mit elf Lehrtafeln, zwei Memos, sechs Frageklappen, einer Dreh-Tafel und zehn Baumschildern soll der Bienenpfad in Elbach vor allem eines sein: informativ. „Der Fokus liegt nicht auf dem Erlebnis, sondern auf dem Lehraspekt“, erklärte Abels-Zell. Damit sich auf dem Weg zwischen den Stationen niemand verläuft, will die Initiatorin auch 14 Hinweisschilder oder Bodenmarkierungen anbringen lassen. Ein Insektenhotel an der Grundschule und ein Schaukasten am alten Schulhaus in Elbach sollen den Pfad zusätzlich bereichern. Damit nicht nur Menschen, sondern auch tatsächlich Bienen vom Lehrpfad profitieren, will Abels-Zell auf dem Dorfanger eine rund 650 Quadratmeter große Blühwiese anlegen.

Projekt soll barrierefrei werden - und sehr lehrreich

Das Alleinstellungsmerkmal des Projekts soll aber die Barrierefreiheit werden. In Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund hat Abels-Zell ein System entwickelt, um den Lehrpfad auch ohne Augenlicht erlebbar zu machen. Wer sein Smartphone an die dreidimensionalen und damit ertastbaren QR-Codes an den Tafeln hält, kann sich deren Iinhalt vorlesen lassen – auf Deutsch, Englisch und Bairsch. Ein echter Vorteil auch für alle anderen Besucher, denen das Lesen zu anstrengend ist. Textlastig sind die Stationen nämlich schon. Ganz bewusst, wie die Initiatorin betonte. „Sonst würden wir das Thema ohne Tiefgang durchhecheln.“

Diese Fülle an Information hat aber auch ihren Preis. 96 000 Euro hat Abels-Zell für den Lehrpfad veranschlagt – inklusive eines Kurzfilms für 16 000 Euro und einer Handy-App für 9500 Euro. Die Tafeln selbst sollen 24 000 Euro kosten. Das Aufstellen (16 000 Euro) könne der Bauhof übernehmen, stellte Bürgermeister Josef Lechner (CSU) in Aussicht. Dennoch empfahl er, vorerst die vollen Kosten anzusetzen. Weil das Projekt für das Leader-Programm angemeldet werden soll, stehe ein Zuschuss von 50 Prozent im Raum. Vorerst müsse der Gemeinderat aber ohnehin nur über einen Werkvertrag mit Abels-Zell in Höhe von 5850 Euro entscheiden. Dank der Alpenmodellregion sei hier sogar ein Fördersatz von 75 Prozent drin.

Gemeinderat Fischbachau teils skeptisch: die Kosten

Manchen Gemeinderäten war der Bienen-Höhenflug dennoch suspekt. 30 Stationen in einem so kleinen Ort seien eine „Katastrophe“, fand Thomas Kantenseder (FaB). Zumal es bereits andere Themenpfade in der Gemeinde gebe, um die sich dann schnell niemand mehr gekümmert habe. Bernhard Padeller (FaB) störte sich mehr an der Blühwiese. „Das schaut mitten im Zentrum ungepflegt aus.“ Noch dazu neben dem alten Lehrerhaus, das kürzlich einen Staatspreis erhalten habe.

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Eine Blühwiese sei kein Gestrüpp und werde auch mal gemäht, entgegnete Josef Obermaier (CSU). Lechner sah in dem Lehrpfad viel mehr als nur ein Geschenk an die Bienen. Durch die Einbindung der Schule erreiche man auch einen pädagogischen Effekt und ein schönes Angebot für den naturnahen Tourismus gewinne man damit obendrein. Als Nebeneffekt unterstütze man zudem die angehende Imkermeisterin Anna Eirainer (22), das Handwerk ihrer Vorfahren in fünfter Generation fortzuführen. Quasi als Dankeschön habe sich Eirainer bereit erklärt, Gruppen über den Lehrpfad zu führen.

Letztlich doch Zustimmung erste Schritte zum Lehrbienen-Pfad in Fischbachau

Gegen vier Stimmen segnete der Gemeinderat den Werkvertrag letztlich ab. Über die einzelnen Kosten der „stolzen Gesamtsumme“ könne man später noch mal reden, betonte Lechner. Er stellte aber auch klar, dass man die Einzigartigkeit des Projekts nicht zusammenstreichen dürfe. „Ein Schmalspurlehrpfad hat keinen Sinn.“

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