Technik aufgerüstet: In Bürgermeister-Büro hat Johannes Lohwasser kaum etwas verändert. Er klickt sich aber jetzt an mehr Bildschirmen und mit besserer Technik durch Tabellen und Verordnungen.
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Technik aufgerüstet: In Bürgermeister-Büro hat Johannes Lohwasser kaum etwas verändert. Er klickt sich aber jetzt an mehr Bildschirmen und mit besserer Technik durch Tabellen und Verordnungen.

ERSTES JAHR IM NEUEN AMT

Johannes Lohwasser im Interview: „Ich bin mir treu geblieben“

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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Johannes Lohwasser spricht in unserer Interview-Serie über sein erstes Jahr im Amt und erzählt von schönen Terminen, Überraschungen und die Corona-Pandemie.

Fischbachau – Sitzungen mit Abstand oder nur online, so gut wie keine persönlichen Begegnungen mit Bürgern, Projekte in der Warteschleife: Die Amtsgeschäfte der Rathauschefs im Landkreis haben sich seit Ausbruch des Coronavirus stark verändert. Die sieben Neueinsteiger sind seit ihrem Dienstantritt im Mai 2020 sogar nie wirklich aus dem Krisenmodus herausgekommen. Zeit für eine Zwischenbilanz – heute mit dem Bürgermeister von Fischbachau, Johannes Lohwasser (31, FWG).

Herr Lohwasser, was war Ihr schönster Termin in diesem ungewöhnlichen ersten Jahr als Bürgermeister?

Die Antwort ist nicht ganz einfach. Aber ich würde sagen, das waren die Abschlussfeiern an den Schulen. Ich war in Schliersee, Fischbachau und Elbach. Den Schülern etwas mit auf den Weg geben zu dürfen, war auch für mich neu. Gleichzeitig war es eine meiner ersten offiziellen Ansprachen. Wegen Corona fallen ja viele andere aus. In der offenen, ehrlichen Atmosphäre dann die Rückmeldung zu bekommen, dass es den Schülern gefallen hat, war etwas Besonderes.

Was hat Sie in Ihrer bisherigen Amtszeit am meisten überrascht?

Der rege Zulauf und Zuspruch in der Bürgersprechstunde. Es war immer was los und es kamen verschiedene Themen zur Sprache. Der Austausch mit den Bürgern funktioniert also. Sie scheuen den Weg nicht. Das ist auch für mich sehr hilfreich, denn die Sprechstunde ist wegen der ausfallenden Veranstaltungen mein einziger Zugang zu direkten Rückmeldungen. Sie hilft sehr, dass wir im Rathaus alleine vor uns hinwerkeln.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie sich eingelebt hatten?

Da gibt es keinen konkreten Zeitpunkt. Ich hatte mich vor dem Amtsantritt gut eingearbeitet, mein Amtsvorgänger Josef Lechner hast mir sehr geholfen. In den Abläufen war ich also schnell drin. Trotzdem gibt es immer wieder Neues, auf das ich mich einstellen muss. Das ist das Schöne an der Aufgabe als Bürgermeister: Sie bleibt immer interessant, langweilig wird es nie.

Wie viel Prozent Ihrer Arbeitszeit dreht sich um die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen?

Es ist schwer in Anteilen auszudrücken, aber es schwingt immer mit. Was können wir machen, was nicht? Es geht um Hygienevorschriften, die Finanzlage der Gemeinde und die Möglichkeiten, Projekte umzusetzen. Das müssen wir im Rathaus ständig mitdenken.

Welches Einzelprojekt haben Sie am meisten vorangebracht?

Ich schaue eher auf das Gesamte. Die Brückenneubauten, der Wolfsee, das Feuerwehrhaus: Das haben wir alles an den Punkt gebracht, an dem wir es umsetzen können. Aber das ist alles wichtig. Es gibt kein besonderes einzelnes Projekt.

Der Gemeinderat hat sich mit ihrem Amtsantritt stark verändert. Nach langer CSU-Regentschaft gibt es nun einen FWG-Bürgermeister, die Grünen sind neu im Gremium. Klappt die Zusammenarbeit?

Die Gemeinderat-Zusammensetzung ist komplett anders, das stimmt. Aber wir haben uns nun ein Jahr kennengelernt. Man lässt sich aufeinander ein und weiß, woran man ist. Wir haben ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Diskussion und Entscheidung gefunden. Das ist mir wichtig: Viele zu Wort kommen lassen und ein möglichst vielfältiges Bild machen; dann einen guten Konsens finden. Das heißt auch, mal Beschlüsse zu treffen, die von der Vorlage der Verwaltung abweichen. Ich könnte es gar nicht anders, als es läuft. Ich denke, da bin ich mir treu geblieben.

Das Gespräch führte Christian Masengarb.

Zu dieser Serie

Ein Jahr sind die sieben neugewählten Bürgermeister und der Landrat im Landkreis Miesbach nun im Amt. In unserer Interviewserie berichten sie, wie sie ihren Start während der Corona-Krise erlebt haben.

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