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Aufbruch in einen neuen Lebensabschnitt: Die Viertklässler erhielten zum Abschied selbst gebastelte Doktorhüte. Einen bekam auch ihr scheidender Schulleiter Willi Nußbaumer mit der Aufschrift „Rente 2018“. 

Mitten unter seinen Schüler

Wie die Elbacher Grundschüler ihren Direktor „Nussi“ verabschiedeten, rührte alle

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Ein emotionaler Abschied: Weil Rektor Nußbaumer in Rente geht, hatten sich seine Schüler und Lehrer viele Überraschungen einfallen lassen. Dabei floss auch die eine oder andere Träne.

Fischbachau – Gegen Abschiedsschmerz hilft Humor – das dachte sich auch Willi Nußbaumer bei seiner Verabschiedung als Rektor der Elbacher Grundschule. „Heute habe ich zum letzten Mal die Ehre, Euch Viertklässler rauszuwerfen, bevor ich selbst rausgeworfen werde“, scherzte der Bald-Rentner gleich zu Beginn der Veranstaltung, in der wegen eines doppelten Abschieds immer ein wenig Wehmut mitschwang: Die Viertklässler der Elbacher Grundschule gehen auf die weiterführenden Schulen, Nußbaumer verabschiedet sich in den Ruhestand. In der Turnhalle der Grundschule wurden beide Abschiede mit einem einfallsreichen Programm gewürdigt, das nicht wenige Zuschauer zu einer Träne rührte.

Für Nußbaumer begann sein großer Tag mit einem mulmigen Gefühl. Der Rektor steht nicht gerne im Mittelpunkt, auch Reden hält er eher widerwillig. Außerdem geht ihm der Abschied nahe – auch wenn er schon Urlaubspläne für den Ruhestand schmiedet, wie er augenzwinkernd zugibt. „Ich bin gespannt, was vorher noch auf mich zukommt.“

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Das war einiges. Wenig später saß Nußbaumer inmitten der ausscheidenden Schüler auf einem gebastelten Thron und trug eine Doktormütze mit der Aufschrift „Rente 2018“. Die Schüler überreichten dem Schulleiter eine Wenn-Box mit allerlei witzigen Ratschlägen, die ihm den Ruhestand erleichtern sollten. „Wenn es mal nicht so prickelnd läuft“, hieß es auf einer Karte. Darunter klebte eine Ahoi-Brause. Auch ein selbst geschriebenes Gedicht trugen sie dem Rektor vor, und drei Lieder mit guten Wünschen. Da merkte man dem 65-Jährigen die Rührung an.

Selbst die Lehrer hatten zum Abschied eine Gesangseinlage vorbereitet. Als Bienen verkleidet, sangen sie eine abgewandelte Version des Biene Maja-Lieds. „Unser Lieblingsrektor, der heißt Willi“, hieß es da. „Wir vermissen dich schon jetzt.“

„Mit Deinem Abschied geht eine Ära zu Ende“, meinte auch Josef Lechner. Der Fischbachauer Bürgermeister bescheinigte Nußbaumer, dass er die Schule in einem erstklassigen Zustand übergebe und immer ein vernünftiger Partner für die Gemeinde gewesen sei. Vor allem sei es ihm gelungen, die Schule mit Menschlichkeit zu führen und so ein Klima zu schaffen, in dem sich alle wohlfühlten. Das bekräftigte auch Konrektorin Angela Thürwinkl. Selbst wenn Nußbaumer als Schulleiter schon viel zu tun hatte, hätte er lieber selbst Unterricht übernommen, als seine Lehrer zu überlasten, erzählte sie.

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Auf dieses Lob war Nußbaumer stolz. „Genau das wollte ich erreichen“, sagte er. Erziehung funktioniere am besten in einer vertrauensvollen, menschlichen Umgebung. Diese sei aber nicht allein sein Verdienst, die Lehrer und Verwaltungsangestellte Angelika Strein hätten einen großen Anteil.

Nußbaumer bemühte sich, die ungeliebte Aufmerksamkeit sinnvoll zu nutzen. In seiner Abschiedsrede bedankte sich der 65-Jährige bei seiner Familie und den Eltern der Schüler, aber auch bei den Reinigungskräften und dem Schulbus-Unternehmen. Die Botschaft war klar: Wir waren eine Gemeinschaft, alleine hätte ich das alles nicht geschafft.

Auch für die Viertklässler fand Nußbaumer warme Worte: „Ihr seid alle okay, ich bin mir sicher, dass Ihr Euren Weg geht.“ Die scheidenden Schüler erhielten von ihren Patenkindern aus der ersten Klasse bemalte Hufeisen zum Abschied.

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Nußbaumer war als Schüler selbst „eher ein Revoluzzer“, wie er zugab. Eigentlich wollte er deshalb kein Lehrer werden. Nach Abitur und Wehrdienst habe ihm ein Arzt aber vom Sportstudium abgeraten, weil dafür seine Knie zu schwach seien. Also begann er im Jahr 1977 in München-Pasing mit dem Lehramtsstudium. Nach drei Jahren als Mitglied der freien Lehrer-Reserve im Landkreis kam Nußbaumer 1986 an die Miesbacher Klosterschule. Nachdem er „die Bewerbung fast verschwitzt hatte“ (Nußbaumer), ging er 2008 an die Elbacher Grundschule, wo er zunächst drei Jahre als Konrektor und im Anschluss sieben Jahre als Schulleiter verbrachte. Zur Verabschiedung kamen auch zahlreiche Wegbegleiter aller Stationen.

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