Schaufensterflächen erhalten will die Gemeinde Fischbachau im Ortskern.
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Schaufensterflächen erhalten will die Gemeinde Fischbachau im Ortskern.

Dorfladen als Warnschuss

Fischbachau will Dorfkern schützen: Bebauungsplan geplant – Veränderungssperre erlassen

  • Christian Masengarb
    VonChristian Masengarb
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Das Ende des Dorfladens war ein Warnschuss für Fischbachau. Der Gemeinderat wird einen Bebauungsplan aufstellen, um einen lebendigen Ortskern mit Schaufensterflächen zu erhalten.

Fischbachau – Noch hat der Fischbachauer Dorfladen seine Türen nicht einmal für das letzte Mal geschlossen, da steht schon fest: Unternimmt die Gemeinde nichts, wird es an gleicher Stelle wohl nie wieder eine ähnliche Einkaufsmöglichkeit geben. Ein Immobilienentwickler hat das Gebäude gekauft. Dass er dort einen Dorfladen entwickeln will, scheint unwahrscheinlich.

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Auf seiner jüngsten Sitzung hat das Gremium beschlossen, einen Bebauungsplan für die Fischbachauer Ortsmitte aufzustellen. Vom Friedhof im Nordwesten über St. Martin und das Rathaus bis zur Martin-Luther-Kirche im Südosten will die Gemeinde künftig bei der Gestaltung stärker mitreden. Das bedeutet vor allem: Sie will Schaufensterflächen im Erdgeschoss erhalten. „Es geht in erster Linie darum, dass im Ortskern Gewerbe bleibt“, sagte Zweiter Bürgermeister Hans Seemüller (FWG), der die Sitzung in Vertretung des erkrankten Rathaus-Chefs Johannes Lohwasser (FWG) leitete.

Der Umriss des Bebauungsplans

Fischbachau will Dorfkern schützen: Bebauungsplan geplant – Veränderungssperre erlassen

„Um den sensiblen Ortskern von Fischbachau in seiner baulichen Entwicklung und der Art seiner unterschiedlichen Nutzungen auch in Zukunft zu gewährleisten und seinen Bürger ein lebendiges Ortszentrum zu erhalten oder wieder zu schaffen“, heißt es in der Antragsbegründung, sei die Aufstellung des Bebauungsplans „unumgänglich“. Dem stimmten die Gemeinderäte einstimmig zu. Nun wird die Verwaltung ein Architekturbüro mit der Planung beauftragen.

Damit greift Fischbachau zum nächsten Werkzeug, um den Ortskern zu beleben. Im Zuge des Dorfladen-Endes hatte die Gemeinde schon einen Dorfmarkt etabliert – allerdings nur einmal die Woche. Der Auracher Edeka liefert nach Fischbachau – allerdings mit Mindestbestellwert 60 Euro. Schnell Eier fürs Abendessen kaufen geht mit keiner Lösung. „Es schaut so aus, das unser Dorf ausstirbt“, sagte Willi Rothemund (FWG) deshalb. Das hätten auch viele Fischbachauer ihm gegenüber beklagt. Seemüller sah den angestrebten Bebauungsplan als Zeichen, dass diese Appelle bei der Verwaltung angekommen sind und Gegenmaßnahmen getroffen werden.

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Die meisten Details dafür sind noch offen. Seemüller zeigte eine Grafik, in der das angedachte Gebiet des Bebauungsplans rot eingezeichnet ist (siehe unten). Er betonte: Der Umriss sei nur der erste Schritt der Planung. Anpassungen seien möglich. Die Gemeinde müsse nun bewerten, welche Nutzungen es in diesem Gebiet gibt und wie sie diese entwickeln will. Viele Details werde der Gemeinderat auf seiner Klausurtagung festzurren. Das Einzugsgebiet des Bebauungsplans könnte dadurch geringfügig wachsen.

Bis der Plan fertig ist, wird es also noch dauern. Um bis dahin Umnutzungen zu verhindern, erließen die Gemeinderäte im nächsten Schritt eine Veränderungssperre für das Gebiet. Sie gilt für zwei Jahre und kann zwei Jahre verlängert werden. Bis dahin muss der Bebauungsplan stehen. Durch die Sperre hat die Gemeinde auch bei der Entwicklung des Dorfladen-Gebäudes ein Mitspracherecht gewonnen.

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