Wichtige Einnahmen: Über acht Millionen Euro hat Fischbachau für Verkäufe am Wolfsee eingeplant. Die Gemeinde wird wohl weniger verdienen – und dadurch weniger Kredite tilgen können.
+
Wichtige Einnahmen: Über acht Millionen Euro hat Fischbachau für Verkäufe am Wolfsee eingeplant. Die Gemeinde wird wohl weniger verdienen – und dadurch weniger Kredite tilgen können.

Neuer Haushalt beschlossen

Fischbachau will massiv Kredite tilgen – Hohe Erwartungen an Verkäufe

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
    schließen

Fischbachaus neuer Haushalt könnte die Gemeinde massiv entschulden - im Idealfall. Dafür muss aber einiges richtig laufen. Für den Verkauf der Wolfsee-Gastronomie hat die Gemeinde einen hohen Preis angesetzt.

Fischbachau – Der Haushalt, den der Gemeinderat Fischbachau in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen hat, könnte die Gemeinde im Idealfall massiv entschulden. Läuft alles wie geplant, will der Ort, dessen Pro-Kopf-Verschuldung derzeit fast viermal so hoch liegt wie der bayernweite Durchschnitt, diesen Wert in den nächsten vier Jahren unter den Durchschnitt senken.

Dazu will er keine neuen langfristigen Kredite aufnehmen, aber alleine heuer 5,8 Millionen Euro tilgen. Das kann funktionieren – wenn einiges richtig läuft. „Hoffentlich baut’s keine Luftschlösser“, sagte Martin Bacher (FWG).

Mehr aus Fischbachau: Herbergsvater der Hundhamer Vereine: Kirchstiegl-Wirt Philipp Lidschreiber gestorben

Wolfsee-Gastronomie

Ein Beispiel: Mit dem Verkauf der Wolfsee-Gastronomie will die Gemeinde heuer drei Millionen Euro einnehmen und rund ein Fünftel ihres Vermögenshaushalts finanzieren. Vor einem Jahr hatte sie das Grundstück aber noch mit einer Million Euro bewertet, merkte Heinrich Isenmann (CSU) an.

Der neue Preis für das 3000-Quadratmeter-Grundstück entspreche 1000 Euro pro Quadratmeter, rechnete Isenmann vor. Das sei doppelt so viel wie in besseren Lagen und nur zu erzielen, wenn auf dem Grundstück massiv Wohnungen gebaut würden. Kein guter Weg, fand er. „Wir sollten uns keinen Druck machen, dass wir dort drei Millionen einnehmen müssen.“

Dem stimmte Bürgermeister Johannes Lohwasser (FWG) zu: Die drei Millionen Euro seien ein Maximalwert. Die Gemeinde habe ihn von Gutachtern und Bankenvertretern schätzen lassen. Bringt der Verkauf weniger, werde die Gemeinde weniger ihrer derzeit 13 Millionen Euro Kredit frühzeitig tilgen. Dadurch blieben deutlich mehr Schulden.

Dramatisch wäre das nicht, sagt Lohwasser unserer Zeitung auf Nachfrage. Die Kredite Fischbachaus hätten teils lange Laufzeiten bis 2038. Sondertilgungen wären hilfreich. Sie zu verschieben, sei wegen der niedrigen Zinsen aber problemlos finanzierbar. Andere Kredite seien bald fällig, könnten dadurch aber zu niedrigen Zinsen refinanziert werden. Auch das wäre finanziell kein Problem. Die geforderten Mindesttilgungen seien ohnehin bezahlbar. Die Gemeinde sei sicher aufgestellt.

Ebenfalls interessant: Zweimal Unfallflucht, zweimal betrunken, über 60.000 Euro Schaden

Verzögerung Wolfsee

Unerlässlich für die Kredittilgung sind auch die Einnahmen, die die Gemeinde heuer mit dem Verkauf der Grundstücke im Neubaugebiet Wolfsee erzielen will. 5,3 Millionen Euro hat sie eingeplant – fast ein Drittel des gesamten Vermögenshaushalts. Das Geld, das wegen Verzögerungen beim Hochwasserschutz bereits vom vergangenen Jahr in dieses gerutscht ist, muss nun fließen, stellte Lohwasser klar. Sonst fällt die Sondertilgung aus.

Verunsichert reagierte daher Josef Obermaier (CSU), als ihm der Bürgermeister auf seine Nachfrage mitteilte, dass sich der Baubeginn am Wolfsee auf 2022 verschiebt. Zwar könne die Erschließung wie geplant im Mai starten, die Käufer würden aber erst im kommenden Jahr bauen können, sagte Lohwasser.

Schuld sei wieder der Hochwasserschutz, erklärte der Bürgermeister: Wegen der Verzögerungen habe sich die Gemeinde nun erst im Frühjahr mit der Erschließungsfirma zusammensetzen können. Dabei sei klar geworden, dass der Baubeginn heuer nicht mehr zu schaffen ist. Die Gemeinde informiere gerade die Interessenten.

Die Einnahmen verzögert der spätere Baubeginn laut Lohwasser nicht. Die Gemeinde habe Interessenten in der Hinterhand, sollten welche abspringen. Außerdem wolle sie die Verträge demnächst verschicken lassen. Die Gelder würden also sicher heuer fließen.

Investitionen

Verzögern könnten den Schuldenabbau auch weitere Investitionen. Deren Betrag veranschlagt die Gemeinde ab 2022 deutlicher niedriger als 2020 und 2021. Keine Überraschung – Fischbachau hat zuletzt viel investiert. Lohwasser sagt aber auf Nachfrage, dass er sinnvolle Investitionen nicht dem Schuldenabbau opfern wolle. Ob Fischbachau in vier Jahren also tatsächlich unter dem bayerischen Schulden-Durchschnitt liegt, ist offen.

Der Haushalt in Zahlen

Gesamtvolumen: 27,6 Millionen Euro.

Verwaltungshaushalt: 11,9 Mio. Euro; Größte Einnahmen: Einkommens- und Umsatzsteuer: 3,7 Mio. Euro, Verwaltungs- und Betriebseinnahmen: 2,3 Mio. Euro, Grund- & Gewerbesteuer: 2 Mio. Euro; Größte Ausgaben: Kreisumlage: 3,1 Mio. Euro, Verwaltungs- und Betriebsaufwand: 3 Mio. Euro, Personal: 2,8 Mio. Euro.

Vermögenshaushalt: 15,7 Millionen Euro; Größte Einnahmen: Grundstücksverkäufe: 6 Mio. Euro, Zuweisungen und Zuschüsse: 3,2 Mio. Euro, Veräußerungen baulicher Anlagen: 3 Mio. Euro; Größte Ausgaben: Sondertilgungen für Kredite: 5,8 Mio. Euro, Straßenbau: 1,8 Mio. Euro, Neubau Bauhof: 1,6 Mio. Euro. mas

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare