+
Keine Abschreckung: Das Freibad Wörnsmühl ist auch ohne Aufsicht sehr beliebt bei den Einheimischen.

Stammschwimmer sind glücklich

Freier Eintritt, keine Aufsicht: Konzept für Freibad Wörnsmühl hat sich bewährt

  • schließen

Das Freibad Wörnsmühl gilt seit 2018 nur noch als normales Gewässer. Heißt: freier Eintritt, aber auch keine Aufsicht. Die Badegäste sind glücklich damit.

Wörnsmühl Was wird aus dem Warmfreibad? Eine Frage, die sich Bürger und Politiker derzeit in vielen Städten und Gemeinden in Bayern stellen. Der Sanierungsbedarf ist groß, die Kosten hoch – und die Kassen oft leer. Auch im Landkreis machen sich mit Miesbach und Bayrischzell zwei Kommunen Gedanken, wie es mit ihren Bädern weitergehen soll.

In Fischbachau sind die Entscheidungen bereits getroffen. Das Warmfreibad im Hauptort erhält eine neue Wärmehalle – und in Wörnsmühl bleibt alles so, wie es ist. Letzteres hatten sich die Anwohner so gewünscht. Bürgermeister Josef Lechner beugte sich ihrem Willen. Die Konsequenz: Seit der Saison 2018 hat Wörnsmühl kein Freibad mehr. Zumindest nicht auf dem Papier.

Formell wird das Becken nun nämlich als „aufgestautes Oberflächengewässer“ geführt (wir berichteten). Heißt: Es ist wie ein Badesee für jeden öffentlich zugänglich. Ohne Eintritt und zu jeder Zeit. Allerdings auch auf eigenes Risiko, wie der Bürgermeister betont. Bademeister gebe es keinen, die Gemeinde sei aus der Haftung.

Lesen Sie auch: Kurioser Vandalismus im Warmfreibad: Nachtschwimmer attackieren Saugroboter

Aus der Verantwortung stiehlt sie sich deshalb aber nicht. Der Bauhof kümmere sich um kleinere Reparaturarbeiten, etwa um das Verfüllen von Rissen im Becken, und der Kiosk erhält in den fünf Monaten der früheren Freibadsaison einen Zuschuss. Quasi als touristische Einrichtung, die auch von Wanderern oder Radlern genutzt werden kann. „Rein von den Einnahmen her würde sich das sonst nicht rechnen“, erklärt Lechner.

Nur bei schönem Wetter sperrt Betreiberin Susi Kaffl ihren Kiosk auf. Seit das Bad keinen Eintritt mehr kostet, kann sie das ohne schlechtes Gewissen tun, denn es muss ja auch in ihrer Abwesenheit kein Schwimmer draußenbleiben. „Damit gewinnt man viel Flexibilität“, schwärmt Kaffl. Umgekehrt gibt sie dem Bad aber auch einiges zurück. So kümmert sie sich mit ihrem Mann um Hausmeisterarbeiten wie Rasenmähen oder den Wasseraustausch. Der funktioniert verhältnismäßig unkompliziert: Da sich das Becken aus Hangquellen speist, fließt immer frisches Nass hinein. Angenehmer Nebeneffekt: Selbst bei großer Hitze bleibt das Wasser mit maximal 20 Grad angenehm kühl. Naturnah also.

Lesen Sie auch: Warmfreibad Bayrischzell: 1000 Mal Nein zur Schließung

Das wäre bekanntlich auch Lechners Konzept für ein Naturfreibad gewesen. und 250 000 Euro hätte der Umbau des Wörnsmühler Bads gekostet. Eine Leader-Förderung stand in Aussicht. „Wir hatten alles in der Schublade“, sagt Lechner. Doch die Stammschwimmer zeigten ihm ein Stoppschild (wir berichteten). Weil sie Angst hatten, ihr beschauliches Freibad könne zu einer Ausflugsattraktion werden, lehnten sie die Idee des Bürgermeisters ab. „Das haben wir natürlich respektiert.“

Aus Wörnsmühler Sicht nach wie vor die richtige Entscheidung, berichtet Lechner. „Die sind total glücklich damit, wie es jetzt ist.“ Das Herzblut der Bürger für ihr Bad – oder jetzt streng genommen ihr Oberflächengewässer – kann der Rathauschef nachvollziehen. So sei das Freibad einst unter großem Engagement der Dorfgemeinschaft errichtet worden. Genutzt werde es seither rege – auch im Winter: als Eisstockbahn. Nicht nur wegen der etwas schwierigen Parksituation hoffen die Wörnsmühler und auch ihr Bürgermeister, dass das Gewässer das bleibt, was es ist: ein Geheimtipp für Einheimische. „Für alles andere“, so Lechner, „ist die Infrastruktur nicht ausgelegt.“

Lesen Sie auch: Fischbachauer Bäder: Warmbad bald neu - Wörnsmühl bald gratis

Dass die Wörnsmühler also einst gegen den Strom geschwommen sind, haben sie nicht bereut. Dem verpassten Umbau jedenfalls trauert niemand nach, bestätigt Kaffl. „Es wäre schade ums Geld gewesen.“

sg

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Jochen Stodthoff: „Ich will mit den Filmfans ins Gespräch kommen“
Der Haushamer Schauspieler und Regisseur Jochen Strodthoff tanzt auf mehreren Hochzeiten. Im Gespräch verrät er Detail zu seinen neue Projekten.
Jochen Stodthoff: „Ich will mit den Filmfans ins Gespräch kommen“
Förderzentrum Hausham hatseinen neuen Bus
Große Freude bei Betreuern und Schülern des Förderzentrums in Hausham. Der neue behindertengerechte Bus ist da.
Förderzentrum Hausham hatseinen neuen Bus
Schliersee hat keine Zweifel an Fremdenverkehrsbeitrag
Seit der Sommerpause gilt: keine Schlierseer Gemeinderatssitzung ohne Antrag von Michael Dürr. Diesmal ging es um den Fremdenverkehrsbeitrag und dessen Rechtssicherheit …
Schliersee hat keine Zweifel an Fremdenverkehrsbeitrag
Käfer-Plage: Stadt Miesbach verzichtet auf Widerspruch
Allen Appellen zum Trotz: Die Stadt Miesbach wird keinen Widerspruch gegen die Allgemeinverfügungen einlegen, mit denen die zuständigen Behörden den Asiatischen …
Käfer-Plage: Stadt Miesbach verzichtet auf Widerspruch

Kommentare