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Räumt jeden Tag Säckeweise Hundekot von dieser Weide, weil das alle anderen nicht tun: Lotte Schwenkhagen.

Sie sammelte tausende Kottüten

Miesbacherin an ignorante Hundebesitzer: Ihr habt meine Hündin krank gemacht

Hundebesitzerin Lotte Schwenkhagen sammelt täglich Massen an Hundekot, weil es kein anderer tut. Trotzdem wird sie angefeindet - von Hundehaltern und Bauern. Ihre erschreckende Bilanz.

Als Hundebesitzerin muss ich mir mal hier Luft machen. Ich bin stinksauer und ehrlich gesagt: mir reicht‘s! Seit nun fünf Jahren gehe ich regelmäßig in Hundham (Gemeinde Fischbachau) mit meinem Bernersennen-Hund spazieren. Inzwischen habe ich um einen Berner-Dackelmix erweitert. In unregelmäßigen Abständen versorge ich auch Pflegehunde, die ich aber erst mitnehme, wenn ich mögliche Infektionsquellen für Dritte ausschließen kann. 

Seit fünf Jahren muss ich mir den Unmut der Bauern und Grundeigner in Hundham anhören: Hundekot auf Wiesen und Wegrändern - und das zuhauf. Anfangs wurde mir nicht geglaubt, wenn ich zusicherte, dass von meinen Hunden sicher nichts liegen bleibt. Andere beobachtete ich dafür schon:

Immer wieder konnte ich bei meinen Runden beobachten, wie Autos am Feldweg nach Effenstätt/Schneider (im Leitzachtal, Gemeinde Fischbachau) hielten und Hunde freilaufend heraus gelassen wurden. Anstatt im Anschluss den Kot zu entfernen, wurden die Hunde zurück gerufen und die Verursacher fuhren unverrichteter (oder verrichteter, wie man‘s nimmt) Dinge wieder fort. Kennzeichen aus: Den Landkreisen Miesbach, Rosenheim, Ebersberg, Erding sowie aus München sind mir am häufigsten aufgefallen. 

Weil meine Bernersennen-Hündin einen nicht ansteckende Autoimmunerkrankung hat, hatte sie verschiedentlich Phasen von Kophagie = Kotfressen. Damit konnte sie sich natürlich dann zu ihrem Leiden hinzu noch alle möglichen Erreger einhandeln. Was leider auch dreimal geschah. Das Ergebnis war teuer, ärgerlich und unnötig! Nach der Genesung drehten wir wieder unsere Hundhamer Runden. 

Nur bei mir war nach den Krankheiten meines Hundes alles anders: Da ich das Verhalten von den anderen Tierbesitzern nicht ändern konnte, sammelte ich alle fremden Kothaufen mit auf - ornig, wütend und nicht verstehend, warum das nicht alle Hundehalter taten. 

Und dann habe ich beschlossen: Ich mache eine Strichliste! Auf dieser Strichliste, habe ich alle Fremd-Kothaufen notiert. Die Bilanz der letzten 209 Spaziergangtage (das entspricht einem Jahr relativ regelmäßiger Spaziergänge in Hundham) beträgt: 1.574 eingesammelte Kothaufen von fremden Hunden! 

(Unsere besten Geschichten posten wir auch auf unserer Facebook-Seite Miesbacher Merkur)

Das entspricht: 7,5211 Kot-Hinterlassenschaften pro Tag von Hunden, deren BesitzerInnen diese nicht aufsammeln oder „übersehen“ - nur in Hundham. Da ich meist zwei mal am Tag dort gehe, sind das im Schnitt mindestens 3 bis 4 zusätzlich aufgesammelte Kothaufen pro Spaziergang! Eine echte Riesenschweinerei! 

Es gibt Tage, an denen ich weniger finde. Jedoch an Tagen mit Schnee, Regenwetter oder wenn Mistsuppe oder Mist ausgebracht wurde, komme ich mit tütenweise fremden Kothaufen vom Spaziergang. Das ist echt ekelig. Meine Hinweise an andere Hundehalter werden mit folgenden Aussagen häufig beantwortet: 

„Wenn´s Dich stört, mach´s eben weg!“; „Was geht´s dich an?“; „Ja bist Du deppert! Die [Bauern] streuen ihren Kuhscheiss und Dreck und ich soll durch den Dreck und das Häufl vom Benno aufklauben?“ „Ich hab´s gar nicht gesehen...ich find´s bestimmt nimmer! ´S vergeht eh!“ „B´haltns ihrena Sackl, ´s niederbeugn geht eh nicht, ich hab heut Bucklweh.“ „Nein! Warum soll ich das aufheben?“  Und besonders schön: „Es regnet gleich und dann ist´s weg!“ 

Ich frage mich ernsthaft, ob den Einzelnen das Denken abhanden gekommen ist? Zudem sind pro 100 Hundebegegnungen im Schnitt 80 bis 90 Hunde freilaufend bei Leinen-Pflicht. Auch hier musste ich mir schon recht unfreundliche Kommentare von anderen Hundebesitzern anhören. Den - verständlichen - Zorn der Bauern bekomme ich dann ab - inklusive einer Mistdusche über mein Auto. 

Ich verstehe, wie verärgert die Landwirte sind. Denn auch ich bin nicht angestellt, um Hundedreck zu beseitigen! Das alles beschönigt nicht die Zahl der traurigen Bilanz: 

1.574 liegengelassene Hunde-Kothaufen in 209 Tagen, nur auf einem begrenzten Gebiet um Hundhamund die Dunkelziffern nicht mitgerechnet. 

Hochgerechnet wären das 147.334 Hunde-Kothaufen im Gemeindegebiet Fischbachau, im Landkreis 1.683.267 Hunde-Kothaufen, in Oberbayern 34.063.750 Hunde-Kothaufen. Bei einer Einwohnerzahl von 4.430.706 Einwohnern in Oberbayern, müsste jeder Oberbayer pro Jahr 7,688 liegengelassene Hunde-Kothaufen aufsammeln. Ich befinde mich also rein rechnerisch im Durchschnitt. Und erst am Sonntag waren es nur beim Mittagsspaziergang wieder 7 vergessene Kothaufen. Mir reichts! 

Lotte Schwenkhagen aus Miesbach, freischaffende Künstlerin & aktuell sehr verärgerte Tierhalterin

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Weitere Gastbeiträge zum Thema Hunde: 

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