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Das Ensemble auf einen Blick: In das Haupthaus der Caritas-Familien-Ferienstätte in Hundham soll eine Kindertagesstätte einziehen, die sechs Ferienhäuser dahinter will die Gemeinde an sozial schwächere Familien vermieten. Nicht auf dem Bild zu sehen sind die drei kleinen Häuser am Wiesenweg, die 20 Asylbewerbern Zuflucht bieten sollen, und die unbebaute Wiese, auf der ein Spielplatz geplant ist.

Gemeinde kauft Caritas-Ferienstätte

Hundham wird zum sozialen Zentrum

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Hundham - Es ist ein Projekt, mit dem Fischbachau den sozialen Druck auf Jahre hinaus loswerden würde. Die Verhandlungen mit der Caritas über die Ferienstätte in Hundham stehen kurz vor dem Abschluss.

Schlaflose Nächte hat Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner die Schließung der Caritas Familien-Ferienstätte in Hundham bereitet. Aber nur ein Wochenende lang. Dann war ihm klar, dass sich die Angst vor dem Leerstand als einmalige Chance für die Dorfentwicklung entpuppen könnte. Von der Kinder, Familien, sozial Schwächere und sogar Asylbewerber profitieren. „Mehr Lösungen kann man mit einer einzigen Entscheidung eigentlich nicht schaffen“, schwärmt Lechner.

Also ließ er sich vom Gemeinderat dazu ermächtigen, in Kaufverhandlungen mit der Caritas einzusteigen (wir berichteten). „Und jetzt wollen wir das Ding nach Hause bringen“, sagt er. Die Vorzeichen stehen günstig. Am 12. April kommen die Vertreter der Caritas Bamberg, die das Areal 1959 als Ferienstätte St. Heinrich und Kunigunde errichten und später für 3,5 Millionen Euro sanieren ließ, zu einem letzten Abstimmungstermin nach Hundham. Zehn Tage später steht der Notartermin an. Der Vertragsentwurf liegt bereits auf Lechners Schreibtisch, die symbolische Schlüsselübergabe ist für den 1. Mai geplant. „Die Gemeinde war immer unser erster Ansprechpartner“, versichert Klaus-Stefan Krieger, Pressesprecher der Caritas Bamberg.

Knapp drei Millionen Euro wird Fischbachau an den Wohlfahrtsverband überweisen. Fast die Hälfte davon gehen ans Sozialministerium. „Wir müssen einen Teil der Fördergelder zurückzahlen, die wir für den Umbau bekommen haben“, erklärt Krieger. Mit dem Kaufpreis können beide Seiten gut leben, wie Lechner betont. „Die Caritas muss nicht unter Wert verkaufen, die Gemeinde nicht über Wert kaufen.“

Keine Selbstverständlichkeit, schließlich habe auch einer der größten Wohnungsbaukonzerne Bayerns ein Angebot abgegeben. Er sei der Caritas daher sehr dankbar, so Lechner, dass diese die von der Gemeinde beabsichtigte soziale Weiternutzung in ihre Entscheidung einbezogen habe. Und das nicht nur, weil ein Teil der fünf Mitarbeiter weiterbeschäftigt wird.

Tatsächlich hat der Rathaus-Chef große Pläne für das Areal – und will damit den sozialen Druck auf Jahre hinaus von seiner Kommune nehmen. Herzstück soll die neue Kindertagesstätte im jetzigen Hauptgebäude der Ferienstätte werden. Zwei Krippen- und eine Kindergartengruppe haben hier Platz. Davon haben sich laut Lechner zuletzt auch die Gemeinderäte überzeugt. Ihr Fazit: „A gmahde Wiesn.“ Da sei es verschmerzbar, dass der Hauptort Fischbachau krippenmäßig leer ausgeht. „Ein Neubau hätte uns gut zwei Millionen Euro gekostet“, erklärt Lechner. In Hundham könne man das Geld breiter investieren.

Zum Beispiel in die sechs zweigeschossigen Ferienhäuser mit insgesamt 17 Wohnungen (25 bis 100 Quadratmeter). Diese will der Rathaus-Chef in Mehrgenerationenhäuser umbauen und zu günstigen Preisen an sozial schwächere Bürger vermieten. „Damit wirken wir der Wohnraumkonkurrenz durch Zuzug und Asylbewerber entgegen“, erklärt er.

Doch auch letztere sollen in Hundham eine Heimat finden. Lechner will in den drei kleineren Häusern mit je 60 Quadratmetern Fläche insgesamt 20 Flüchtlinge unterbringen. Ein weiterer Schritt zur Erfüllung der Quote von 105 im Gemeindebereich (siehe Kasten). Ebenfalls noch auf seiner Liste: ein „vernünftiger“ Spielplatz in jedem Ortsteil. Auch hier kann Lechner einen Haken hinter Hundham machen. Auf der 1400 Quadratmeter großen Wiese der Caritas soll ein Spielplatz mit „Aha-Effekt“ entstehen. Zumindest was seinen Wohnort betrifft, dürfte der Bürgermeister in Zukunft also ruhig schlafen.

20 Asylbewerber kommen nach Elbach

Eine dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge strebt Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner in seiner Gemeinde an. Einen weiteren Schritt hat er nun geschafft. Bis Mitte des Jahres werden 20 Asylbewerber nach Elbach ziehen. Dazu lässt die Regierung von Oberbayern einen Container auf der Wiese neben dem neuen Friedhof und dem Feuerwehrhaus aufstellen. Das 500 Quadratmeter große Grundstück stellt die Kirchenverwaltung laut Lechner kostenlos zur Verfügung. 

Die Lage sei für eine derartige Unterkunft gut geeignet. „Alle Versorgungsleitungen sind vorhanden“, sagt der Bürgermeister. Zusammen mit den 40 Flüchtlingen in Fischbachau und den 20, die in Hundham unterkommen sollen, hat die Gemeinde ihre Quote von 105 nahezu erfüllt. Die restlichen 25 Plätze will Lechner in Wörnsmühl oder Aurach schaffen: „Ich hoffe hier auf Angebote von meinen Bürgern.“

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