Großtagespflege in Fischbachau, Kinder spielen im Garten.
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Begehrtes Angebot: Die Kinder in der Großtagespflege in Fischbachau können von 7 bis 19 Uhr in den großzügigen Räumen mit Garten spielen.

Antrag sorgt für Kritik

Zuschuss für Großtagespflege: Gemeinderat Fischbachau fordert Zahlen

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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16 Kinder besuchen derzeit die Großtagespflege in Fischbachau. Die Gemeinde lässt sich dieses besondere Angebot einiges kosten. Jetzt ging es um eine Verlängerung des Zuschusses.

Fischbachau – Betreuungszeiten von 7 bis 19 Uhr: Was selbst in Großstädten nicht selbstverständlich ist, gehört in Fischbachau seit 2019 zum Alltag. Im Frühjahr eröffnete in den Räumen der früheren „Crazy Alm“ die erste Großtagespflege im Landkreis. Mittlerweile habe sich das Angebot gut etabliert, berichtete Bürgermeister Johannes Lohwasser (FWG) nun im Gemeinderat. 13 Kinder aus Fischbachau und drei aus Bayrischzell würden derzeit betreut. Damit die Großtagespflege weiterhin betrieben werden könne, brauche sie aber einen erneuten Zuschuss der Gemeinde.

Und der ist durchaus üppig: 2000 Euro erhält die Einrichtung aktuell pro Monat. Die Verwaltung schlage vor, die Förderung bis zum 31. August 2022 weiterhin zu gewähren. „Anders ist es wirtschaftlich nicht tragbar.“ Es gehe also um nicht weniger als die Existenz der Großtagespflege, machte Lohwasser deutlich. Aus Sicht des Rathauses sei es „absolut wünschenswert“, den Zuschuss weiterzuzahlen. „Wir hören nur Gutes.“

Die Begeisterung der Gemeinderäte war etwas gedämpfter. Nicht nur wegen der Höhe der monatlichen Kosten, sondern auch wegen der Form des Antrags. „Das hat mir nicht gefallen“, sagte Katharina Schreyer (CSU). „Das klingt so nach: Wir kriegen es jetzt, also wollen wir es in Zukunft auch.“ Zahlen zur Finanzierung habe die Großtagespflege nicht vorgelegt. Dies sei aber bei solchen Summen durchaus angebracht, fand Schreyer.

Der Rathauschef verteidigte den Antrag. Die Leiterin der Einrichtung, Inge Gaß-Naudts, habe ihm die Notwendigkeit der Förderung „plausibel dargelegt“. Immer zwei Betreuer seien gleichzeitig im Einsatz. „Die zahlen normale Gehälter und verlangen keine Wucherpreise“, sagte Lohwasser.

Bernhard Padeller (FaB) zweifelte nicht an der Qualität des Angebots. „So etwas kann ein großer Kindergarten schlicht nicht leisten.“ Dennoch hielt es auch Padeller für notwendig, die Abrechnung des vergangenen Jahres vorzulegen. „Das kann man bei einem jährlichen Zuschuss von 24 000 Euro schon verlangen“, sagte er. Zumal die Gemeinde dies auch von anderen Organisationen wie der Musikschule Schlierach-Leitzachtal verlange, wie Josef Obermaier (CSU) erinnerte. Michael Gartmaier (CSU) schlug vor, die Förderung vorerst nur bis zum 30. September dieses Jahres zu verlängern und dann auf Basis der von der Großtagespflege aufbereiteten Zahlen erneut zu entscheiden.

Ganz so streng wollte Simon Irger (FWG) nicht sein. Er bat seine Ratskollegen darum, ihre Zustimmung nicht an die Zahlen zu koppeln. „Wir sollten Vertrauen vorschießen“, sagte Irger. Allerdings unter der Bedingung, dass die Zahlen in den kommenden Jahren Teil des Beschlusses seien. Auch Lothar Prack (Neue Liste) plädierte für eine Freigabe der Mittel für die Großtagespflege. „Die brauchen ja auch Planungssicherheit.“

Einen spontanen Vorab-Einblick gewährte die Leiterin den Gemeinderäten, als ihr Lohwasser das Wort erteilte. Zwischen 10 000 und 12 000 Euro im Monat seien nötig, um den Betrieb zu finanzieren, erläuterte Gaß-Naudts. „Wir kochen selber und kaufen von dem Geld unter anderem neue Spielsachen.“ Auch die Reinigungskraft müsse bezahlt werden. Die Gebühren, die man verlangen könne, seien jedoch per Gesetz gedeckelt.

Das überzeugte auch die anderen Gemeinderäte, die dieses Vorgehen einstimmig absegneten. Der Bürgermeister versprach, sich die Zahlen zusammen mit der Verwaltung nochmals im Detail anzusehen und auch auf die Nachbargemeinden für eine Beteiligung an den Kosten zuzugehen. Vor allem an Bayrischzell. „Die haben ja aktuell selbst drei Kinder in der Einrichtung.“

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