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Freie Fahrt in der neuen Einrichtung: (vorne v.l.) Die Bürgermeister Josef Lechner (Fischbachau) und Georg Kittenrainer (Bayrischzell) haben zusammen mit (hinten v.l.) Pfarrer Josef Spitzhirn, den Tageseltern Inge Gaß-Naudts und Hans-Jörg Rottmann, Ersatzbetreuerin Elisabeth Dynowski sowie Pfarrerin Melanie Striebeck die neue Großtagespflege in Fischbachau eingeweiht. Auch zahlreiche Eltern und Kinder feierten mit. 

„Unsinnige“ Regel verhindert mehr Plätze 

Großtagespflege in Fischbachau: Flexibilität, die Schule machen soll

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Die Großtagespflege Fischbachau läuft gut an. Das Interesse der Eltern ist groß und die Bürgermeister werben für mehr ähnliche Konzepte. Doch es gibt einen wunden Punkt.

Fischbachau – Da haben sogar die großen Kinder ihren Spaß: Mit knallroten Bobby-Cars kurvten Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner und sein Bayrischzeller Kollege Georg Kittenrainer durch die neuen Räume der Großtagespflege in Fischbachau. Platz hatten die beiden „Rennfahrer“ bei einer Nutzfläche von rund 180 Quadratmetern mehr als genug. Und die Kinder im Alter von ein bis zehn Jahren erst recht. Von 7 bis 19 Uhr können sie unter der Aufsicht der Tageseltern Inge Gaß-Naudts und Hans-Jörg Rottmann spielen, essen, schlafen – und die Schüler unter ihnen auch Hausaufgaben machen. „Alle haben hier ganz viel Bewegungsfreiheit“, schwärmt Gaß-Naudts.

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Großtagespflege in Fischbachau: Flexibilität, die Schule machen soll

Bereits Anfang des Jahres hat die im Landkreis bislang einzigartige Betreuungseinrichtung ihre Türen aufgesperrt (wir berichteten). Die 16 Plätze waren im Nu ausgebucht. 13 belegen Fischbachauer, die restlichen drei Bayrischzeller Kinder. Maximal acht Kinder dürfen die Tageseltern zur gleichen Zeit beaufsichtigen. „Wir hätten noch deutlich mehr Interessenten gehabt“, sagt Gaß-Naudts. Das zeige, wie groß die Nachfrage nach flexiblen Angeboten ist, betont Lechner. „Solche Uhrzeiten können wir mit unseren Kitas nicht abdecken.“

Das lassen sich die beiden Gemeinden einiges kosten. So zahlt Fischbachau für 13 Kinder 28 000 Euro pro Jahr. Dieser Betrag bleibt übrig, wenn man von den sechs Euro pro Betreuungsstunde den Anteil des Landkreises (2,08 Euro) und den Elternbeitrag (1,85 Euro) abzieht. „Wir wollten die Belastung für die Familien in vernünftigen Bahnen halten“, erklärt Lechner. Rechnet man die Betriebskosten von 31 200 Euro dazu, investiert Fischbachau damit knapp 60 000 Euro pro Jahr in die Großtagespflege. Der Mietvertrag mit Ingo Bauer, der als Hauseigentümer die frühere Pizzeria Al Caminetto für die Kinderbetreuungseinrichtung umbauen ließ, läuft vorerst zehn Jahre.

Lechner macht keinen Hehl daraus, dass der Beschluss im Gemeinderat angesichts so einer Summe keine „gmahde Wiesn“ war. Vor allem, da man als Kommune eigentlich gar keine rechtliche Verpflichtung habe, so ein Zusatzangebot bereitzuhalten. Und doch ist der Bürgermeister überzeugt, dass das Modell auch in anderen Gemeinden im Landkreis Schule machen wird oder besser gesagt muss.

Das bestätigt auch der Leiter des Jugendamts, Robert Wein, auf Nachfrage unserer Zeitung. „Die Großtagespflege ist eine zukunftsfähige Einrichtung“, sagt Wein. Gerade im Wachstumslandkreis Miesbach sei der Bedarf an Betreuungsplätzen weiter ungebrochen hoch. Eine Großtagespflege könne da eine charmante Option sein. Nicht nur wegen der flexibleren Zeiten, sondern auch wegen der möglicherweise unkomplizierten Gewinnung von Räumen und Personal. So würden sich – anders als für Krippen und Kindergärten – prinzipiell auch Privathäuser zur Unterbringung eignen. Dies wiederum könnte mehr Leute dazu bewegen, sich als Tageseltern zu engagieren.

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Bei der Bürgermeisterdienstbesprechung habe er bereits für solche Projekte geworben, berichtet Wein. In seinen Augen wären vor allem Holzkirchen als Zuzugsregion im Norden des Landkreises sowie Hausham mit seiner verhältnismäßig zentralen Lage zwischen Tegernsee und Schliersee gut als Standorte geeignet. Konkrete Planungen für eine weitere Großtagespflege sind Wein zwar noch nicht bekannt. Sein Appell an die Verantwortlichen in den Rathäusern ist aber klar: „Schauen Sie sich das genau an!“

Dazu fordert auch Lechner seine Bürgermeisterkollegen auf. Er räumt aber auch ein, dass eine Gesetzesvorgabe im Zweifel eine optimale Auslastung der Einrichtung erschweren kann. So gibt es jeweils eine feste Grenze für die Maximalanzahl an Verträgen, die eine Großtagespflege abschließen darf. In Fischbachau sind dies eben 16.

„Unsinn“, findet Lechner. Denn längst nicht alle Kinder würden fünf Tage pro Woche von morgens bis abends bei den Tageseltern verbringen. Die jeweils frei bleibenden Zeiträume könnte man eigentlich an andere Interessenten vergeben. Genau das werde durch die Obergrenze aber verhindert, sagt Lechner und schüttelt den Kopf. „Das ist eine fatale Fehlentscheidung.“ Und eine starre Regelung, die so eigentlich gar nicht zur flexiblen Großtagespflege passt.

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