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Eine gute Million Euro fließt in den Umbau der ehemaligen Caritas-Gebäude in Hundham.

Neuverschuldung steigt über den Landesdurchschnitt

Haushalt 2017: Wo die Gemeinde investiert - und die Folgen

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Eigentlich wollte Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner ein bisserl vom Gas gehen, was Investitionen und Haushaltsvolumen angeht. Das ist ihm so gar nicht gelungen.

Fischbachau – Weißes Hemd, Trachtenjacke, Brille auf die Nase geschoben. Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner (CSU) grinst ein bisserl verschmitzt, als es im Gemeinderat um den Haushalt für dieses Jahr geht. „Ich habe ja vor allem der Gemeinde versprochen, Gas rauszunehmen“, sagt er. „So ganz ist das nicht gelungen.“ Waren es 2016 noch 18,1 Millionen Euro, hat der Gemeinderat nun einen Haushalt über 18,8 Millionen Euro verabschiedet (siehe „Der Haushalt in Zahlen“ unten). Einen großen Teil der Ausgaben muss die Gemeinde aber gar nicht selbst stemmen.

Förderprogramme

Eine Million Euro ist von den eingeplanten 18,1 Millionen Euro aus dem vergangenen Jahr übrig geblieben. Das Geld fließt jetzt ins neue Haushaltsjahr mit ein. Heuer will Fischbachau hauptsächlich Projekte beenden, die bereits begonnen wurden und für die es eine Förderung gibt. Die Investitionen belaufen sich auf rund 8,4 Millionen Euro – wovon aber 5,9 Millionen die Gemeindekasse nicht belasten, weil es Zuschüsse und Drittmittel gibt. Weil das Geld zunächst aber trotzdem ausgegeben wird, steigt die Verschuldung auf gut neun Millionen Euro. Pro Kopf macht das 1584 Euro – der landesweite Durchschnitt liegt bei 857 Euro. „Das schaut nach außen hin gewaltig aus“, so Zweiter Bürgermeister Andreas Auracher (CSU). „Zieht man aber die Zuschüsse ab, liegen wir deutlich unter dem Schnitt.“

Kindertagesstätte

Eine gute Million Euro fließt in den Umbau der ehemaligen Caritas-Gebäude in Hundham. Die Bauarbeiten sind ausgeschrieben und sollen im Februar beginnen. „Vor Juni ist die Hülle sicher nicht fertig“, sagt Lechner auf Nachfrage. Mit viel Lichteinlass und hohen Räumen soll viel Spielraum für die Innenausstattung erschaffen werden. Dem Bürgermeister ist dabei wichtig, nicht die einfachste Ausstattung zu wählen. Vom Architekten waren dafür 60.000 Euro eingeplant, nun werden es voraussichtlich 120 000 Euro. Bis im September die zwei Krippen- und eine Kindergartengruppe starten können, muss noch Personal her. Bewerbungen liegen schon vor, aber auch da setzt Lechner auf Qualität: „Wir brauchen Topkräfte.“

Dorfentwicklung

Angefangen hat es mit der Dorfentwicklung 2003 in Hundham. Noch immer sind nicht alle Höfe im Gemeindegebiet erschlossen – ein geeignetes Förderprogramm war nicht aufzutreiben. „Land auf, Land ab gibt’s keines“, sagte Lechner. Bis auf dieses eine: das Eler-Wegebauprogramm. Mit dem will die Gemeinde nun einige Straßen erschießen, beispielsweise Richtung Auerberg. Die Gemeinde würde sich mit 25 Prozent an den Kosten beteiligen (174.000 Euro), wenn die Anwohner die Hälfte übernehmen. Die anderen 25 Prozent gibt’s als Förderung. Zwar hatten einige Ratsmitglieder Bedenken beim Eigenanteil der Gemeinde, stimmten aber doch dafür. Der Vorteil: Die Straßen enden nicht auf Höfen, sondern gehen danach in Rad- und Wanderwege über. Zudem sollen es keine Privatstraßen werden, sondern öffentlich gewidmete.

Breitbandausbau

Das DSL in Fischbachau wird immer flotter. Das Förderverfahren I zum schnelleren DSL bei der Telekom hat Fischbachau schon 2012 abgeschlossen, 2016 kam das zweite Verfahren. Flächendeckend ermöglicht es bis September im Gemeindegebiet 30 bis 50 Mbit. „Es wird aber weiße Flecken geben“, sagt Lechner. Deshalb wurde bereits das Förderverfahren III beantragt.

Der Haushalt in Zahlen

Der Haushalt in Fischbachau umfasst für 2017 rund 18,8 Millionen Euro. Er setzt sich zusammen aus dem Verwaltungshaushalt mit 10,31 Millionen Euro und dem Vermögenshaushalt bei 8,49 Millionen. Der Verwaltungshaushalt weist bei den Ausgaben für das Personal 2,4 Millionen Euro, für Verwaltung und Betrieb 2,7 Millionen Euro, für Zuweisungen und Zuschüsse 1,1 Millionen Euro und für die Kreisumlage 2,6 Millionen Euro aus. Die Zuführung zum Vermögenshaushalt beträgt knapp eine Million Euro. Die Einnahmen umfassen unter anderem Realsteuern mit 1,7 Millionen Euro, Einkommenssteuerbeteiligung und Ersatz mit 3,1 Millionen Euro, Schlüsselzuweisungen mit 1,6 Millionen Euro, Erlöse aus Verwaltung und Betrieb mit 2,7 Millionen Euro und sonstige Einnahmen mit 500.000 Euro. 

Der Vermögensaushalt verzeichnet bei den Ausgaben den Erwerb von Grundstücken mit 320.000 Euro und von beweglichen Sachen mit 670.000 Euro, Wasserversorgungsbau mit 157.000 Euro, Kanalbau mit 140 000 Euro, Straßenbau mit 2,8 Millionen Euro, Tilgung von Krediten mit 360.000 Euro und Zuführung an Rücklagen 330.000 Euro. Bei den Einnahmen bringen der Verkauf von Grundstücken und Sachen 710.000 Euro, Straßenerschließungsbeiträge 600.000 Euro, Beiträge für Kanal und Wasser 115 000 Euro, Kreditaufnahme eine Million Euro, Zuweisungen vom Land und sonstige 4,4 Millionen Euro, Investitionspauschale 130.000 Euro, Rücklagenentnahme 440.000 Euro und Zuführung vom Verwaltungshaushalt knapp eine Million Euro.

nip

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