Bernhard Padeller, Vorsitzender des Kindergartenvereins Hundham, und Küchenchefin Margarete Stöger.
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Schwören auf gutes Essen: Bernhard Padeller, Vorsitzender des Kindergartenvereins Hundham, und Küchenchefin Margarete Stöger. Das Foto wurde bereits vor der Corona-Pandemie aufgenommen.

Öko-Modellregion regt zum Nachmachen an

Hundhamer Kindergarten kocht gesund und regional - und den Kleinen schmeckt‘s

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Gesund und regional lautet das Motto der Küche des Hundhamer Kindergartens Wilde Wiese. Doch wie kocht man, dass es auch den Kleinen schmeckt?

Hundham/Landkreis – „Verführe die Kinder“: Was Fernsehwerbung und Supermarktregale schaffen, kann Margarete Stöger schon lang. Und sie braucht dabei weder Schokolade noch Ketchup oder andere Zuckerbomben aus der Lebensmittelindustrie. Die Betriebsleiterin des Hundhamer Kindergartens Wilde Wiese setzt auf die Neugier der Kleinen. Das Motto: Probieren geht über Studieren. „Niemand muss etwas essen, das er nicht mag“, sagt Stöger. „Aber probieren muss es jeder.“ Ein Rezept, das ankommt bei den Kindern. Die begeistern sich plötzlich für Linsen, Hirse, Rote Beete und Co. Und manchmal sagen sie daheim sogar: „Mama, das musst du auch mal kochen.“ „Dann“, sagt Stöger, haben wir unser Ziel erreicht.“

Öko-Modellregion lobt Wilde Wiese als Vorbild

„Bio und regional“ lautet das Konzept der Wilden Wiese. Ganz im Sinne der Öko-Modellregion (ÖMR) Miesbacher Land, die diese Form der Außer-Haus-Verpflegung in möglichst vielen Betreuungseinrichtungen, aber auch Betriebskantinen und anderen Großküchen im Landkreis etablieren möchte. Bekanntlich beliefert zwar auch die Frischeküche Holzkirchen – ein gemeinsames Projekt des Marktes und des Landkreises – Kinderbetreuungs-Einrichtungen mit gesunden und regionalen Produkten. Das, was der Kindergartenverein Hundham als Träger der Wilden Wiese geschaffen habe, sei dennoch ein echtes Vorbild, betonen ÖMR-Managerin Stephanie Stiller und ihre Kollegin Kathleen Ellmeier. Denn in Hundham wird im eigenen Haus gekocht. „So etwas muss aus einer Philosophie heraus geboren werden“, sagt Stiller. „Das kann man nicht von außen aufsetzen.“

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Bio-regionales Kochen für Großküchen bedeute deutlich mehr Aufwand als für einen Privathaushalt. Erfolgsgeschichten wie die der Wilden Wiese könnten aber dabei helfen, die Hürden zum Umstieg abzubauen. Außerdem müsse man ja nicht von heute auf morgen den kompletten Lebensmitteleinkauf umstellen, sondern könne auch erst mal nur mit einzelnen Produkten wie Milch oder Käse starten. „Da gibt es viele Möglichkeiten, und wir beraten gerne, was im Einzelfall die beste ist“, sagt Stiller. Unabdingbar seien aber Menschen, die voll hinter bio-regionaler Verpflegung stehen.

Das ist im Hundhamer Kindergarten nicht nur Küchenchefin Stöger, sondern auch der Vorsitzende des Trägervereins, Bernhard Padeller. Als Vegetarier sei er ein leidenschaftlicher Freund von hochwertigem Essen und wolle dieses Bewusstsein auch bei den Kindern in der Wilden Wiese wecken. Dass es in Hundham so gut funktioniere, liege an zwei Faktoren: der professionell ausgestatteten Küche, die mit dem Kauf des Caritas-Areals durch die Gemeinde an die Wilde Wiese gegangen ist, und an Stögers Engagement als Küchenleitung. Die bringt nicht nur eine hauswirtschaftliche Ausbildung mit, sondern auch eine Menge Erfahrung durch ihre Zeit im Jugendhaus Berghof.

60 Essen pro Tag werden in der Wilden Wiese gekocht

60 Essen bereitet Stöger täglich in der Wilden Wiese zu – alles frisch gekocht. Der Preis, der pro Gericht zwischen 2,70 und 3,50 Euro liegt, spielt laut Padeller aber nur eine untergeordnete Rolle. So müsse die Küche nicht zwingend kostendeckend arbeiten. Wichtig seien die Vollwertigkeit des Essens, die Bioqualität und die regionalen Lieferanten. Das birgt die eine oder andere Herausforderung. So muss Stöger den Käse der Naturkäserei Tegernsee beim Miesbacher Gastroservice vorbestellen. Das BioGut Wallenburg liefert sein frisches Biogemüse immer mittwochs, sodass es dann nur donnerstags und freitags in den Speiseplan eingebaut werden kann. Fleisch gibt es übrigens nur alle 14 Tage.

Umso wichtiger ist Stöger und Padeller, den Kindern Ernährungsbildung und Esskultur zu vermitteln. So ist die Küchenleiterin nicht nur als Aufsichtsperson beim Mittagessen mit dabei, sondern auch als Vermittlerin, die den Kleinen die Entstehungsgeschichte zu den Schmankerln erklärt. Die erleben diese auch draußen vor der Tür. Sie helfen beim Kräuteranbau im Garten oder begleiten Stöger auf den benachbarten Hundhamer Wochenmarkt. „Ich wünsche mir Esskultur als Teil der Erziehung“, so Padeller. Ein Fach wie Ernährungslehre in allen Schulen fände das Team sehr wichtig. Essenslieferungen an andere Einrichtungen lehnt die Wilde Wiese jedoch ab. Eine anonyme Ausgabe wäre nicht mit dem Konzept vereinbar.

Nur, wenn Kinder mal andere Lebensmittel probieren, wüssten sie den Wert von Bio und Regional zu schätzen, ist Stöger überzeugt. „Sie sollen die Vielfalt schmecken. Deshalb gibt es in der Wilden Wiese auch mal Ananas.“

sg

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