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Ruhig, aber saulustig: Martina Schwarzmann.

Kabarettistin sorgt für Lachsalven in Wörnsmühl

Im Zelt mit Martina Schwarzmann: Der ganze normale Wahnsinn

Einen Hochkaräter der bayerischen Kabarettszene hat sich die Freiwillige Feuerwehr Wörnsmühl zu ihrem 125-jährigen Bestehen ins Festzelt geholt: Martina Schwarzmann. Der Abend war ein Volltreffer.

Wörnsmühl – Es passte einfach alles. Das Wetter, die Organisation – und vor allem die Protagonistin selbst. Die schaffte es in einer der letzten Vorstellungen ihres aktuellen Programms „Gscheid gfreid“, die 2000 Besucher bis zur hintersten Reihe des ausverkauften Zelts von der ersten Minute an zu fesseln und in Stimmung zu halten.

Große Brille, die Haare streng nach hinten frisiert, aufgeräumt, fast stoisch – nur mit Stimme und Gitarre bewaffnet – das ist Martina Schwarzmann. Sie schöpft aus einem schier unerschöpflichen Fundus an Skurrilitäten, den die aus dem Dachauer Umland Stammende durch genaues Beobachten von Figuren und Situationen aus ihrem Alltag speist. Sie verarbeitet das Erlebte in Texte und Lieder voller Humor – so trocken, dass es fast staubt. Man muss erst einmal darauf kommen, es beim Joggen als „Glückstag heid“ zu bezeichnen, wenn beim Exhibitionisten das Hosentürl zwickt, oder wenn der Zahn, den man im Krapfen findet, sein eigener ist.

Ein Dorn im Auge ist für Schwarzmann die Verwandtschaft. Die Cousine, die im fortgeschrittenen Alter noch den Berni bekam, die „fleischgewordene Menopause“, 25 Jahre alt, dauernd besoffen und noch nie mit Freundin gesichtet. Aber sie hat noch mehr „Knaller“ in der Familie. Der Mann der Cousine ist noch schlimmer. Der beklagt sich, dass „nix mehr laffd“. Aber wenigstens verhüten sie, damit nicht noch mehr Unglück passiert. Dass Tante Hedi Schuhcreme aus alten Autoreifen im Thermomix selbst herstellt, ist nichts dagegen, dass eine Freundin die Unterhosen bügelt. Geht’s eigentlich noch?

Martina hat Wichtigeres im Haushalt zu tun, schließlich kommt sie oft erst spät nachts vom Auftritt heim und hat dann morgens um neun Uhr „noch kein Interesse an der Familie“. Die Mitglieder fordern sie dann extrem, wenn sie alles ausräumen, rumpritschln (Schwarzmann’sche Definition: „Wenn ma a rechte Gaudi hat mit Flüssigkeiten, die außerhalb vom Gefäß sind.“) und das Haus auf den Kopf stellen.

Das habe aber nicht nur Nachteile. So müsse man sich nicht vor Einbrecherbanden fürchten: „Die dad’n ja glei wieder fahren, weil’s moanan, da war’n scho welche do“, meint Schwarzmann. Dass man dabei nebenbei entdeckt, wie man mit Hilfe der Fußbodenheizung Bananenchips herstellen kann sei ein angenehmer Nebeneffekt, der für das stressige Hausfrauendasein entschädige.

Von „Multitasking“ hält Schwarzmann nichts: „Des is a Riesenscheißdreck! Saufa und racha ko ma guad gleichzeitig – oder schlafa und trenz’n. Für Nicht-Bayern erklärt sie umgehend: „Des is, wenn ma nachts im Schlaf Flüssigkeit verliert.“ So singt und spielt sich Schwarzmann durch die Höhen und Tiefen des ganz normalen täglichen Wahnsinns, erzählt kleine Geschichten mit großer Wirkung, ohne eine Miene zu verziehen. All dies bringt sie so überzeugend, dass sie sogar auf dem Nordpol als Bikiniverkäuferin erfolgreich wäre.

Von Reinhold Schmid

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