+
Thomas Knollmann aus Weyarn ist Experte für Sprengstoffe und hat einen speziellen Lehrgang für Höhlenretter konzipiert. 

Interview mit Spreng-Lehrer: „Wir sind ja nicht lebensmüde“

Sprengübungen: Darum schepperts morgen im Leitzachtal

  • schließen

Weyarn/Fischbachau – Am Freitag kann es tagsüber lauter werden rund um den Steinbruch in Fischbachau. Aber keine Angst, Thomas Knollmann aus Weyarn weiß genau, worauf es dabei ankommt. 

Zu Übungszwecken und im Rahmen der Ausbildung führt Thomas Knollmann mit Sprengberechtigten heute von 9 bis 12 Uhr im Steinbruch Fischbachau sogenannte Mikro-Sprengungen an Felsen durch. Im Interview erklärt er, warum.

Thomas Knollmann ist Geschäftsführer des Ingenieurbüros für Prozessautomation (ifp) in Weyarn und hat einen maßgeschneiderten Lehrgang für Höhlenretter von Bergwacht, Feuerwehr und Malteser aus Deutschland und Österreich sowie für Höhlenforscher konzipiert. Im Interview spricht der 55-Jährige über die Herausforderungen, vor denen Höhlenretter stehen, Explosivstoffe im Bleistiftformat und lebenswichtige Routine.

Herr Knollmann, was genau macht eine Höhlenrettung so schwierig?

Knollmann: Wenn etwa ein Höhlenforscher verunglückt, gibt es oft keinen adäquaten Rettungsweg, der groß genug ist, um den Verletzten in einer Trage aus den Tiefen wieder an die Oberfläche zu bringen. Stellen Sie sich folgende Situation vor: Es hat in einer Höhle einen plötzlichen Versturz gegeben, der zu einer Engstelle mit einem rechteckigen Knick geführt hat. Dann gibt es für einen Patienten, der beispielsweise eine Wirbelsäulenverletzung hat, kein Durchkommen, weil die Trage schlicht zu lang ist.

Und Sie sprengen dann den nötigen Rettungsweg frei?

Knollmann: Genau. Durch eine gezielte Sprengung kann man den Radius einer Engstelle vergrößern, über den die Trage dann gezogen werden kann. Es geht bei so einer Erweiterung einer Engstelle natürlich besonders auch darum, möglichst wenig Gase freizusetzen sowie Lärm, Druckwelle und die Gesteinsmenge zu reduzieren. Deshalb setzen wir eben auf Mikro-Sprengungen.

Die eine spezielle Ausbildung erfordern.

Knollmann: Ja. Die Höhlenrettung ist in Bayern seit 2011 bei der Bergwacht eingebunden, bei der ich auch seit 1978 aktiv bin. Bei einer routinemäßigen Übung der Bergwacht vor einigen Jahren stellte sich heraus, dass die bis dato genutzten Techniken zur Erweiterung von Engstellen nicht gerade ungefährlich waren. Außerdem stellte sich die Frage, was ein Höhlenretter eigentlich können muss, um eine Engstelle sprengtechnisch zu beseitigen, außer mit Hammer und Meißel vorzugehen. Nach vielen Versuchen, intensiven Gesprächen mit Kollegen aus der Höhlenrettung der Bergwacht, Sprengberechtigten und Gewerbeaufsicht haben wir dann einen speziellen Lehrgang entwickelt. Das fiel etwa in die Zeit der Rettungsaktion in der Riesending-Schachthöhle. Dieser Lehrgang findet einmal im Jahr mit durchschnittlich vier bis fünf Teilnehmern statt. Grundsätzlich muss man aber sagen, dass Unfälle in Höhlen Gott sei Dank sehr selten sind.

Welche Sprengstoffe kommen denn im Ernstfall zum Einsatz?

Knollmann: Übliche Gesteinssprengstoffe wären in solchen Fällen viel zu groß. Wir arbeiten unter anderem mit Nitropenta, das auch in Zündern verwendet wird. Da wir dort sprengen, wo es sehr eng ist, ist der Sprengstoff oft nur so groß wie ein kurzer Bleistift, der mit Drähten und einem Kabel versehen ist. Außerdem arbeiten wir mit Akkubohrern. Damit werden teils viele Löcher mit kleinem Durchmesser in den Fels gebohrt, in die der Explosivstoff dann platziert wird.

Wie gefährlich ist dieses Vorgehen denn für die Retter?

Knollmann: Grundsätzlich sind Sprengungen natürlich schon gefährlich. Es ist aber kein Himmelfahrtskommando. Wir wissen sehr genau, was wir tun und kennen unsere Grenzen. Risiken können durch eine gute Ausbildung und Routine stark reduziert werden. Zu 99,9 Prozent ist diese Arbeit für uns sicher. Die Autofahrt zum Steinbruch ist definitiv gefährlicher. Wichtig ist natürlich, dass man regelmäßig übt, an seinen Fähigkeiten feilt und neue Ideen entwickelt. Deshalb treffen wir uns viermal im Jahr und trainieren die Anwendung von Sprengschnur und Sprengzündern und spielen verschiedene Szenarien durch. Kein Sprengberechtigter ist schließlich lebensmüde.

ah

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Vermieter aus Miesbach warten wochenlang auf ihr Geld
Doris und Alfred Holzer aus Miesbach vermieten zwei Wohnungen an Asylbewerber. Seit Wochen warten sie auf ihr Geld. Schuld sind nicht die Bewohner, sondern der …
Vermieter aus Miesbach warten wochenlang auf ihr Geld
Pikolas Weltkriegs-Drama kehrt auf die Bühne zurück
Ein Riesen-Erfolg für die Irschenberger Theatergruppe war Rudolf Pikolas Stück „...der werfe den ersten Stein!“. Jetzt geht es zwei Jahre später in die nächste Runde. …
Pikolas Weltkriegs-Drama kehrt auf die Bühne zurück
Sportlerwahl 2016: Noch können Sie abstimmen
Landkreis – Sie sind gefragt: Wir suchen die Landkreissportler des Jahres 2016. Ab sofort können Sie hier in vier Kategorien abstimmen. Wir haben ein paar Kandidaten …
Sportlerwahl 2016: Noch können Sie abstimmen
Alternativen zum Studium: Ausbildung braucht mehr Lobby
Dem Akademisierungs-Wahn die Stirn bieten. Dafür sprach sich der IHK-Ausschuss Miesbach aus. Alternativen zum Studium gibt es schließlich reichlich. 
Alternativen zum Studium: Ausbildung braucht mehr Lobby

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare