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Freude an historischen Schriften: 15 Jahre hat Irmingard Findeiss gebraucht, um die Brunhuber-Chronik aus dem Jahr 1928 zu aktualisieren.

„Das ist mein Lebenswerk“

Interview: Darum hat diese Frau ein 89 Jahre altes Buch aktualisiert

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15 Jahre hat Irmingard Findeiss für die Fortschreibung der Chronik des Oberen Leitzachtals gebraucht. Warum sie sich dieses Mammutprojekt aufgetan hat, erzählt sie im Interview.

Fischbachau – Es ist vollbracht. 89 Jahre nach der erstmaligen Veröffentlichung der „Chronik Oberes Leitzachtal“ durch den damaligen Elbacher Lehrer Josef Brunhuber ist jetzt der zweite Band erschienen. 15 Jahre hat Irmingard Findeiss aus Marbach an ihrem Mammutprojekt gearbeitet. Die Geschichte von 350 Anwesen in Fischbachau, Bayrischzell und Niklasreuth hat Findeiss fortgeschrieben. Herausgekommen ist ein 850 Seiten dickes Buch. Wie sie zu diesem außergewöhnlichen Hobby gekommen ist und was sie dabei alles erlebt hat, erzählt Findeiss im Interview mit unserer Zeitung.

-Frau Findeiss, Sie haben gut 350 Anwesen abgeklappert, um ein 89 Jahre altes Buch auf den neuesten Stand zu bringen. Warum tut man sich so was freiwillig an?

Findeiss: (lacht) Es lag auf jeden Fall nicht daran, dass mir langweilig gewesen wäre. Eigentlich hatte es einen ganz praktischen Grund: Ich habe damals als Schlierseerin ins Leitzachtal geheiratet und in der Arztpraxis meines Mannes in Marbach gearbeitet. Da habe ich viele alteingesessene Familien kennengelernt und mich immer öfter gefragt: Wer ist da eigentlich mit wem verwandt? Also habe ich eines Tages in die Brunhuber-Chronik meines Schwiegervaters reingeblättert.

-Haben Sie da Antworten auf Ihre Fragen bekommen?

Findeiss: Nicht so wirklich. Das Problem war, dass die Aufzeichnungen ja nur bis 1928 reichten. Da habe ich gemerkt, dass ich selbst weiter forschen muss. So was liegt mir einfach im Blut. Ich will immer alles wissen. Durch meinen Vater bin ich da auch ein bisschen erblich vorbelastet. Der war langjähriger Leiter des Schlierseer Heimatmuseums und hat das Buch „Aus alten Stuben und Kammern“ geschrieben.

-Da wollten Sie in seine Fußstapfen treten.

Findeiss:Das war mir da noch gar nicht so klar. Ich habe einfach mal beim für das Archiv zuständigen Leitzachtalverein nachgefragt, ob Interesse an einer Fortschreibung der Chronik besteht. Da war man natürlich froh, dass es jemand anpackt.

-Hand aufs Herz: Hatten Sie nur eine ungefähre Vorstellung davon, was Sie sich da aufhalsen?

Findeiss: Na ja, ich wusste natürlich schon, dass es mit viel Aufwand verbunden ist. Rückblickend kann ich sagen, dass es nicht weniger als ein Lebenswerk für mich geworden ist. 15 Jahre habe ich mich mit der Chronik befasst, die letzten fünf davon sogar intensiv.

-Wie muss man sich diese Arbeit konkret vorstellen?

Findeiss: Man muss strukturiert vorgehen, sonst verliert man sich. Ich habe mir einen Ortsplan genommen und darin alle von Brunhuber beschriebenen Anwesen markiert. In den folgenden Jahren bin ich dann von Hof zu Hof gegangen und habe mich über die jüngere Geschichte erkundigt und Fotos gemacht. Ich wollte die Leute kennenlernen, bevor ich über sie schreibe. Familienangelegenheiten sind ja etwas sehr persönliches.

-Sie sagen es. Wurden Sie überall mit offenen Armen empfangen?

Findeiss: Einige waren schon skeptisch, aber das hat mich auch nicht überrascht. Man muss da sehr sensibel vorgehen. So habe ich zum Beispiel auch keine aktuellen Hofgrößen abgefragt. Das geht niemanden etwas an. Bei den Verwandtschaftsbeziehungen habe ich aber keine Ausnahmen gemacht. Da ist es schon mal passiert, dass mir jemand die drei Kinder seiner ersten Frau verschweigen wollte. Das habe ich nicht akzeptiert, denn sonst wäre die Chronik falsch gewesen. Und das wäre auf mich zurückgefallen.

-Das alles klingt jetzt nicht gerade nach einem entspannenden Hobby...

Findeiss: Das war es auch nicht. Aber ich habe wahnsinnig viel gelernt. Nicht nur über die Geschichte des Leitzachtals, sondern vor allem über seine Bewohner. Deshalb traue ich mich jetzt als gebürtige Schlierseerin behaupten, dass ich endgültig hier angekommen bin.

-Ihr nächstes Buch schreibt sich also quasi von selbst.

Findeiss: (lacht) Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich könnte mir aber vorstellen, mal ein paar alte Dokumente aus dem Leitzachtalarchiv zu übersetzen. Dazu muss ich aber erst die altdeutschen Schriften entziffern lernen.

Das Buch

„Chronik Oberes Leitzachtal Band II“ umfasst 850 Seiten und enthält – sofern verfügbar – von jedem beschriebenen Anwesen ein Schwarz-Weiß-Foto. Zu kaufen gibt es das Werk für 89 Euro(99 Euro mit Pappschuber) beim Tourismusbüro und bei der Sparkassen-Geschäftsstelle in Fischbachau sowie bei Rothemund’s Post-Filiale in Aurach. 1000 Stück hat Irmingard Findeiss bei Auracher Drucktechnik in Fischbachau anfertigen lassen. Bei der Buchvorstellung am morgigen Samstag, 14. Oktober, um 15 Uhr im Sitzungssaal des Fischbachauer Rathauses findet ebenfalls ein Verkauf statt.

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